Weitere 60 Milliarden Euro für Athen?

10.05.2011 | 18:10 |  von OLIVER GRIMM UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

Nach historischen Erfahrungen des Internationalen Währungsfonds ist Griechenland ohne fremde Hilfe zahlungsunfähig. Darum wird bis Juni um eine Erweiterung der Hilfskredite gerungen.

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Brüssel/Wien. Notenbanker, Finanzminister und Eurokraten kommen aus dem Dementieren und Verbreiten bewusster Falschmeldungen nicht heraus, doch eine Tatsache können sie nicht leugnen: Ohne zusätzliche fremde Hilfe ist Griechenland pleite.

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Am Dienstag berichtete die Nachrichtenagentur Dow Jones unter Berufung auf einen anonymen Funktionär der griechischen Regierung, dass im Juni eine Aufstockung des 110-Milliarden-Euro-Kredites durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die anderen Euroländer um bis zu 60 Milliarden Euro beschlossen werden soll. Am kommenden Montag werden die EU-Finanzminister in Brüssel darüber reden.

Die Zahl von 60Milliarden Euro entspricht dem Geld, das die Athener Regierung in den Jahren 2012 und 2013 auf den Finanzmärkten als neuen Kredit aufnehmen muss, um ihre Ausgaben zu bestreiten. Ursprünglich hat man gehofft, dass das EU-IWF-Paket die Investoren beruhigen werde, sodass Griechenland schon 2012 wieder Anleihen zu überschaubaren Zinssätzen werde begeben können. Diese Hoffnung hat sich aber als trügerisch erwiesen.

Der griechische Regierungsfunktionär erklärte, dass bei dem geheimen Treffen einiger EU-Finanzminister und Eurokraten am vergangenen Freitag in Luxemburg diskutiert wurde, den neuen Kredit an Griechenland aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF zu bezahlen. Dieser Fonds, der gegen Haftungen der Euroländer Anleihen begibt, finanziert bereits die 80-Milliarden-Euro-Hilfe für Irland und soll den 78-Milliarden-Euro-Kredit an Portugal bereitstellen. Als Pfand würde Griechenland dem EFSF staatliche Grundstücke anbieten.

(c) DiePresse

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Faymann sieht keine Krise

Neues Geld für die Griechen: Das kann keine Regierung in der Eurozone ihren Bürgern leicht verständlich machen. Denn Angela Merkel in Berlin teilt mit Werner Faymann in Wien die Sorge, dass damit der Druck von Athen genommen würde, ihren Teil zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen beizutragen, sprich: die Ausgaben einzuschränken und neue Einnahmen zu lukrieren.

Allerdings zeigt ein Blick auf ein IWF-Papier vom 29.September vergangenen Jahres, dass die Staatspleite Griechenlands faktisch unausweichlich ist. In seinem „Global Financial Stability Report“ weist der Fonds darauf hin, dass in den Jahren 1975 bis 2009 alle zwölf Staaten, die zahlungsunfähig wurden, zuvor mindestens ein Jahr lang von den Kreditratingagenturen als nicht investitionswürdig eingestuft wurden. Genau das trifft auch auf Griechenland zu, dessen Staatsanleihen unter anderem von Standard&Poor's seit mehr als zwölf Monaten als „Schrott“ bewertet werden (und am Montag eine weitere Stufe herabgestuft wurden). Ungeachtet dessen ist Bundeskanzler Faymann der Meinung, dass die Eurozone derzeit in keiner Krise ist. „Ich nenne es nicht Krise. Ich nenne es Aufgaben, die Europa hat“, sagte Faymann am Dienstag nach dem Ministerrat in Wien.

Von Spekulationen über einen „Hair Cut“ – also das Abschreiben eines Teils der Forderungen privater Investoren gegenüber Griechenland – oder „noch weiter hergeholten“ Varianten sei man jedenfalls „weit entfernt“, sagte er.

Auch die neue Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) verwehrte sich gegen eine Umstrukturierung und frische Hilfen. Allenfalls eine Fristerstreckung zur Rückzahlung des bisherigen Kredits sei denkbar.

In der Tat hätte eine Umstrukturierung der griechischen Staatsschuld weitreichende Auswirkungen für alle Länder in der Eurozone. Laut dem aktuellsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatten per Ende 2010 deutsche Banken griechische Forderungen im Ausmaß von rund 34 Milliarden Dollar in ihren Büchern. Frankreichs Banken steckten sogar mit rund 53 Milliarden Dollar in der griechischen Malaise. Sprich: Was mit Athens Schulden passiert, zieht Kreise bis nach Berlin und Paris. Die deutsche Kanzlerin Merkel war folglich am Dienstag in Berlin im Gespräch mit internationalen Journalisten darauf bedacht, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Zuerst müsse man sich ansehen, wie Griechenland seine bisherigen Reformverpflichtungen eingehalten habe.

