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Hypo-Verkauf: Wer kassierte 145 Millionen?

15.10.2009 | 18:28 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte auch das Büro des früheren Hypo-Chefs Tilo Berlin. Der Fall kann erst aufgeklärt werden, wenn alle Begünstigten der ominösen 145- Mio.-Euro-Zahlung bekannt sind.

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Wien/KlagenfurT. Die Affäre um den Verkauf der Hypo Group Alpe Adria weitet sich aus: Wie am Donnerstag bekannt wurde, durchsuchten Staatsanwälte auch das Büro des Vermögensverwalters und früheren Hypo-Chefs Tilo Berlin, die Berlin&Co Holding in Klagenfurt. Razzien gab es auch bei Berlins Anwaltskanzlei Wolf Theiss in Wien und bei der Grazer Wechselseitigen Versicherung, die noch einen kleinen Anteil an der Hypo besitzt.

Das Interesse der Justizbehörden gilt unter anderem jenen Hintermännern, die gemeinsam mit Berlin im Dezember 2006 ein Aktienpaket an der Hypo erworben und wenige Monate später mit einem kolportierten Gewinn von 145 Mio. Euro an die BayernLB weiterverkauft haben. Bis heute ist unklar, in welche Taschen das Geld geflossen ist.

 

Bankchef Schmidt wehrt sich

Die Münchner Justizbehörden ermitteln derzeit nur gegen den früheren BayernLB-Chef Werner Schmidt wegen des Verdachts der Untreue. Ihm wird vorgeworfen, die Hypo Group überteuert gekauft und damit die BayernLB geschädigt zu haben. Der Freistaat Bayern, dem die BayernLB gehört, prüft Schadenersatzansprüche gegen Schmidt. Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger sagte, es werde vermutlich Monate dauern, um die beschlagnahmten Unterlagen auszuwerten.

In Deutschland äußerte die Grüne-Abgeordnete Eike Hallitzky die Vermutung, Schmidt habe sich „womöglich bereichert“. Denn Schmidt und Berlin seien Freunde gewesen. Beide haben Ende der 90er-Jahre bei der Stuttgarter LBBW-Bank gearbeitet. Nach Übernahme der Hypo machte Schmidt seinen Exkollegen zum neuen Chef der BayernLB-Tochter. „Wenn es da einen Zusammenhang gibt, wäre das ein Skandal“, sagte Hallitzky im Bayerischen Rundfunk.

Schmidt wies gestern alle Vorwürfe zurück. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Im Büro von Tilo Berlin heißt es, man werde die Behörden „in vollem Umfang“ unterstützen. Die Berlin&Co Holding werde nichtals Beschuldigter geführt.

Der Fall kann erst aufgeklärt werden, wenn alle Begünstigten der ominösen 145- Mio.-Euro-Zahlung bekannt sind. So ist der Deal abgelaufen:
Im Dezember 2006 schied BayernLB im Bieterverfahren um die Bawag aus. Zum Zug kam der Finanzinvestor Cerberus. BayernLB-Schmidt erklärte damals, er werde sich nach anderen Kaufgelegenheiten umsehen. Im gleichen Monat stieg Berlin mit vermögenden Privatpersonen bei der Hypo ein.
17.Mai2007: Die BayernLB erklärte, ein Angebot für die Hypo Kärnten legen zu wollen. Verkäufer waren das Land Kärnten und die Berlin-Gruppe.
21.Mai2007: Schon vier Tage nach der Ankündigung erzielten die BayernLB, das Land Kärnten und die Berlin-Gruppe eine Einigung. Die Deutschen bezahlten 1,6 Mrd. Euro für 50Prozent an der Hypo. Das Land Kärnten hatte die Privatisierung nicht öffentlich ausgeschrieben, obwohl sich auch Erste Bank und Raiffeisen dafür interessierten.

Berlin hatte mit geheimnisvollen Hintermännern binnen weniger Monate 145Mio. Euro verdient. Über die Berlin-Gruppe ist wenig bekannt. Fest steht nur, dass Veit Sorger, Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung, dem Konsortium angehörte. Sorger will sich dazu nicht äußern. Dem Vernehmen nach profitierten auch die Flick-Stiftung sowie Leiner- und Kika-Eigentümer Herbert Koch vom Verkauf. Im Koch-Sekretariat hieß es gestern, der Manager sei im Ausland und nicht erreichbar.

 

Vorwurf der Parteienfinanzierung

Die Affäre bekommt auch eine politische Dimension. Die Kärntner Grünen fordern BZÖ und ÖVP auf, in diesem Zusammenhang alle Parteispenden seit 2007 offenzulegen. Denn beide Parteien hatten sich für die Übernahme durch die BayernLB eingesetzt. „Die Frage, ob Erlöse aus dem Verkauf als Parteispenden – etwa von der Gruppe um Tilo Berlin – an die am Deal beteiligten Kärntner Regierungsparteien geflossen sind,kann nur durch eine Offenlegung geklärt werden“, sagte Rolf Holoub, Chef der Kärntner Grünen. „Mich würde interessieren, womit das BZÖ die teuren Wahlkämpfe finanziert hat“, so Holoub. BZÖ und ÖVP weisen alle Vorwürfe zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2009)

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18 Kommentare
Gast: ökono-mist
16.10.2009 14:04
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Da kann man nur noch so pietätvoll wie möglich zynisch werden!


