„Schiefergas wird nie so groß wie in den USA“

29.03.2013 | 18:33 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimaschutz, warnt die Europäer vor unrealistischen Erwartungen an die Entwicklung der Energiepreise. Die klimapolitischen Ankündigungen von Präsident Obama sieht sie skeptisch.

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Cambridge/Massachusetts. Connie Hedegaard ist in Harvard ein gern gesehener Gast. Mehrmals wurde sie schon von der weltberühmten Universität in Cambridge, Massachusetts, eingeladen, um über den Klimawandel zu sprechen. Und so glaubt sie, einen Wandel in der Einstellung der Amerikaner oder zumindest deren intellektueller Elite bemerkt zu haben. „Als ich das letzte Mal in Harvard war, konnte man das Wort Klimawandel kaum erwähnen. Das wollte niemand verwenden“, sagte die 52-jährige EU-Kommissarin unlängst am Rande einer Konferenz der Studenten der Kennedy School for Government und der Harvard Business School im Gespräch mit der „Presse“.

Mittlerweile scheint dieses Thema regelmäßig in den politischen Ansprachen des amerikanischen Präsidenten auf. „Um unserer Kinder und unserer Zukunft willen müssen wir mehr tun, um den Klimawandel zu bekämpfen“, sagte Barack Obama am 12.Februar in seiner Rede zur Lage der Nation.

Er appellierte an den Kongress, ein seit Jahren in der Schublade liegendes Gesetzesvorhaben der Senatoren John McCain und Joe Lieberman zur Schaffung einer Kohlendioxid-Handelsbörse anzunehmen. Und er kündigte an, selbst zu handeln und per Verordnungen gegen Luftverschmutzung vorgehen und die Anpassung an den Klimawandel unterstützen zu wollen.

 

„Wir in Europa sind nicht naiv“

Für Hedegaard sind diese Worte „Musik in meinen Ohren“, doch sie bleibt äußert skeptisch: „Wir sind in Europa nicht naiv. Wir müssen jetzt sehen, ob diese Worte in Taten umgesetzt werden. Wir haben schon früher interessante Stellungnahmen aus Amerika gehört, denen dann nichts gefolgt ist.“ Hedegaard ist in dieser Frage ein gebranntes Kind: Sie leitete im Jahr 2009 die Verhandlungen jener Weltklimakonferenz in Kopenhagen, die am Unwillen von China, Indien, Brasilien und Russland sowie am fehlenden Handlungswillen des damals neu gewählten Präsidenten Obama gescheitert ist. Skeptisch bewertete Hedegaard auch die Erwartung mancher europäischer Politiker und Energiemanager, wonach sich die Ausbeutung von Schiefergas ähnlich stark auswirken könnte, wie das in den Vereinigten Staaten seit einigen Jahren der Fall ist. „Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere geologischen Formationen nicht so einfach zugänglich sind wie hier in den USA, in North Dakota und anderswo. Europa ist dichter bevölkert, und die Sorgen der Bürger werden eher angehört als jene von Amerikanern in dünn besiedelten Landstrichen. Welche Experten Sie auch fragen: Schiefergas wird bei uns nie so groß werden wie in den USA, und die Energiepreise werden nie so stark sinken, wie wir es in den USA gesehen haben.“

Hedegaard betonte auch, dass die Wahl der Energieträger „absolut bei den Mitgliedstaaten“ liegt. „Nichts in den europäischen Politiken hält sie davon ab, Schiefergas zu entwickeln. Wir bereiten in der Kommission aber einen regulatorischen Rahmen vor, damit klar ist, welche Umweltstandards man einhalten muss“, fügte sie hinzu.

Bei ihrem US-Besuch machte Hedegaard auch einen Zwischenstopp im Weißen Haus. Sie traf dort Todd Stern und Michael Froman, Obamas wichtigste Berater in Fragen des Klimaschutzes. Hauptthema dieser Unterredung war der Streit um die Teilnahme amerikanischer Fluggesellschaften am EU-Emissionshandel. Obama hatte am 27.November den „European Union Emissions Trading Scheme Prohibition Act“ mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt.

