Hälfte der neuen Jobs in EU-Staaten ging an EU-Ausländer

Zwei Millionen Jobs sind zwischen 2013 und 2015 in der EU entstanden. Eine Million davon ging an Menschen, die innerhalb der Union das Land wechselten, 100.000 an Nicht-EU-Bürger.

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APA/Ralf Hirschberger

In der Europäischen Union sind zwischen 2013 und 2015 fast zwei Millionen neue Jobs entstanden. Davon wurden nur etwa 100.000 durch Menschen von außerhalb der EU besetzt, zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Bank Austria. Eine Million Stellen gingen an Menschen, die dafür innerhalb der Union das Land wechselten, 900.000 an "Einheimische".

Drei Viertel der EU-Bürger, die für den Job ihr Heimatland verließen, stammten ursprünglich aus den "neuen Mitgliedsstaaten", also den osteuropäischen EU-Ländern. In neun EU-Staaten hat in diesem Zeitraum das Arbeitskräfteangebot abgenommen. Das betraf neben osteuropäischen Ländern auch einige südeuropäische Länder, wie Spanien, Portugal und Zypern, wo es aufgrund der Wirtschaftskrise zur Abwanderung von Arbeitskräften kam. Das habe zwar die Arbeitslosenquote in diesen Ländern gesenkt, langfristig drohe dadurch aber der Verlust besonders qualifizierter Menschen (Braindrain), erwartet Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

"Stark gestiegene Mobilität"

"Bedingt durch die vollständige Öffnung der Arbeitsmärkte für Arbeitskräfte aus den neuen osteuropäischen Mitgliedsländern hat sich die an sich in den vergangenen Jahren bereits stark gestiegene Mobilität der Arbeitnehmer in Europa zusätzlich erhöht", schreibt Pudschedl in der Studie.

Pudschedl und Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer weisen in der Studie auch nach, dass mit Ausnahme von Finnland, Rumänien und Zypern in allen EU-Ländern die anziehende Konjunktur zu einem Anstieg der Arbeitsplätze beigetragen hat. Allerdings hat in Belgien, Frankreich, Luxemburg und Österreich der Zuzug von Arbeitskräften diesen Effekt aufgehoben, es kam in Summe trotzdem zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. In Finnland hat der Zuzug von Arbeitskräften den konjunkturell bedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit noch verstärkt.

Die fünf Länder mit steigender Arbeitslosenquote weisen, mit Ausnahme von Luxemburg, eine nur unterdurchschnittlich starke Wirtschaftsentwicklung und damit zusammenhängend eine unterdurchschnittliche Beschäftigungsdynamik auf.

Österreich: Arbeitskräfteangebot gestiegen

So war in Österreich die Wirtschaftsdynamik in diesem Zeitraum mit 1,6 Prozentpunkten nur etwa halb so hoch wie im EU-Durchschnitt und auch die Beschäftigung stieg mit nur 0,9 Prozent gemäß Eurostat-Daten deutlich weniger. Dazu kam, dass durch eine steigende Frauenbeschäftigung, einen Anstieg der Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer und durch Zuwanderung das Arbeitsangebot deutlich stärker gewachsen ist. "In Österreich war zwischen 2013 und 2015 der entlastende Konjunktureffekt geringer als der gegenläufige Angebotseffekt, daher ist die Arbeitslosenquote von 5,4 auf 5,7 Prozent gestiegen. Der positive Konjunktureffekt für sich allein genommen, hätte die Arbeitslosenquote 2015 auf 4,4 Prozent gesenkt", errechnet Bruckbauer. Wäre also das Arbeitskräfteangebot gleich geblieben, dann wäre die Arbeitslosenrate (nach EU-Definition) auf 4,4 Prozent gefallen.

(APA)

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