Raschere Förderung für EU-Pleitestaaten

01.08.2011 | 18:08 |   (Die Presse)

Nur fünf Prozent der Kosten für Infrastrukturprojekte sollen Portugal, Irland und Griechenland selbst bezahlen müssen. Das soll für Aufschwung sorgen. Erleichterungen auch für Ungarn, Rumänien und Lettland.

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Brüssel/Ag/Auer. Die EU will die Wirtschaft in ihren schuldengeplagten Mitgliedsländern mit schnellerem Zugang zu den Fördertöpfen ankurbeln. Künftig sollen Griechenland, Portugal und Irland nur noch fünf Prozent der Kosten für Infrastrukturprojekte selbst tragen müssen. Bisher waren 15 Prozent Eigenmittel vorgesehen. Die Erleichterung soll auch für Ungarn, Rumänien und Lettland gelten, die ebenfalls Finanzhilfen von Brüssel erhalten haben.

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Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach von einer „Art Marshall-Plan für die Belebung der Wirtschaft“. EU-Regionalkommissar Johannes Hahn, der den Plan vorgelegt hat, betont, dass die Fördermittel nicht aufgestockt würden. Die Länder bekämen nur rascheren Zugriff auf das Geld, im Gegenzug zur niedrigeren Eigenleistung würde die Zahl der Projekte sinken. In Summe winken 2,8Mrd. Euro. Griechenland darf sich auf 879 Mio., Portugal auf 629 Mio. und Irland auf 98Mio. Euro freuen. Im Schnitt bezahlen die EU-Länder 31,8 Prozent der Projektkosten selbst. In Österreich sind es 51 Prozent.

 

Hilfspaket: Zahlt Italien mit?

Unterdessen mehren sich Zweifel am zweiten Hilfspaket für Griechenland, das die EU-Spitze vergangene Woche geschnürt hat. Schon Mitte September soll der Euro-Rettungsschirm EFSF 5,8 Mrd. Euro nach Athen überweisen. Doch ob der EFSF bis dahin genug Geld am Kapitalmarkt auftreiben kann, ist ungewiss.

Auch die Teilnahme Italiens an den neuen Hilfszahlungen wackelt. Da die Anleger ein Übergreifen der Schuldenkrise auf das verschuldete Land fürchten, fordern Investoren immer höhere Zinsen für italienische Staatsanleihen. Angeblich überlegt das Land bereits, sich an der nächsten Tranche nicht zu beteiligen. Das ist dann möglich, wenn das Land selbst höhere Zinsen zahlen müsste als es für die Kredite an Griechenland erhält. Dann müssten allerdings die anderen Länder einspringen und entweder ihren Beitrag aufstocken oder dem betroffenen Land eine Entschädigung zahlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2011)

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7 Kommentare

Infrastruktur für Griechenland?

Soll die Dichte der orthodoxen Marterl pro Quadratkilometer verdoppelt werden?

italien plant den absprung

in die nehmerliga - schließlich auch ein piigs-land wollen sie jetzt an die vollen töpfe - obwohl doch ein großes land mit 3. höchsten bip - was soll das ??? - da mitzutun ist wohl grob fahrlässig !!!

Für Unterhaltung ist gesorgt...

...wenn Italien, dessen Bonität jenseits von Gut und Böse beschädigt ist, einen Kredit an Griechenland vergibt.
Vielleicht kommen´s aber auch aus, wenn sie selbst noch höhere Wucherzinsen bezahlen als sie selbst von GR bekommen würden.
In diesem Fall gibt´s also die Variante, dass wir anderen Staaten Italien für die Zinsdifferenz eine "Entschädigung" zahlen.
Das ganze beginnt, einen sehr queren Humor zu bekommen.

Überraschung, Überraschung, ...

Da bietet man Kreditgebern und Spekulanten, entgegen eigenen Grundsatzvereinbarungen, die Möglichkeit noch mehr Geld zu kassieren, und die greifen doch tatsächlich zu.

Wer hätte denn das erwarten können?

Wenn aber gleichzeitig noch immer die Chefs von Firmen (Banken, ...) gesetzlich, mit persönlicher Haftung, verpflichtet sind, für das Wohl (= Einnahmen) der Firma zu arbeiten, von welcher sie ja auch dafür bezahlt werden, und nicht für die Allgemeinheit der EUR-Staaten, ja was kann da bloß die Ursache sein?

Diese Ursache zu finden und abzustellen wäre wahrscheinlich ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Gast: 1. Parteiloser
01.08.2011 18:33
6

Die scheren sich einen Dreck um...

...den Gleichheitsgrundsatz.
...um den Vertrag von Lissabon.
...um das Verbr.echen der Schulden für die Kinder Europas.
...um die exzessive Umverteilung von Land zu Land und dessen Illegalität.
...um die exzessive Umverteilung von Privat zu Staat und dessen Grundrechtswidrigkeit.

Dieses Vorhaben bedeutet nichts anderes als den fleißigen Menschen noch mehr weg zu nehmen und den frechen Abkassieren noch mehr hinten reinzuschieben.

Das ist aber etwas was die Parteibonzen in Brüssel nicht erkennen können. Die haben alle ein Leben lang in geschützten Bereichen voll abkassiert aber nichts für die Gesellschaft geleistet, der Gesellschaft aber immer die Rechnung geschickt.

Diese Vorhaben ist auf jeden Fall die Bestätigung einer Umverteilung, also das Schaffen einer Transferunion. Jetzt geht es nicht mehr um Kredite, jetzt geht sicher um Bares!

Die Durchschnittspensionen in Griechenland liegen noch immer viel höher als die ASVG Durchschnittspensionen in Österreich!

Das darf einfach nicht Recht werden, weil es ein himmelschreiendes Unrecht ist.

Re: Die scheren sich einen Dreck um...

es wird der Zeitpunkt kommen, wo der Gipfel der Dekadenz in einer Revolte endet, wo das ganze System zusammenbricht. So etwas hat es schon öfters gegeben...

Europas letzte 200 Jahre

1789, 1815, 1861, 1866/67, 1914, 1917, 1929, 1938, 70er, 80er Ölkrisen, 2008... 20??

Es wird einen Systemkrach geben, die Systeme werden neu hochgefahren, wieder, wieder und wieder...

Die Menschheit lernt leider nicht Geschichte und nichts aus der Geschichte!

The next touchdown ...coming soon!

Wenigstens habe ich dann keine Schulden mehr! Retten Sie Ihr Vermögen, bevor es richtig kracht!

Re: Re: Die scheren sich einen Dreck um...

Gebe Ihnen ja recht!

Aber wenn man die Geschichte ansieht, dann bemerkt man, daß alle Revolten zur Schwächung Europas beigetragen haben.

So gesehen keine gute Entwicklung. Leider schaut es ganz so aus als wenn die europäischen Politiker nichts davon gelernt haben!

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