 

Streit um US-Fluglinien ungelöst

Dieses Gesetz erlaubt es dem Verkehrsministerium, US-Fluglinien die Teilnahme am europäischen CO2-Handel zu verbieten. Was hat der Termin bei Stern und Froman in dieser Frage gebracht? „Wir haben definitiv noch einige Unterschiede, aber es ist auch sichtbar, wo Lösungen gefunden werden können“, wich Hedegaard aus. Bekanntlich hat sie die Einbeziehung der US-Fluglinien bis Herbst gestoppt, um eine gütliche Lösung zu finden. „Es sollte unseren amerikanischen Freunden sehr klar sein: So, wie sie ihren Senat haben, haben wir das Europäische Parlament“, warnte Hedegaard mit eiVerweis auf den Druck der Parlamentarier, die US-Fluglinien bei andauerndem Zuwiderhandeln zu bestrafen. „Manchmal handeln Politiker so lange nicht, bis es zwingend ist, dass sie die Kurve kriegen.“

Auf einen Blick

Connie Hedegaard ist seit Anfang 2010 EU-Kommissarin für Klimaschutz. Die 52-jährige Dänin war zuvor TV- und Zeitungsjournalistin sowie Politikerin der konservativen Volkspartei. Die Wirtschaftskrise und der globale Unwille, die CO2-Emissionen zu verringern, stellen sich ihren Bemühungen seit Amtsantritt entgegen. [EPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)

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25 Kommentare
 
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Alles klar, Frau Kommissar!

Wenn Sie als die kompetente Kommissarin im ZK der EUdSSR sagen, "Schiefergas wird nie so groß wie in den USA", wird genau das Gegenteil eintreten.

So wie die dreinschaut,

kann sie ja nicht einmal einen Osterhasen von einem Weihnachtsmann unterscheiden...


Re: So wie die dreinschaut,

Wenn Sie anhand eines Bildes über die Intelligenz,das Durchsetzungsvermögen und der Kompetenz einer Frau urteilen, kann ich mich nur sehr wundern. Privat würde ich Ihnen andere Aussagen an den Kopf schleudern.

Unnötig

Ein Teil der Finanzkrise
sind viel zu viele gutbezahlte
aber unnotwendige , im Interesse von Lobbys agierende Experten .

die österreicher sind ein intelligents volk ...


so wie wir auf die atomkraft verzichten konnten, sollten wir auch das fracking verbieten, solange keine ganz saubere technologie dafür bereitsteht.

wer sagt, daß unsere generation alle rohstoffe verpzutzen muß? überlassen wir das schiefergas doch unseren kindern - auch die werden noch rohstoffe brauchen.

Re: die österreicher sind ein intelligents volk ...

zu info, der westen konnte auf atomkraft verzichten, der osten war klar dafür!

Re: Re: die österreicher sind ein intelligents volk ...


insgesamt dagegen. wir haben ja auch genügend wasserkraft - was die westler eben besser wissen (sehen).

Re: Re: die österreicher sind ein intelligents volk ...

sie meinen die russische Besatzungszone - undankbar ?

Re: Re: Re: die österreicher sind ein intelligents volk ...

bei der abstimmung war scho länger keine besatzung mehr und ganz wien dürfte auch nicht an die russen gefallen sein;-)

dagegen mit sensationellen 50.5% (zum glück)

Diesen Winter sind z.B. in England DREISSIGTAUSEND Menschen durch Kaelte umgekommen

Und diese haessliche Vertreterin der Verbrecherorganisation EUdSSR will, dass es noch kaelter wird? Diese Politikerbaggage vereint nur eines: Der totale Menschenhass und ihre eugenischen Ziele. Ich hoffe nur, dass der Rahmen, den sie vorbereitet, robust genug ist, um sie daran aufzuknuepfen.

Re: ihre Menschenliebe

kennt doch wirklich nur Zahlen und Schuldzuweisungen. Dass es jemand gibt der sich jetzt drum sorgt, - wie meine Nachbarn die biologische Lebensmittel anbauen, daran denken dass der Acker nicht nur Geld abwirft, sondern altmodisch auch für künftige Generationen Lebensgrundlage sein kann - all das wird an Ihrem Altar der Marktwirtschaft geopfert. Klar verdient man mehr wenn man mit Schiefergas die Umwelt zerstört aber an diesen menschenverachtenden Industrien ist ja letztlich schon die UdSSR gescheitert.

Ja ja, die UdSSR

UNd ihr Nachfolgestaat Russland haben groesstes Interesse daran, das Schiefergas in schlechtem Licht zu zeigen. Denn Schiefergas wuerde uns vom Russengas unabhaengiger machen. Deshalb sind natuerlich die ZK Mitglieder der EUdSSR strikt dagegen.

