Madoff-Skandal: Milliardenklage gegen heimische Banken

11.12.2010 | 09:08 |   (DiePresse.com)

Opferanwalt Picard verlangt 19,6 Mrd. Dollar Schadenersatz. Die Klage richtet sich gegen die Wiener Privatbank Bank Medici, die Bank Austria, UniCredit sowie 53 weitere Beschuldigte.

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Der Madoff-Finanzskandal könnte ein teures Nachspiel für die Bank Austria und ihre Konzernmutter UniCredit haben. Wegen des Engagements bei der Wiener Bank Medici, deren Chefin Sonja Kohn eine Schlüsselrolle bei den Machenschaften des Finanzjongleurs Bernard Madoff gespielt haben soll, müssen die beiden Banken möglicherweise Schadenersatz in Milliardenhöhe an die Opfer leisten. Ein Opferanwalt brachte am Freitag vor einem US-Gericht in New York eine Klage auf 19,6 Milliarden Dollar (14,8 Mrd. Euro) gegen Kohn und die drei Banken ein. Bank Austria und UniCredit kündigten in ersten Reaktionen entschiedenen Widerstand an.

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Es handelt sich um die bisher größte Schadenersatzklage im Betrugsfall Madoff, der vor zwei Jahren aufgeflogen war. Sie richtet sich auch gegen 53 weitere Beschuldigte, darunter sechs Angehörige von Kohn. Opferanwalt Irving Picard bezeichnete die Bank-Medici-Mehrheitseigentümerin Sonja Kohn als "Seelenverwandte" des verurteilten Finanzbetrügers Madoff, mit dem sie 23 Jahre lang aufs engste zusammengearbeitet habe. "In Sonja Kohn fand Madoff eine kriminelle Seelenverwandte, deren Gier und unehrlicher Einfallsreichtum seinem eigenen ebenbürtig waren". Die US-Anwälte von Kohn und Bank Medici waren zunächst für keine Stellungnahme erreichbar.

Kohn "bedeutendster Eckpfeiler" im Fall Madoff

Laut dem Anwalt können 9,1 Milliarden Dollar des durch die Machenschaften Madoffs gestohlenen Geldes "direkt" Kohn und ihren Verwandten zugeordnet werden sowie einem Labyrinth von Fonds und Banken in Österreich, Italien und Gibraltar. Ein US-Bankexperte bezeichnete die Beschuldigten um Kohn als "bedeutendsten Eckpfeiler" im Betrugsfall Madoff. Der Opferanwalt hatte in den vergangenen Wochen auch Schadenersatzklagen gegen andere Großbanken eingebracht. Von der britischen HSBC verlangt er 9 Mrd. Dollar, von der US-Bank JPMorgan Chase 6,4 Mrd. Dollar und die Schweizer UBS soll 2,5 Mrd. Dollar Schadenersatz leisten.

"Wir kennen diese Klage noch nicht und können sie nicht kommentieren", sagte der Pressesprecher der Bank Austria, Martin Halama, in der Nacht auf Samstag. Klar sei aber schon jetzt: "Wir werden mit aller Vehemenz gegen die Klage vorgehen." Ein Sprecher der Konzernmutter UniCredit sagte in Mailand, dass sich die Rechtsabteilung bereits mit der Klage beschäftige. "Wir wollen uns auf entschlossene Weise verteidigen", betonte der UniCredit-Sprecher.

Bank Austria sieht sich als Opfer

Die Bank Austria hat bisher immer beteuert, dass sie sich als Opfer und nicht als Täter von Madoff sehe. Hunderte Anleger, die über die Bank Austria bei Madoff investiert hatten, waren gegen die Bank zu Gericht gezogen. Die Bank Medici musste nach dem Auffliegen der Affäre ihre Konzession zurücklegen. Gegen Medici-Mehrheitseigentümerin Kohn laufen im In- und Ausland Ermittlungen wegen Betrugs und Geldwäsche. Sie beteuert, ein Opfer Madoffs gewesen zu sein. Bis zum gerichtlichen Beweis ihrer Schuld ist sie als unschuldig anzusehen.

