OECD zu Athen: "Verschwendung muss aufhören"

02.08.2011 | 12:14 |   (DiePresse.com)

Die OECD lobt Griechenland für das ehrgeizige Reformprogramm. Erfolgreich sei dieses aber nur bei einer einwandfreien Umsetzung

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Lob und Mahnung zugleich fürs hoch verschuldete Griechenland: Das Eurozonenland hat nach OECD-Meinung beeindruckende Reformen angeschoben, muss sie nun aber konsequent umsetzen und vor allem die Steuerflucht begrenzen. In ihrer am Dienstag präsentierten Länderstudie notiert die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), ein wirksameres Steuersystem müsse zu den Prioritäten der Regierung zählen. Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Obwohl die Wirtschaft noch schwach und der Pfad zur Erholung noch lang ist, sind steigende Exporte Signale, dass die Reformen Früchte tragen könnten."

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Anerkennend schreiben die Autoren der Studie: "2010 wurde das Budgetdefizit um rund 5 Prozentpunkte vom BIP gesenkt (...) Kein anderes OECD-Land hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten so eine Verbesserung in einem einzigen Jahr zustandegebracht!"

Zögerlich bei Privatisierungen

Mahnend heißt es in dem Länderbericht aber: "Die Verschwendung öffentlicher Ressourcen muss aufhören, Steuerflucht entschieden angegangen werden, der öffentliche Dienst muss verbessert werden und das Vertrauen zwischen den Griechen und ihrer Regierung muss wieder hergestellt werden." Zudem sei die griechische Regierung zögerlich bei ihrem Privatisierungsprogramm.

Griechenlands Sparpaket kann der angeschlagenen Wirtschaft nach Ansicht der OECD nur bei einer vollen Umsetzung zum Erfolg verhelfen. Das ehrgeizige Anpassungsprogramm könne Auftrieb geben für das Wachstum, den Arbeitsmarkt und den Lebensstandard, stellte die OECD am Dienstag in ihrem Länderbericht Griechenland fest. Entscheidend sei, dass Lasten und Nutzen der dringend nötigen Reformen fair geteilt würden, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. "Klar und deutlich: Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Umsetzung, die einwandfrei sein muss", hieß es im Bericht.

Der Schuldenberg Griechenlands dürfte demnach bis 2035 auf 100 Prozent der BIP schrumpfen, nach 140 Prozent im vorigen Jahr. In einem günstigeren Szenario könnte die Schuldenstandsquote sogar auf unter 60 Prozent sinken, betonte die OECD. Dafür müssten aber die angepeilten Privatisierungen und Reformen umfassend durchgesetzt werden.

(Ag.)

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20 Kommentare
Gast: Willam
01.03.2012 15:37
0

Kredit

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Hoppla, kommt hier ein kleiner Pferdefuß

an die offizielle Oberfläche?

Die verbilligten Kredite aus den Rettungsschirmen müssen sich ja zwangsweise die anderen, ebenfalls verschuldeten Staaten mit (neu) borgen.

Wer aber dabei, wegen immer höherer Schulden mehr an Zinsen bezahlen muss als den Pleiteschuldnern (wohin ja Teile dieser neuen Schulden gehen) "solidarisch auferlegt", braucht nicht mehr mitzahlen. Die restlichen übernehmen dann deren Anteil. D.h., die brauchen dann noch mehr Kreditaufnahmen und rutschen damit noch schneller in genau diese Situation.

Besser kann man einen Teufelskreis nach unten in Kurzform gar nicht beschreiben.

Gast: Nudelauge
03.08.2011 04:01
0

...die nächste, südliche €-Sau wird getrieben...

wann kommt die "Grande Nation" ?


rom kann ueberhaupt gar nichts dagegen unternehmen

die koennen sich alle auf den kopf stellen und es wird nichts dran aendern!

Gast: alter Schilling
02.08.2011 23:35
1

dringend lesen !!!

Felix Zulauf ist einer der besten - in einer sehr ehrlichen Analyse sagt er die Wahrheit....also überrascht braucht keiner zu sein.
Dringend lesen !!!
Zerfall der gesamten Finanzarchitektur !

http://www.wiwo.de/finanzen/zerfall-der-gesamten-finanzarchitektur-473546/

Re: dringend lesen !!!

Sehr guter Artikel.

