Polens Finanzminister: "Europa ist in Gefahr"

Der polnische Finanzminister Jacek Rostowski zitiert eine Analyse, derzufolge der Ausschluss eines Landes bis zu 50 Prozent des BIP kosten könnte.

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Rostowski – (c) REUTERS (Thierry Roge)

Der polnische Finanzminister und aktuelle EU-Ratsvorsitzende Jacek Rostowski hat mit eindringlichen Worten vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone gewarnt. "Heute dürfen wir keine Zweifel daran haben, dass Europa in Gefahr ist", sagte Rostowski am Mittwoch vor dem Europaparlament in Straßburg.

Rostowski lobte die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgte Politik, Staatsanleihen von hoch verschuldeten Ländern zu kaufen. Die EZB habe damit für Stabilität gesorgt, "Europa gerettet". "Es gibt Ängste auf dem Markt vor gigantischen Turbulenzen, die Europa ins Verderben stürzen könnten." Die Anleger wüssten derzeit nicht, ob sie ihr Geld sparen oder möglichst schnell los werden sollten.

Ausschluss könnte 50 Prozent des BIP kosten

Man müsse darüber nachdenken, was ein schrittweiser Zerfall der Eurozone bedeuten würde, sagte Rostowski. Er verwies auf eine Analyse der Schweizer Großbank UBS, wonach ein Ausschluss eines Landes aus der Eurozone Kosten in Höhe von 40 bis 50 Prozent des BIP im ersten Jahr und bis zu 10 Prozent später jährlich verursachen würde.

Rostowski warnte auch vor einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit, wenn die Euro-Krise noch ein bis zwei Jahre anhalte. Auch in den reichsten Euro-Ländern wäre dann möglicherweise mit einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Die "Eurozone muss gerettet werden". Einen "Schock" bei einem Scheitern "würde Europa auch nicht überdauern".

"Zu viel Zeit vergeht"

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kritisierte, zwischen den Entscheidungen der EU und ihrer Umsetzungen vergehe zu viel Zeit. "Es gibt eine Kakophonie der Kritik", beanstandete er. Barroso forderte eine rasche Umsetzung der Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli. Die aktuelle Krise sei die tiefste seiner Generation, betonte Barroso.

(APA)

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