Der eine 150-jährige Haftstrafe absitzende Finanzjongleur hatte stets beteuert, auf eigene Faust gehandelt zu haben. Dennoch wurden sieben weitere Personen, frühere Mitarbeiter und ein externer Berater, angeklagt. Laut Picard beläuft sich der Schaden durch Madoffs Betrügereien auf 19,6 Milliarden Dollar, was deutlich unter früheren Schätzungen liegt, die bis zu 65 Milliarden Dollar reichten. Bisher konnten erst 2,6 Milliarden Dollar des verlorenen Geldes zurückerlangt werden, unter anderem durch die Versteigerung von Madoffs persönlicher Habe. Die Schadenersatzklagen gegen Banken, Investmentfonds und Anleger im Fall Madoff belaufen sich bisher auf 51 Milliarden Dollar. Weltweit haben sich 16.000 Madoff-Opfer bei Gericht gemeldet.

Der 72-jährige Madoff hatte sich im Gerichtsverfahren im März 2009 schuldig bekannt, ein gigantisches Pyramidenspiel betrieben zu haben. Er versprach seinen Anlegern hohe Renditen, die er aber nicht erzielte. Vielmehr bezahlte er sie durch die Einlagen von Neukunden. Das System brach im Zuge der globalen Finanzkrise zusammen. In Österreich zählten neben Prominenten aus Wirtschaft, Politik und Sport auch die steirische Gemeinde Hartberg und die Kärntner Tourismusholding zu den Geschädigten des früheren US-Börsenchefs.

 

(APA)

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146 Kommentare
 
12 3 4

schnapp sie dir picard!!!

anscheinend sind die staatlichen aufsichten zu korrupt, unfähig oder politisiert umd sich um diese (mutmaßlichen) verbecher zu kümmern

deswegen brauch es anscheinend einen amerikanischen star anwalt um diese machenschaften genauer unter die lupe zu nehmen

ich hoffe sehr strak dass dadurch einige banken in österreich sowie die frau kohn und ihre freundlern in spö und övp (aber vermutlich auch in den anderen partein) ordentlich in erklärungsnot, oder besser in erklärungsnot kommen

Das ganze BAWAG-Desaster wurde ja bekanntlich auch in Amerika aufgedeckt!

Ohne die Refco-Affaire wäre der Elsner heute noch ein hochangesehener Ehrenmann und wahrscheinlich Faymann`s Finanzberater!

Und der Verzetnitsch wäre noch ÖGB Häuptling!

Gast: gast
13.12.2010 14:23
0

nebenbei ..

schön langsam werden jetzt auch die madoff papierln der gemeinde wien auftauchen ..

war nur eine frage der zeit, da der rote randa dem roten häuptl so ein trauminvest sicher nicht vorenthalten hätte :-)

.... natürlich nicht vom wiener rechnungshof oder den gerichten gefunden .. weil die dürfen ja nicht ..

... die amerikaner budeln sie gerade aus, und werden die fundstückerln halt dann dem häuptl und seiner ex lebensgefährtin der finanzstadträtin brauner unter die nase halten ..

schon blöd diese amerikaner, zuerst haben sie bei der bawag alles auffliegen lassen, und jetzt halt hier ..

freundschaft genossen ....

Gast: gast
13.12.2010 12:09
0

nebenbei ..

gibt es eigentlich schon einen haftbefehl für kohn, und wann und vom wem wurde der ausgestellt ?

Gast: Cricket
12.12.2010 18:17
0

Das schaff ma schon!

Gute Nachricht. Österreich zahlt - Austria pays. Ein wenig medial inszeniertes Jammern seitens der BA. Sind nur ca. 1900 Euro p.P. - ein wenig da und dort eingespart, falls überhaupt schlagend wird z.B. bei Familienbeihilfen oder dort wos egal ist. Peppi tief Luft holen und durch da. Bist a toller Bursch! Schlimm ist eigentlich nur, dass die Amerikaner jetzt dahinter sind und sich dieser Skandal nicht so leicht vertuschen lässt. In Kärnten habn wir auch recherchieren müssen, weil die Bayern so einen Druck gemacht haben. Also wir hätten uns auf das Wort des Herrn Kulterer verlassen, dass alles rechtens war - und bei der Frau Kohn genauso.