Dort, wo man jetzt so überall sucht, hat man womöglich gute Chancen, so nebenbei auch den F.-Sarg aufzufinden, den die Staatsanwaltschaft (aus "guten" Gründen?) nun gar nicht mehr offiziell sucht - und inoffiziell wahrscheinlich schon gar nicht...denn behördliche&terrestrische Weiße-Kastenwagen-Kolportierer&Lancierer scheint es hierzulande ja zuhauf zu geben...
(Wenn man das eigenartige Understatement mit "Armenglöcklein" beim Begräbnis im Fernsehen gesehen hat, dann könnte man fast meinen, da sei gar nie jemand drinnen gewesen...oder gar ein Falscher? Die 145 Millionen können's jedenfalls nicht gewesen sein, denn die wurden erst später "verdient"...)

Doch "Spaß" beiseite: wer soviel Geld hat, könnte sich ja ohne Probleme eine ganze kleine Republik kaufen - oder zumindest das, was andere Käufer-Kaliber von ihr noch übriggelassen haben...
Es gilt für alle eventuell Beteiligten und nicht Beteiligten die Unschuldsvermutung!

P. S.: Wenn der Staatsfunk das Thema - sowohl auf lokaler Ebene als auch auf Bundesebene - von seiner Berichterstattung ausnimmt (ausnehmen muß?), stattdessen das Wetter zum Generalthema macht und dann auf Weltraumthemen umschaltet, dann ahnt man in Fast-Gewißheits-Qualität, wer da alles im Amigo-Wurstkessel herumschwimmen könnte...
So hatte man wenigstens Sendeplatz für das Herausstellen von zwei "Positivst"-Grassern - einer davon angeblich aus der Weltraumfahrt; und auch der "Ballon-Bub" (=eine Ente!) aus den USA kam da wohl sehr gelegen!


WS103
16.10.2009 12:23
0 0

Lobbying

Ich glaube, dass hier alle falsch liegen. Die richtige Zielgruppe wirde eher Karl-Heinz, Meischi und Jörgi sein ...

ga-stein
16.10.2009 05:52
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nur 145 millionen

pater willi hat 600 mill. umgeschichtet. bawag hat?...habe es vergessen. ach ja - und androsch hat seinerzeit 2x für seine bank ein paar milliarden schilling....war da nicht auch noch was bei vranitzky?

anna89
15.10.2009 21:17
0 0

Diese gierigen graumelierten Bereicherer am Geld anderer haben sich ihre honorigen, fein manikürten Finger sicher nicht dreckig gemacht

Haben e schon genug und greifen sich noch fremdes Geld von Unternehmen, AGs etc., denn da hat das Geld ja kein Mascherl und so greift man auf noble und ganz professionelle Art, praktisch anonym - in einen fremden Goldtopf; geschckt über mehrere Ecken, damit jedem beim Nachvollziehenwollen die Luft ausgeht.

Ein stilles Konsortium, das Kapital ganz professionell in Betrügereien - weniger höflich: Raubzüge - investiert. Da werden Gesetzeslücken und Grauzonen geschickt aneinandergereiht und schon geht was.

Als normaler Werktätiger kommt man sich daneben als Volltrottel vor. Wir strudeln uns ab und die fladern sich's 1000einfach, vemutl. noch ganz legal. Da wird wieder einmal nichts herauskommen - denn jeder potentielle Zeuge ist Täter, bzw. hat man ihn geschickt mitschneiden lassen ....

Gast: alpha
15.10.2009 12:00
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khg??

da unser ex-finanzminister ja während seiner amtszeit in allen undruchsichtigen geschäfte seine klebrigen hände drin hatte, ist die entscheidende frage natürlich auch in dieser angelegenheit wieviel khg bzw irgendwelche seiner freunde dabei mitgeschnitten haben u. in welcher steueroase das geld mittlerweile liegt? ;-)


Thonet H.
15.10.2009 10:31
0 0

Immer derselbe Klüngel

zwischen Politik, Banken und Wirtschaft. Es ist Zeit für eine neues Bündnis der Umkehr.
Als Klüngel wird in Köln, und mittlerweile auch im allgemeinen Sprachgebrauch, ein System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten bezeichnet. Es kann zur Vermischung von gesellschaftlichen, politischen und industriellen Interessen führen, somit zur Korruption mutieren. Im Alltagsgebrauch ist Klüngel im Kölner Raum allerdings auch positiv besetzt, im Sinne von „eine Hand wäscht die andere“, „Man kennt sich, man hilft sich“, „über Beziehungen verfügen“ oder netzwerken bzw. "vernetzt sein".