Von der Linken in die Rechte Tasche

Italien (pleite) soll Griechenland (auch pleite) Geld leihen. Vielleicht soll Deutschland (noch nicht, aber bald pleite) wieder alle bail-outen. Das ist ja alles schon so absurd das man das vor 25 Jahren als unmögliches Hirngespinst abgetan hätte.

Gast: EFF EFF
02.08.2011 21:12
0

2 Billionen, Herr Trichet

"Jetzt entdecken wir, dass wir die Schulden nicht zurückzahlen können“, sagte Oppositionschef Pierluigi Bersani. Man könnte vermuten, er hätte seinen Zweitwohnsitz in der Schweiz.
Der Euro ist inzwischen bei 1.083 Fr. Manche Investoren spekulieren auf die Parität, die eigentliche Wette gilt jedoch den Eurobonds. So könnte der Euroverfall noch bis Dezember andauern.
China wartet auch auf Eurobonds - alternativlos.
Die Eurozonengruppe sollte das eigentlich wissen.

Denkt daran...

man wird zum schluss kommen, dass die finanzierung eines staates (dessen aufgaben eindeutig nicht gewinnmaximierung sind) nicht über den freien finanzmarkt (hier gilt die devise der gewinnmaximierung auf teufel komm raus) stattfinden kann.

...und wenn man das mal begriffen hat - ist die lösung nicht weit

Gast: 1. Parteiloser
02.08.2011 19:07
3

Eine logische Entwicklung!

Die Schulden der Länder der Eurozone gehen schon an gewaltige 10.000.000 Mio. Euro Marke zu. Das bedeutet, bei 5% Zinsen, dass alleine dafür 500.000 Mio. Euro draufgehen. Diese Gelder müssen der Bevölkerung, eigentlich der Realwirtschaft, mit Zwangsabgaben abgepresst werden. Weil aber die Realeinkommen eher sinken, so wird es immer unmöglicher die notwendigen Gelder einzutreiben.

Steigende Zinsen müssen gewaltige Auswirkungen haben, jedes 1 % mehr bedeutet dann 100.000 Mio. Euro pro Jahr mehr. Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder, immer wieder!

Betreffend Italien und seinem nominellen Schuldenstand von gut 1.500.000 Mio. Euro bedeutet das nichts anderes als dass bei 6% Zinsen 90.000 Mio. Euro an Zinsendienst aus der Realwirtschaft, zusätzlich zu den notwendigen laufenden Kosten, gepresst werden müssen.

Geht man davon aus, dass diese Summe von der 25 Mio. verfügbaren Arbeitskräften aufgebracht werden müssen, dann müssen diese Arbeitskräfte nur für die Zinsen pro Jahr 3.600.- Euro leisten und an den Staat abliefern. Das wird im Rahmen eines globalen Wettbewerbs niemals möglich sein, einfach nicht zu schaffen. Wenn die Zinsen nur auf 8% steigen, dann geht es schon um 4.800.- Euro pro Jahr!

Die Schulden werden den Euro in die Luft jagen und die EU gleich mit dazu.

Wer wird es fertig machen?
Italien oder doch Frankreich?

Re: Eine logische Entwicklung!

Mit diesen Aussagen in einem öffentlichen Medium gefährden Sie bereits die europäische Finanzstabilität....

Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Erlauben Sie mir eine kleine Ergänzung, die ist bereits seit längerem gefährdet. Aber wenige durch Kommentare als irrationale Handlungen. Und das Versprechen, in ein paar Jahren "ernsthaft" Sparen zu wollen (z.B. Italien) wird dabei genau so wenig ändern, wie mehrere oder ein Sprecher für den EUR.

Denn hier geht vor allem um Geld und nicht um weniger bis gar nicht mehr geglaubte Worte.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
03.08.2011 08:58
0

Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Danke für die Wichtigkeit, welche Sie meiner Meinung zusprechen.

Es scheint so, Ihrer Meinung nach, dass meine Aussagen für die Probleme der Euroländer mehr Wertigkeit haben als die gewaltigen Schulden und die gewaltigen Strukturbalancen für welche ganz andere Typen verantwortlich sind.

Kann es nicht sein, dass für die fehlende Finanzstabilität eher solche Typen wie die Brauner, der Sobotka, der Gabmann, Kulterer, der Haberzettel, der Neugebauer, etc. etc. verantwortlich sind?