Gast: Vranz
12.12.2010 17:44
3

BancoItalia, nicht mehr BankAustria!

Um absolut klarzustellen, dass die BankAustria nichts mehr mit Österreich zu tun hat, sollte man sie von amtswegen in BancoItalia umbenennen.
Sonst zahlen wir nicht nur für den Holocaust sondern neu auch noch für Madoff!

Antworten Gast: jedermann
12.12.2010 23:29
3

Re: BancoItalia, nicht mehr BankAustria!

Wir haben ja für die feine Wienerin 4,2 Milliarden $ bezahlt als der Medicibank die Banklizenz genommen wurde!!!!!!
Das Rote Wien spart lieber bei Familien und zahlt blitzschnell wenn es um Auserwählte geht.

Gast: GAST
12.12.2010 16:31
0

ein bisschen übertrieben

ist die Klage schon. Hätten Frau Kohn oder Herr Randa wirklich aktiv am Betrug des Madoff mitgearbeitet gäbe es schon längst US-Haftbefehle.
So aber ist das nur der Versuch einen möglichst hohen Vergleich zu erzielen. UniCredit und Bank Austria sollten sich sofort aus den USA zurückziehen, a la longe ist dort eh kein Geschäft mehr zu machen (Die USA sind pleite.)

Gast: me
12.12.2010 15:13
0

wankin fuckin bankers

dieser irische banker analysiert die finanzwirtschaft auf seine eigene art und weise:

http://www.youtube.com/watch?v=koY6kXhQDQo

wozu das Theater?

Die ganze Geschichte wird langsam langweilig. Da wollen Leute, die blindlings irgendwelchen sogenannten Finanzgenies vertrauten und denen ihr Geld gaben, dasselbige wiederkriegen. Wiederbekommen ist ja legitim, aber wer sich auf windige Bonitätsbeurteilungen verlässt und die versprochenen hohen Rendite das Denkvermögen außer Kraft setzen, ja solchen Leuten schadet der Verlust nicht. Das wirkt hoffentlich für die Zukunft. Vor allem muß mit der Vertrauensseligkeit gegenüber der Finanzbranche Schluß sein. Wie sagte schon Lenin? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Re: wozu das Theater?

Schon, schon, aber Betrug bleibt ja doch Betrug, oder nicht?

Gast: Bärenfalle...
12.12.2010 13:19
1

Die "Performance" war etlichen Mitbewerbern

in den USA schon seit Jahren mehr als nur suspekt, alle Anträge an die Börsenaufsicht auf eingehende Prüfung der Firmen des "Nasdaq Mitbegründers" wurden aber abgeschmettert.


Wo Geld im Spiel ist

wirds schmutzig,
bei viel Money wirds dreckig,
bei Politik und Geld wirds so richtig stinkig dreckig.
Immer wieder wird betont das man nicht nachvollziehen kann wohin die Summen verschwunden sind, mit denen spekuliert und hassardiert wurde.
Man legt mehrere Spuren, verfolgt wenns öffentlich wird die ersten 2 und dann wars das.
Es wird die Zeit kommen und wir gehen mit Beaseballutensilien in die Zentralen der großen Banken um unser Geld abheben.
Frohe Weihnachten 2011

Gast: Beobachtung
12.12.2010 11:03
3

Gleichberectigung der Frauen

Seelenverwandte von Madoff? In der Klage bezeichnete Picard die Bank-Medici-Mehrheitseigentümerin Kohn als „Seelenverwandte“ des zu 150 Jahren Haft verurteilten Finanzbetrügers Madoff, mit dem sie 23 Jahre lang aufs Engste zusammengearbeitet habe. „In Sonja Kohn fand Madoff eine kriminelle Seelenverwandte, deren Gier und unehrlicher Einfallsreichtum seinem eigenen ebenbürtig waren.“ Die Bank Austria war mit 25 Prozent an Medici beteiligt und verkaufte ebenfalls in großem Stil Madoff-Produkte. Sie kassierte dafür hohe Provisionen.

