Experte: "Kurs unter Parität Vorbote eines Euro-Kollaps"

19.05.2010 | 14:16 |   (DiePresse.com)

Ein Kurs unter der Euro-Dollar-Parität wäre ein "Vorbote, dass der Euro-Raum zusammenbricht", sagt UniCredit-Experte Michael Rottmann. Er rechnet mit einer Stabilisierung des Euro zwischen 1,10 und 1,20 Dollar.

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Nach Ansicht des UniCredit-Experten Michael Rottmann ist einzig der EZB die Stabilisierung der Märkte zuzuschreiben. Das EU-Rettungspaket in Höhe von 750 Milliarden Euro habe dazu nichts beigetragen. Derzeit sehe es sogar so aus, als ob man das Hilfspakt gar nicht benötige, zumal sich beim aktuellen Renditeniveau die Länder selbst refinanzieren könnten.

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"Ein Euro ist ein Euro"

Das Unterstützungspaket der EU sei dennoch "ein wichtiges Signal" gewesen, ebenso wie das Verbot bestimmter ungedeckter Leerverkäufe in Deutschland. Die Glaubwürdigkeit der EZB durch die Intervention sei unberührt geblieben, sagte der Experte am Mittwoch in Wien. Denn mit der Entscheidung, im Bedarfsfall staatliche Anleihen zu kaufen, habe die EZB dieselbe Antwort auf die Krise gegeben wie die US-Notenbank Fed und die Bank of England 2009.

An ein Zerbrechen des Euro-Raums - trotz enormer Risiken - glaubt der Kapitalmarkt-Experte nicht. "Ein Euro ist ein Euro und bleibt ein Euro", sagte er. Das Interesse, den Euro-Raum zusammenzuhalten, sei enorm. Selbst wenn Griechenland seine Schulden umstrukturieren müsse, heiße das nicht, "dass die Griechen aus dem Euro-Raum raus müssen". Denn die Gefahr, dass bei einer Umschuldung Griechenlands ein "Flächenbrand" in Europa entstehe, sei groß. Trotz der Stabilisierungsmaßnahmen für den Euro gebe es keine Indizien für Inflationsängste.

Euro wird sich bei 1,10 bis 1,20 Dollar stabilisieren

Für den Euro-Kurs rechnet die UniCredit Group kurzfristig mit einer Stabilisierung im Bereich von 1,10 bis 1,20 Dollar, jedoch nicht mit einem mehrmonatigen Abgleiten unter die Parität. Auch gegen Schweizer Franken und japanischen Yen sollte der Euro im Verlauf von 2011 zulegen.

In Krisenzeiten leide der Euro unter dem gravierenden "Malus" einer zu großen Anzahl von Entscheidungsträgern, so Rottmann. So stünden einem US-Präsidenten im Euroraum an die 50 Entscheider (Regierungschefs, Notenbankchefs, Finanzminister, etc.) gegenüber, die oft mit widersprüchlichen Statements die Währung belasteten. Letztlich hätten aber - gemessen an der Verschuldung - auch die USA und Großbritannien ein Problem. Daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass in zwei Jahren die AAA-Ratings auch dort ernsthaft zur Debatte stünden, so der Experte.

Kurs unter Parität Vorbote eines Euro-Kollaps

In drei Jahren sieht man bei der Bank Austria die Zinsen wieder bei etwa 3 Prozent, die 10jährigen Swapsätze bei 4,5 Prozent. Der Euro wird bei 1,35 Dollar erwartet, wobei die Bandbreite des Euro zwischen 1,60/1,70 und der Parität von Euro und Dollar gesehen wird. Ein Kurs unter der Parität wäre ein "Vorbote, dass der Euro-Raum zusammenbricht".

Aufgrund der massiven Turbulenzen um den Euro rechnet die UniCredit Bank Austria erst Ende 2011 mit der nächsten Zinsanhebung der EZB. "Mit der Krise ist der bisher im Frühjahr 2011 erwartete Zinsschritt nun völlig vom Tisch", sagte Rottmann. Daher sollten Unternehmer zumindest einen Teil ihrer langfristigen Zinsverpflichtungen angesichts großer Risiken schon heute absichern.

(APA)

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10 Kommentare
Gast: glaubnix
21.05.2010 10:37
0 0

Die Tricks der Hochfinanz macht mit den Währungen was sie will!

So wie bei der ersten Dollar-Euro-Parität, da war der Euro nur 0,7Dollar Wert und die Spekulanten haben alles was von Wert war in Europa eingekauft, dann haben sie mit dem teuren Euro
ihre Kriegsinvestitionen ausgeglichen und jetzt spekulieren sie wiederum auf den fallenden Euro,
weil sie dann wiederum Substanz billig erwerben können.
Also Vorsicht, wer bei fallender Parität verkauft, der verliert!

Warum schwächelt nicht der Dollar?

Ist es nur eine Führungsfrage, wo Obama eine bessere Figur macht als die EU?

Bei den folgenden Informationen fällt es mir schwer zu glauben, dass der Zustand der EU schlimmer ist als jener der USA:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,694153,00.html
http://www.usdebtclock.org/
http://www.costofwar.com/


Antworten Gast: ratio
20.05.2010 06:50
1 0

Re: Warum schwächelt nicht der Dollar?

der dollar schwächelt sogar sehr.
die einzige stabile währung der welt, eine unze gold, war vor wenigen monaten für einen tausender zu haben, steht jetzt bei 1200.
der eindruck, der dollar sei stark, entsteht immer wieder daraus, dass sich alle am dollar orientieren. 1 ist immer 1.
der euro fällt nur etwas schneller als der dollar, aber fallen tun beide. ebenso wie pfund.

Gast: menger
19.05.2010 18:24
1 0

experten

die experten haben nicht den blassesten schimmer was vor sich geht, weil die orthodoxe oekonomie keine erklaerungen hat.

mfg

Gast: Freiburg
19.05.2010 16:18
2 0

Wahrsager

Wahrsager brauchen wir in der Finanzwirtschaft nicht.

Gast: gast
19.05.2010 14:37
4 0

parität

die parität zum dollar war bereits mal unter eins, danach gings steil bergauf.

kein mensch auf der welt kann sagen was passiert. ich dachte das sind banker keine wahrsager.

Antworten Gast: heidelbeere
20.05.2010 00:34
0 0

Re: parität

Mit der Beschreibung des Sachverhalts haben Sie grundsätzlich recht. Allerdings sind die Rahmenbedingungen heut anders als im Jahre 2001.

Sie war bei 0,82 $ für den €! Ich war gerade in den USA. Furchtbar.


Antworten Gast: Markus Trullus
19.05.2010 16:40
1 0

Re: parität

Das Misstrauen (und die Handlungen von Vertrauen) kann kein Mensch vorhersagen... Gott sei Dank, denn sonst wären wir nur noch manipulierbar!

Re: parität

Der Vergleich mit Wahrsagern und Gauklern hat schon seine Richtigkeit.

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