Sind es nicht die irren Staatsausgaben, in Österreich 152.091 Mio. Euro, welche für die Misere verantwortlich waren und sind?

Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Ich wollte damit ausdrücken, dass die "Stabilität" mittlerweile so fragil ist, dass sie nicht einmal mehr kritische Kommentare in Leserbriefspalten verträgt.

Re: Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Deshalb soll´s ja auch eine Einzelperson als Sprecher für den Euro geben. Dessen demokratische Legitimation ist zwar ein schon sehr fantasievolles Konstrukt - aber wir haben uns daran gewöhnt.

Re: Re: Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

"aber wir haben uns daran gewöhnt". Darf ich das auf die Konstruktion "wir wurden zwangsweise daran gewöhnt" ändern?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Daran kann und will ich Sie nicht hindern;-)
Im Ernst: Eben dieses Defizit an tiefgehender Demokratie hat ja eben genau dies zur Folge: Wir werden gewöhnt.
Wie schon mehrfach geschrieben behaupte ich, dass es sich dabei um das eigentliche Problem der EU bzw. des Euroraums handelt.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Ich würde eher sagen, dass ist ein prinzipielles, "wucherndes" Problem aller Arten von Verwaltung. Beim Staat und der EU schmerzt es halt besonders.

Nicht prinzipiell böse gemeint, aber "Verwalter", egal ob Beamte, Angestellte, ... und heute auch schon fast durchgehend Politiker, sind eher Menschen, welche das persönliche Risiko scheuen und Sicherheit suchen. Und öffentliche Diskussionen über (eigene) Entscheidungen könnten diese, falsch verstandenen, Sicherheiten gefährden. Und Verwalten bedeutet letztendlich auch bestehendes bewahren und nicht entwickeln und verändern.

Das sind, aus meiner Sicht, auch einige der Gründe für das reflexartige Abriegeln, Lügen und Schönfärberei ist erlaubt, Anlaßgesetzgebung und was es sonst noch gibt. Menschlich sogar irgendwie verständlich.

Und unterstützt von ebenfalls (trügerische) Sicherheit suchenden Bürgern. Das diese wachsende Mehrheiten, sowohl bei Politik als auch bei Bürgern, jedoch hauptsächlich nur mehr von Errungenschaften der Vergangenheit (noch gut) lebt, wird aber wahrscheinlich und leider nicht mehr in deren Köpfen ankommen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Eine sehr wahrscheinlich höchstzutreffende Analyse.
Was ich nach wie vor nicht verstehe ist die Tatsache, dass sich der im freien Fall befindliche "Sicherheitssuchende" weigert, die Reissleine zu ziehen.
Hier wird "Sicherheit" mit "Vertrautheit" verwechselt. Also eher Sicherheit im Sinne von: Wer fällt, kommt unten an.

Es gäbe durchaus Beispiele von Staaten, die sowohl was demokratische als auch finanzielle Probleme betrifft, durchaus ein Vorbild für Anpassungen sein könnten. Somit wären Schritte in diese Richtung nichtmal so "unsicher". Aber auch das "wird wahrscheinlich und leider nicht mehr in den Köpfen ankommen".

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Eine logische Entwicklung!

Der begrenzte Postingplatz zwingt leider sehr oft zu, manchmal wahrscheinlich auch verwirrenden, Vereinfachungen. Die Welt ist ja nicht nur schwarz und weiß.

Meine Meinung zu Ihrem Punkt "Reissleine" daher in solcher Kurzfassung:
Ich würde die Möglichkeit, dass ein "Sicherheitssuchender" solche "Reissleinen" gar nicht als das erkennt, was sie sind, als sehr hoch ansehen. Denn wie Sie richtig anmerken, sie gehört in solchen Fällen nicht zu seiner vertrauten Umgebung und Denkschema. Und damit kann bei dieser denkweise ein (vernünftiger) Ausweg durchaus auch als (unabwägbares) Risiko erscheinen.

PS: Den Mangel an eigenem Wissen und Beurteilungsfähigkeit der Politik zu solchen Krisen konnte man in den letzten Tagen in deutschen Reportagen sehen. Deren Information, dass der 2.te Rettungsschirm + dessen Nebengeräusche nur 1:1 dem vom Bankenverband vorgelegten Vorschlägen entspricht, wurde dort glaubhaft dokumentiert. Und damit haben die Gärtner die "Lösungsvorschläge" des Bocks realisiert.

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