Italien: Wenn der Beamte in Unterhose zur Stempeluhr geht

Der Betrug an der Stempeluhr gehört in vielen italienischen Ämtern zum Alltag. Ein neues Gesetz soll das nun ändern.

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Dieses Video der Finanzpolizei sorgte in Italien für Aufregung
Dieses Video der Finanzpolizei sorgte in Italien für Aufregung – Screenshot Youtube/Guardia di Finanza

Es sind Zustände wie bei MA 2412, die auf einem Überwachungsvideo der italienischen Finanzpolizei zu sehen sind: Die Aufnahmen zeigen den alltäglichen Betrug mit Stempelkarten in der Gemeindeverwaltung von Sanremo im Nordwesten Italiens. Da gibt es zum Beispiel den Mitarbeiter, für den die Ehefrau zur Stempeluhr geht. Oder den Kollegen, der die Arbeitszeit lieber zum Kanufahren nützt. Es gibt auch die Frau, die gleich mehrere Stempelkarten zückt. Und dann gibt es noch den mittlerweile in ganz Italien berühmten Verkehrspolizisten, der sich nicht einmal die Hose anzog, um zu stempeln. Vermutlich wollte er schnell wieder ins Bett, seine Dienstwohnung befand sich im Gebäude.

Eigentlich sollten Stempeluhren ja Betrug verhindern. Dennoch haben die italienischen Ermittler mit Hilfe der versteckten Kameras allein in Sanremo 196 Angestellte beim Schwänzen erwischt.

Jetzt ist das Video, das bereits im Oktober 2015 in Italien für Aufregung sorgte, erneut Thema. Denn die Regierung Matteo Renzi kündigte an, mit harten Gesetzen gegen die "furbetti del cartolino" (sinngemäß: die Schlaumeier mit der Stechkarte) vorgehen zu wollen. Einem Beamten, der betrogen hat, sollen künftig sofort Konsequenzen drohen: Innerhalb von 48 Stunden nach dem Vergehen sollen Personen, die in flagranti erwischt worden sind, ohne Gehalt nach Hause geschickt werden. Gleichzeitig soll das Kündigungsverfahren eingeleitet werden. Auch Vorgesetzte sollen verpflichtet sein, Vergehen ihrer Mitarbeiter zu melden. Viele haben es bisher einfach geduldet - oder es selbst genauso gemacht.

Für den Polizisten in Unterhosen gab es übrigens kein gutes Happy End. Wie italienische Medien berichten, wurde er diese Woche gemeinsam mit vier anderen Angestellten der Stadtverwatung von Sanremo entlassen.

(sk)

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