KOHN = Unschuldig!

Sonja Kohn wurde als Tochter jüdischer Flüchtlinge aus Osteuropa geboren und wuchs in Wien auf. In den 1970er Jahren begann sie, sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Erwin Kohn im Import-Export-Geschäft zu betätigen, was sie auch nach Mailand führte. 1985 übersiedelten sie nach New York, wo sie in der als orthodox geltenden jüdischen Gemeinde Monsey lebten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sonja_Kohn

Re: KOHN = Unschuldig!

was wollen sie damit ausdrücken????

Antworten Antworten Gast: gast
12.12.2010 14:38
0

Re: Re: KOHN = Unschuldig!

es gilt die unschuldsvermutung

1

Re: Re: Re: KOHN = Unschuldig!

Bei Bankern gilt unter anderem auch die Ungustlvermutung ;)

Kohn

“In Sonja Kohn, Madoff found a criminal soul mate, whose greed and dishonest inventiveness equaled his own,” said Mr. Picard, the trustee.


Kosten

Welche Gebühren fallen eigentlich in New York für eine derartige Klage an?

Re: Kosten


Sicher weniger als in Österreich !

In Österreich wäre man schon beim bezahlen der Gerichtskosten pleite !


Re: Re: Kosten

Nein, ist in Österreich zwar von der "Schadenssumnme" (Zivilrecht) abhängig, aber nach oben limitiert. Also 0,5 Mio oder zig Milliarden ist für die Gebühren egal.

Re: Re: Re: Kosten


Wieviel ist das dann?


Re: Re: Re: Re: Kosten

Ein paar Tausender + die Verhandlungsstunden (jedes mal).

Das Teure bei solchen Zivilverfahren sind (gute) Anwälte und die in Österreich meistens sehr lange Dauer bei komplexeren Verfahren. Da es in Österreich, im Gegensatz z.B. zu den USA, nicht opportun ist mit den Anwälten Erfolgshonorare zu vereinbaren, kommen hier Zahlungen auf Stundenbasis (und Stundensätze in Abhängigkeit der Klagssumme) leider des öfteren teurer als die Klagssumme.

Die Anklage gegen die BA ist nicht haltbar

Man hat ja auch letztendlich keine Klage gegen die Verkäufer der Meinl Papierln gewonnen. Ehemalige Spitzenmanager der BA haben mit den Madoff Papierln sehr viel Geld verloren. Von Kollekten darf dennoch abgesehen werden - sie haben tatkräftig mitgearbeitet, daß die Bank trotz dem Erwerb der damals hervorragend dastehenden CA-BV heute dasteht, wo sie angesiedelt ist - als Österreichfiliale einer italiensichen Bank! Diese Spitzenmanager sind vieles, aber bei ihrem eigenen Geld sicher keine Masochisten! So gesehen, hat die Bank sicherlich nichts von den kriminellen Machenschaften Madoffs gewußt. Wieder einemal wäre die Rolle der österreichischen Finanzmarktaufsicht kritisch zu hinterfragen!

Antworten Gast: GAST 23
12.12.2010 11:11
1

Re: Die Anklage gegen die BA ist nicht haltbar

Ad Cerberus: Bitte überlegen Sie sich den Sinngehalt solcher Postings, wonach die Rolle der österreichischen FMA diesfalls kritisch zu hinterfragen sei. Dies würde, wie UKW bereits richtig schrieb, verheerende Folgen für den Bund und sohin für die Steuerzahler haben. Die Entwicklung an sich, wonach für - idR ex ante nicht erkennbare - strafbare Handlungen an den Finanzmärkten die Steuerzahler - in Form von Amtshaftungsansprüchen - zur Kasse gebeten werden, ist doch wohl schon genug bedenklich...

 
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