Griechenland-Pleite würde Österreich 40 Milliarden kosten

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel versucht am Dienstag zu beruhigen, aber ein Staatsbankrott Griechenlands ist für Berlin kein Tabu mehr.

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(c) EPA (PANTELIS SAITAS)

Wien/Berlin. Der von zahlreichen Experten befürchtete Staatsbankrott Griechenlands würde Österreichs Volkswirtschaft 40 Milliarden Euro kosten. Das ist eine Schätzung des Finanzministeriums. „Wir haben bereits zu Beginn der Krise die Szenarien durchgerechnet“, so ein Sprecher des Ministeriums gegenüber der „Presse“. Damit sei schon damals klar gewesen, dass eine Teilnahme am Hilfspaket deutlich günstiger sei.

Österreich hat sich bisher mit 1,2 Milliarden Euro am Griechenland-Hilfspaket beteiligt. Insgesamt sollen es 2,3 Milliarden an Krediten werden. Freilich wäre auch dieses Geld großteils verloren, wenn Athen zahlungsunfähig würde. Nach der Berechnung des Finanzministeriums würde die Griechenland-Pleite Österreich sofort fünf Milliarden Euro kosten. Die Gesamtsumme von 40 Milliarden Euro enthält auch den indirekter Schaden durch Einbrüche bei Exportgeschäften, Kosten für Banken und dergleichen.

Nachdem der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bestätigt hatte, dass sein Ministerium ebenfalls eine Pleite durchrechnete, versuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag zu beruhigen. „Ich glaube, wir tun Griechenland den größten Gefallen, indem wir wenig spekulieren, sondern Griechenland ermutigen, die Verpflichtungen auch umzusetzen, die es eingegangen ist.“

Merkel mahnte zu besonnener Wortwahl im Zusammenhang mit der Krise und wies Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands zurück. Mit dem Euro entscheide sich auch die Zukunft Europas, so die Kanzlerin in der ARD, „was wir nicht brauchen können, ist Unruhe auf den Finanzmärkten. Die Unsicherheiten sind schon groß genug.“

Dabei hatte gerade ihr Wirtschaftsminister, Philip Rösler vom Koalitionspartner FDP, die Spekulationen angeheizt, indem er als Erster öffentlich von einer möglichen Pleite Griechenlands sprach. In einem Beitrag für die „Welt“ erklärte Rösler, es dürfe „kurzfristig keine Denkverbote mehr geben“, weshalb auch an eine geordnete Insolvenz gedacht werden müsse.

Finanzminister Schäuble hat gleichzeitig bestätigt, dass sich die Regierung auch auf einen Staatsbankrott vorbereitet. „Das wäre ja eine schlechte Regierung, wenn sie sich nicht auch auf Dinge, die man sich gar nicht vorstellen kann, vorzubereiten versucht, so gut es geht.“

CSU will über Pleite reden

Die Uneinigkeit innerhalb der deutschen Regierung, für die die Krise in der Eurozone zur Dauerzerreißprobe wird, zeigte sich deutlich an den Reaktionen auf Röslers Äußerung: Während Merkel und Schäuble auf Distanz gingen, sprang – neben einigen Politikern aus FDP und CDU – auch CSU-Chef Horst Seehofer dem Wirtschaftsminister bei. Er zeigte sich „froh, dass jetzt in den letzten Tagen diese Gedanken auch ausgesprochen wurden“. Der CSU-Vorstand beschloss am Montag mit Blick auf Griechenland, dass „Eurostaaten, die sich nicht an die gemeinsamen Regeln der Haushaltsdisziplin halten und dadurch sich und die Währungsunion in Schwierigkeiten bringen, damit rechnen müssen, die Währungsunion zu verlassen“.

Obama warnt Europa

Die USA erhöhen indes den Druck auf Europa. US-Finanzminister Timothy Geithner reist am Freitag eigens zu einem Treffen seiner europäischen Amtskollegen nach Polen.

Nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama ist die europäische Schuldenkrise eine Gefahr für die Weltwirtschaft, wie er in einem Interview erklärte. Das Kernproblem sei, dass es zwar eine Gemeinschaftswährung, aber keinen gemeinsamen wirtschaftlichen Rahmen gebe. Der US-Präsident forderte die Europäer zum entschlossenen Kampf gegen die Schuldenkrise auf, weil die Krise auch Auswirkungen auf die USA habe.

Auf einen Blick

Österreich hat sich bisher mit 1,2Milliarden Euro am Griechenland-Hilfspaket beteiligt. Insgesamt werden es 2,3 Milliarden werden. Falls dieses Geld einmal zurückgezahlt wird, könnte die Hilfe mit den Zinsen sogar ein Geschäft werden. Wenn nicht, muss ein Teil dieser Summe aber zum volkswirtschaftlichen Schaden von 40Milliarden Euro durch einen Bankrott des EU-Partners addiert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2011)

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