Gast: Dr Dolm
15.10.2009 07:36
0 0

Fee Syphoning

Wen haben die sonst noch alles bezahlt , außer sich ?

Kingsbridge Capital Advisors Limited

www.hardtgroup.com/contact/addresses.php

Gast: Neugierige
15.10.2009 02:45
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Preisfrage

Wie heißt der Chef des Kärntner Landeskriminalamtes?

Antworten Gast: Karawankenbär
15.10.2009 11:03
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Re: Preisfrage

Heißt der nicht Martinz, so wie der für den Bankverkauf zuständige Kärntner Landrat?

Gast: derrichter
14.10.2009 21:12
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Politik


Die tiefschwarze CSU-Landesbank hat ihren Brüdern im Geiste aus Kärnten deren faule BZÖ-Landesbank überteuert abgekauft. Da die Bilanzen faul und die Bank als Spendengeber des BZÖ praktisch heruntergewirtschaftet war, wurden damit erstens die deutschen Steuerzahler, und da nach dem Ruin auch Österreich fast eine Milliarde (!) nachschießen musste ebenso die österreichischen Steuerzahler, von dem versagenden Wirtschaftsgebaren des Kärntner BZÖ und der politischen Unterstützung durch die bayrische Schwester CSU geschädigt.

Milliardenbetrug am Steuerzahler durch Politiker, das ist durchaus Ermittlungen wert. Geschieht viel zu selten (die Ermittlungen natürlich, der Betrug geschieht viel zu oft)...

saddam
14.10.2009 18:54
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Typischer Fall von "hofer"

Falls jemand den Evergreen in Österreich nicht kennen sollte, hir der für alle Fälle geeignete Text: Der H...er wars ,,usw. Damit ist wohl alles(nicht) gesagt.

Nobodaddy
14.10.2009 12:30
1 0

Erst recherchieren, dann schreiben!

Danke für dieses Musterbeispiel an Halbinformation. Folgende Frage bleibt offen:

WER hat WAS gegenüber WEM veruntreut?

Bitte um Ergänzung!

Antworten Gast: Zahlbürger
14.10.2009 13:03
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Re: Erst recherchieren, dann schreiben!

Interpretation: Der verantwortliche Vorstand der Bank A hat treuelos gehandelt, da er den vorhergehenden Eigentümern der Bank B für deren Anteile wissentlich zu viel Geld bezahlt hat. Hätte damit also seine Bank A und deren Aktieninhaber ( denke es ist hauptsächlich ein großes dt. Bundesland) geschädigt.
Also ungefähr so, als wenn ein Finanzminister die staatseigene Wohnbaufirma fast verschenken würde. Dort hieße es aber Amtsmißbrauch

Re: Re: Erst recherchieren, dann schreiben!

Cui bono?

Antworten Gast: freddi
14.10.2009 12:37
0 0

Re: Erst recherchieren, dann schreiben!

wer - die Bayern LB
was - den zu hohen Kaufpreis
wem - derm Verkäufer der Anteile

was ist da unklar daran?

Antworten Antworten Gast: Ein Ätzer
15.10.2009 09:08
0 0

Ist wohl noch immer nicht verstanden

Untreue begeht nach österreichischem Strafrecht bekanntlich, wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, wissentlich mißbraucht und dadurch dem anderen einen Vermögensnachteil zufügt, nach deutschem Strafrecht, wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt.

Daher:
WER - Jedenfalls nicht die BayernLB. Täter können in beiden Rechtsordnungen nur natürliche Personen sein. Juristische Personen können selbst nicht handeln. Der Bericht gibt an, daß gerade geprüft wird, ob Herr Schmidt als Täter, allenfalls andere Vorstandsmitglieder in Frage kommen könnten. Im Übrigen scheidet die BayernLB auch als Täter aus, weil sie nicht ihr eigenes Vermögen veruntreuen kann.

WAS - der zu hohe Kaufpreis kann bestenfalls das Mittel, mit dem veruntreut wurde, niemals jedoch das verletzte Rechtsgut sein. Eine allfällige Untreue hätte zunächst einmal das Vermögen der BayernLB rechtswidrig um den Unterschied zum rechtmäßigen Preis geschmälert.

WEM - Der BayernLB, die dem Vorstand die Verfugung eingeräumt hat.

Nobodaddy
14.10.2009 13:20
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Re: Re: Erst recherchieren, dann schreiben!

Nicht ganz:
WER: wurde gerade von der Redaktion ergänzt: Werner Schmidt

WAS: Von welcher Summe reden wir?

WEM: Da liegen Sie daneben - der Verkäufer der Anteile, der den überhöhten Verkaufspreis bekommt, ist sicher nicht der Benachteiligte.

Antworten Antworten Antworten Gast: tilo
16.10.2009 22:43
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Re: Re: Re: Erst recherchieren, dann schreiben!

wenn jemand (BayernLB) etwas zu viel bezahlt hat, dann ist er selber schuld.
Ist mir auch schon passiert, dass ich mehr bezahlt habe, als das Ding dann wirklich wert war.