 

Die EZB steckt mittendrin

Und auch die Europäische Zentralbank (EZB) steckt knietief im griechischen Schuldensumpf. Die „Financial Times“ zitierte einen Bericht der US-Bank JPMorgan, wonach die EZB bei jedem Hair Cut, der mehr als 30 Prozent des Nennwerts der griechischen Schulden beträfe, Verluste erleiden würde. Die EZB hält rund 20 Prozent der gesamten griechischen Staatsschuld und ist hinter den griechischen Privatbanken der zweitgrößte Gläubiger Athens.

Insofern ist es logisch, dass am Dienstag fünf EZB-Führungsmitglieder zu öffentlichen Stellungnahmen ausrückten, um vor einer Umstrukturierung zu warnen. „Ein Zahlungsausfall oder eine Restrukturierung wäre ein Desaster für alle im Land“, sagte Lorenzo Bini Smaghi laut der Nachrichtenagentur Reuters bei einer Rede in Florenz. „Ich würde es politischen Selbstmord nennen – der viele in die Armut führt, wie die Erfahrung gezeigt hat.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2011)

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15 Kommentare
Gast: Da tlane volxwirt
12.05.2011 16:57
0

Zwei Fragen

Erste Frage: Wenn "die deutschen Banken" 34 Milliarden Forderungen und "die französischen Banken" 53 Mrd. Forderungen an Griechenland haben, warum nimmt man nicht die Steuergelder der unselbständig Erwerbstätigen Europas und gibt sie DIREKT an die deutschen und Französischen Banken ? Weil DORT, nämlich bei den Banken, und NICHT bei den Griechen landen die Steuergelder der Bürger der EU. KEINER der Steuer-Euros wird den Griechen und -innen zugute kommen sondern alles in die Taschen der Banker fließen.
Zweite Frage: WER bitte ist "Standard and Poor´s"? Kennt die jemand? hat die irgendwer gewählt? Woher nehmen die Ihre Legitimation irgendetwas einstufen zu können? ICH behaupte: KPMG ist "Trash", Moodys ist "Quatsch", Standard&Poor´s ist "Falsch und Müll". Und: Alle Ratingagenturen lügen. Ihre Vorgehensweise ist vielmehr: unglaubliche Milliardensummen auf sinkende Anleihenwerte an den "internationalen Börsen" wetten - ein sogenanntes "Rating" veröffentlichen - das Sinken der Anleihenwerte abwarten - noch unglaublichere Milliardenwerte einstreifen.
Steuerzahlende unselbständig Erwerbstätige aller EU-Staaten: Erhebt euch und sagt nein zu dieser gewaltigen Umverteilung von Steuergeldern von der Masse an Armen zu ganz ganz ganz wenigen Superreichen !!!!

der fayman

hat noch nie etwas richtig gesehen...das verbietet ja schon alleine seine idologie, bzw. die rote mafia !

Leugnen und unter den Tisch kehren...

Also, dass sich dieser Mensch tatsächlich dazu erdreistet keine Krise zu sehen, ist ja wohl das Letzte!
Dass Faymann ein Meister im Wegschauen ist, ist den meisten eh seit längerem klar.
Doch das derart offensichtliche nicht zu sehen, od. sehen zu wollen, ist nicht mehr dummheit, sondern VOLKSVERRAT!

Ich bin schon gespannt, wie sich dieser Typ dann rauswinseln wird, wenn das unvermeidbare Fakt geworden ist? Und das wird höchstwahrscheinlich noch vor den nächsten Wahlen sein, und er sich dem nicht durch eine Abwahl entziehen wird können...

Gast: Han
11.05.2011 09:48
0

Umschuldung

wird Griechenland und die übrige EU nicht herumkommen. Leider stecken alle mitsammen in der Tinte und es ist nicht zu erwarten bald herauszukommen.
Eine Möglichkeit wäre die guten Währungsländer der EU mit einer eigenen Währung, um die Ungleichgewichte der EU-Volkswirtschaften auszugleichen.

Es ist zum Wiehern

Faymann sieht keine Krise. Dieser Mensch ist ja sogar noch dümmer als ich bisher gedacht habe.