Sicher haben wir einen Klimawandel

Unbestreitbar.
Augen und die Geldbörse aufmachen.
Wie muss das erst auf der hohen See sein wenn man das Wetter nicht mehr einschätzen kann?

Schiefergas wird nie so groß werden, weil alle wissen, dass es nur ein Börsen-Fake ist, der schnell wieder verpuffen wird


mein gott

die europäer sind an naivität nicht mehr zu überbieten. wo kommen diese typen all her auf einmal? die nachkommen der 68er generation. wie sagte schon pete townshend als man ihn nach woodstock fragte? ich habe es gehasst.....

Re: mein gott - vielen Dank

The Who waren eine britische Band und - das Zitat kenn ich nicht - mögen den amerikanischen Veranstalter und Abzocker in Woodstock gehasst haben. Pete Townshend war naiv, die Amis muss man lieben oder was wollten Sie sagen Tennesee Whiskey - schleichts Euch Ihr Europäer ??

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EU-Kommissarin für Klimaschutz?

Wieder so eine Vertreterin der CO2-Lobby, die uns an heißen Sommertagen erklärt, dass es sich um die ersten Anzeichen der Klimaerwärmung und bei Schneefall zu Ostern von lokalen Wetterereignissen handelt.

"Den Klimawandel bekämpfen" - das Klima hat sich zu allen Zeiten geändert, ob das Frau Hedegaard wahrhaben will oder nicht. Genausogut könnte man die Gravitation bekämpfen wollen.

Klimakommissarin Hedegard ...

Noch nie was von der gehört! Und was für eine passende Ausbildung sie hat! Wie wäre es, wenn die ganzen EU-Kommissare (wieviele gibts da eigentlich?) nur aus PR-Experten bestünden? Die würden wenigstens offiziell lügen ... und könnten die ganzen Lügen dann wenigsten professionell medial verkaufen!

Re: Klimakommissarin Hedegard ...

tv- und zeitungsjournalistin sowie politikerin, die ideale person um so ein politikfeld zu verstehen.....

Vorsicht, Klimawandel ist in diesem Forum tabu

Weil man oft davon hört, der Kampf jedoch aussichtslos scheint.

Und das Volk hält beim Fussball nicht gerne zu der verlierenden Mannschaft. ;-) Und diese Denkensweise führt unterbewusst zu einer Klimawandel-Verleugnung.

Ein zweiter Grund ist, dass die Anerkennung des Klimawandels zu Veränderungen führen müsste. Und dazu sind sich die meisten zu bequem.

Re: Vorsicht, Klimawandel ist in diesem Forum tabu

Wenn man schon milliardenschwere Ausgaben tätigen soll, so muss zumindest ein Nachweis eines Problems und Nachweis der Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen für die man diese Ausgaben tätigen soll vorhanden sein.
Beides fehlt bei der CO2-Klimawandelthese. Die tatsächliche Temperaturentwicklung ist gerade dabei sich aus dem 95% Konfidenzintervall des IPCC-Hockeystickmodells zu verabschieden. Jeder Statistiker kann ihnen erklären was das bedeutet, nämlich dass das Modell Mist ist. Folglich fehlt auch jeglicher erwartbare Nutzen durch die CO2-Besteuerung. Es wird dadurch alles teurer, aber nichts besser.
Solange man kein valides Klimamodell aufstellen kann, dass ein tatsächliches Problem zeigt und nicht nur ein herbeiimaginiertes ist jeder Euro für den CO2-Vermeidungszirkus pure Verschwendung.

http://wattsupwiththat.com/2013/03/18/newsbytes-climate-scientists-turn-skeptical-as-climate-predictions-fail/

Nein das dürfen wir nicht fördern!

Besser ist es wir verlagern unsere Arbeitsplätze in andere Länder (VOEST). Denn das Einkommen kommt eh vom Staat!

Re: fördern ?

schau schau, da ruft schon wieder mal die Privatwirtschaft nach Staatsförderung - die Bankenrettung war wohl nicht genug.
Wo doch schon die Atomkraft staatlich subventioniert, die Stromriesen geförderten Billigstrom für die Industrie abgeben, sollten doch noch ein paar Milliarden für die Schiefergasler übrig sein, meinen Sie ?

„Wir sind in Europa nicht naiv"

Nein. Sondern komplett irre. Und solche Schreckschrauben sind einer der Gründe dafür.

die umweltzerstörung in den usa hat bereits ausmaße angenommen die unkontrollierbar sind

aber macht ja nichts haupsache die kohle stimmt

 
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