Madoff-Skandal: Milliardenklage gegen heimische Banken

Opferanwalt Picard verlangt 19,6 Mrd. Dollar Schadenersatz. Die Klage richtet sich gegen die Wiener Privatbank Bank Medici, die Bank Austria, UniCredit sowie 53 weitere Beschuldigte.

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(c) EPA (PETER FOLEY)

Der Madoff-Finanzskandal könnte ein teures Nachspiel für die Bank Austria und ihre Konzernmutter UniCredit haben. Wegen des Engagements bei der Wiener Bank Medici, deren Chefin Sonja Kohn eine Schlüsselrolle bei den Machenschaften des Finanzjongleurs Bernard Madoff gespielt haben soll, müssen die beiden Banken möglicherweise Schadenersatz in Milliardenhöhe an die Opfer leisten. Ein Opferanwalt brachte am Freitag vor einem US-Gericht in New York eine Klage auf 19,6 Milliarden Dollar (14,8 Mrd. Euro) gegen Kohn und die drei Banken ein. Bank Austria und UniCredit kündigten in ersten Reaktionen entschiedenen Widerstand an.

Es handelt sich um die bisher größte Schadenersatzklage im Betrugsfall Madoff, der vor zwei Jahren aufgeflogen war. Sie richtet sich auch gegen 53 weitere Beschuldigte, darunter sechs Angehörige von Kohn. Opferanwalt Irving Picard bezeichnete die Bank-Medici-Mehrheitseigentümerin Sonja Kohn als "Seelenverwandte" des verurteilten Finanzbetrügers Madoff, mit dem sie 23 Jahre lang aufs engste zusammengearbeitet habe. "In Sonja Kohn fand Madoff eine kriminelle Seelenverwandte, deren Gier und unehrlicher Einfallsreichtum seinem eigenen ebenbürtig waren". Die US-Anwälte von Kohn und Bank Medici waren zunächst für keine Stellungnahme erreichbar.

Kohn "bedeutendster Eckpfeiler" im Fall Madoff

Laut dem Anwalt können 9,1 Milliarden Dollar des durch die Machenschaften Madoffs gestohlenen Geldes "direkt" Kohn und ihren Verwandten zugeordnet werden sowie einem Labyrinth von Fonds und Banken in Österreich, Italien und Gibraltar. Ein US-Bankexperte bezeichnete die Beschuldigten um Kohn als "bedeutendsten Eckpfeiler" im Betrugsfall Madoff. Der Opferanwalt hatte in den vergangenen Wochen auch Schadenersatzklagen gegen andere Großbanken eingebracht. Von der britischen HSBC verlangt er 9 Mrd. Dollar, von der US-Bank JPMorgan Chase 6,4 Mrd. Dollar und die Schweizer UBS soll 2,5 Mrd. Dollar Schadenersatz leisten.

"Wir kennen diese Klage noch nicht und können sie nicht kommentieren", sagte der Pressesprecher der Bank Austria, Martin Halama, in der Nacht auf Samstag. Klar sei aber schon jetzt: "Wir werden mit aller Vehemenz gegen die Klage vorgehen." Ein Sprecher der Konzernmutter UniCredit sagte in Mailand, dass sich die Rechtsabteilung bereits mit der Klage beschäftige. "Wir wollen uns auf entschlossene Weise verteidigen", betonte der UniCredit-Sprecher.

Bank Austria sieht sich als Opfer

Die Bank Austria hat bisher immer beteuert, dass sie sich als Opfer und nicht als Täter von Madoff sehe. Hunderte Anleger, die über die Bank Austria bei Madoff investiert hatten, waren gegen die Bank zu Gericht gezogen. Die Bank Medici musste nach dem Auffliegen der Affäre ihre Konzession zurücklegen. Gegen Medici-Mehrheitseigentümerin Kohn laufen im In- und Ausland Ermittlungen wegen Betrugs und Geldwäsche. Sie beteuert, ein Opfer Madoffs gewesen zu sein. Bis zum gerichtlichen Beweis ihrer Schuld ist sie als unschuldig anzusehen.

Der eine 150-jährige Haftstrafe absitzende Finanzjongleur hatte stets beteuert, auf eigene Faust gehandelt zu haben. Dennoch wurden sieben weitere Personen, frühere Mitarbeiter und ein externer Berater, angeklagt. Laut Picard beläuft sich der Schaden durch Madoffs Betrügereien auf 19,6 Milliarden Dollar, was deutlich unter früheren Schätzungen liegt, die bis zu 65 Milliarden Dollar reichten. Bisher konnten erst 2,6 Milliarden Dollar des verlorenen Geldes zurückerlangt werden, unter anderem durch die Versteigerung von Madoffs persönlicher Habe. Die Schadenersatzklagen gegen Banken, Investmentfonds und Anleger im Fall Madoff belaufen sich bisher auf 51 Milliarden Dollar. Weltweit haben sich 16.000 Madoff-Opfer bei Gericht gemeldet.

Der 72-jährige Madoff hatte sich im Gerichtsverfahren im März 2009 schuldig bekannt, ein gigantisches Pyramidenspiel betrieben zu haben. Er versprach seinen Anlegern hohe Renditen, die er aber nicht erzielte. Vielmehr bezahlte er sie durch die Einlagen von Neukunden. Das System brach im Zuge der globalen Finanzkrise zusammen. In Österreich zählten neben Prominenten aus Wirtschaft, Politik und Sport auch die steirische Gemeinde Hartberg und die Kärntner Tourismusholding zu den Geschädigten des früheren US-Börsenchefs.

 

(APA)

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