Gast: Schullie69
11.05.2011 09:26
1

Alter Wein in neuen Schläuchen

Die Griechen haben schon seit Götter Gedenken versucht ander Länder zu betrügen.Die Bilanzfälschungen werden nicht aufhören.Schon bei Einführung der Goldwährung haben die Griechen die Münzen falsch.d.h. unter Gewicht geprägt und wurden aus der Goldwährung verbannt.Die gleichen Massnahmen --- nur diese sind fruchtend-- sollten heute wieder angewndet werden. Liber ein Schrecken mit Ende als.......! Raus aus der EU, zurück zu Ihrer angemessenen Währung, alles andere ist Augenwischerei.

Gast: gerechtiker
11.05.2011 03:36
2

fragen

noch Fragen?

"Laut dem aktuellsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatten per Ende 2010 deutsche Banken griechische Forderungen im Ausmaß von rund 34 Milliarden Dollar in ihren Büchern. Frankreichs Banken steckten sogar mit rund 53 Milliarden Dollar in der griechischen Malaise. "

Merkel und Sarkozy werden das im Auftrag der Banken schon noch machen....

Wenn die Brüssler Geldvernichter

weiterhin der "Mugabian-economics" folgen können wir bald ein Ei um 60 Milliarden kaufen, siehe Zimbabwe!

Gast: Karl Huber
10.05.2011 22:17
0

Ich hatte eine Wette platziert;

Die hatte gelautet.
Der Euro ist tot, doch werden sicher noch 20 bis 30 Milliarden nach Griechenland fliessen für die Politfreunde und Seilschaften.
Jetzt wird von 60 Milliarden gesprochen. Also den ersten Teil meiner Wetter habe ich schon mal gewonnen.
Wo bleibt mein Gegenüber (leider habe ich den Forumnamen vergessen)? Ich hoffe er/sie ist ein Ehrenmann?

Warum wohl sind alle Banken "systemrelevant"?


Weil sie von der Politikerpest wie Krebs in den real wirtschaftlich gesunden Körper implementiert worden sind.
WIE?
Ganz einfach. Sie haben es wissentlich und wider besseres Wissen gegen Korruptionsgeld und Posten unterlassen, der Finanzwelt auch nur IRGENDWELCHE Reglementierungen aufzuerlegen.
Sie haben sich allesamt des Hochverrates schuldig gemacht.

Das ist die Wahrheit, so wahr ich hier schreibe.

Wieso jetzt aufstocken, wenn erst die Hälfte der 110 Mrd aufgebraucht sind?

Die Bereitschaft sich frühzeitig schwierigen und unpopulären Themen zu widmen, ist in Europas Politik eher gering. Man ist meist eher spät dran, und dann brennt bereits der Hut.

Ich hab es schon früher gepostet: das Rettungspaket muss nach meiner Überschlagsrechnung allmählich (zur Gänze) aufgebraucht sein. Ich sehe auch keinen vernünftigen Grund, ausser eben diesen, wieso man jetzt schon eine Aufstockung betreiben sollte.

Gast: daslebenistschön
10.05.2011 20:18
1

wer zeichnet dafür verantwortlich?

keiner wars, keiner kann was dafür aber alles geht den bach hinunter. im namen der sozialen wärme und umverteilungskultur aller parteien dieser EU.

kann der ehrliche steuerzahler erwarten, dass verantwortliche für dieses absehbares desaster, das noch viel menschliches leid kosten wird, mit ihrem kapital haften und in den häfen gehen?

wenn nicht, dann wird der bürgeraufstand nicht lustig!

Gast: mysterium
10.05.2011 20:09
1

Wo ist der Strohhalm?

Nirgends, wir werden alle mitgerissen. Diese Führungskräfte gehören allesamt abgelöst und auf Existenzminimum gesetzt.

Gast: Bärenfalle...
10.05.2011 20:08
8

Ich finde es ist Zeit es mal zu sagen:

Danke Griechenland !

Was dutzende politische Bewegungen nicht zustande brachten, den Moloch Brüssel zu stürzen, schaffen die Griechen in 10 Jahren gemeinsamer Währung.

Ja, nur das Mutterland der Demokratie konnte diesen Kampf gegen den paneuropäischen Sozialismus so erfolgreich führen und schon bald siegreich im Sinne aller denen Demokratie keine leere Worthülse ist beenden.

Daher,

Danke Griechenland !

Gast: Ehrlich_arbeiten_ist_genial
10.05.2011 18:48
3

Weitere 60 Milliarden Euro für die EU

Aufgrund der " Volksabstimmung des Volkes und der Demokratischen Entscheidung" ! Sind wir natürlich alle einverstanden und mit dabei..


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