Banken bunkern immer mehr Geld bei der EZB

05.10.2011 | 13:28 |   (DiePresse.com)

Statt Kredite zu vergeben, horten europäische Banken das Geld lieber bei der EZB. In der Nacht auf Mittwoch waren es 213 Milliarden Euro.

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Europäische Banken trauen sich untereinander immer weniger über den Weg und parken deshalb immer mehr Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB), anstatt es anderen Banken zu leihen. In der Nacht zum Mittwoch vertrauten sie der Notenbank mehr als 213 (zu Dienstag: 209) Mrd. Euro an; das ist die höchste Summe seit Mitte Juli 2010.

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Problem "Zwei-Klassen-Gesellschaft"

Für diese Übernachtkredite zahlt die EZB 0,75 Prozent an Zinsen, Banken am Geldmarkt legen dafür derzeit knapp ein Prozent hin. Händler sprachen von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft": Die als vertrauenswürdig eingestuften Banken hätten zu viel Liquidität, die anderen kämen immer schwerer an Geld. Dies zeigte sich auch an der regen Inanspruchnahme des Wochentenders der EZB; bei dem sich die europäischen Geldhäuser am Dienstag fast 200 Mrd. Euro zu einem Zins von 1,5 Prozent geliehen hatten.

Erinnerung an das Jahr 2008

Die Entwicklung am Geldmarkt erinnere an die Situation 2008, als die Institute sich so sehr misstrauten, dass das Interbankengeschäft praktisch zum Erliegen gekommen war. "Der Unterschied ist, dass damals einzelne Häuser betroffen waren, heute stehen einzelne Länder kurz vor dem Abgrund", sagte ein Händler.

Der Tagesgeldsatz bewegte sich zwischen 0,85 und 0,90 Prozent nach 1,0 bis 1,05 Prozent am Dienstag. Händler sagten, dies sei eine übliche Entwicklung zu Monatsbeginn.

Kommission schlägt Alarm

Inzwischen schlägt die EU-Kommission Alarm: Die Lage an den Finanzmärkten und bei den europäischen Banken habe sich seit den Banken-Stresstests im Frühjahr verschlechtert, sagte eine Sprecherin der Kommission am Mittwoch in Brüssel. "Wir sind uns bewusst, was an den Märkten passiert und wie sich das auf die Banken auswirkt", sagte sie. Die Schuldenkrise habe negative Folgen für die Banken. "Aber die unmittelbaren Probleme drehen sich eher um Liquidität als um Zahlungsfähigkeit", sagte sie.

Die EU-Kommission will sich nicht zum möglichen Umfang einer Banken-Rekapitalisierung äußern. Es gebe noch keine konkreten Pläne auf EU-Ebene, sagten EU-Beamte

(Ag.)

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62 Kommentare
 
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Fragen an die Experten:

1) Was hat die EZB davon, wenn die Banken über Nacht Geld bei ihr "parken"?

2) Warum muß die EZB für dieses Geld 0,75% p.a. Zinsen zahlen?

Stundenweise Zinsen?

Wenn ich recht verstehe, zahlt die EZB für die 213 Mia € bei 0,75 % p.a. für eine Nacht (12 Stunden?) 2,2 Mio €.
Eine Bank, die 1 Mia € über Nacht parkt, bekommt 10.000 €.
Für mich als nicht-Banker ist das neu, und auch ehrlich gesagt ein wenig bizarr. Ein wunderbares Beispiel, was alles mit Geld gemacht werden kann.
Wenn ich eine Überweisung erhalte oder Wertpapiere verkaufe und meinem Konto gutschreiben lasse, dann kann ich darüber wegen der Valuta erst nach einem oder 2 Tagen darüber verfügen, sonst zahle ich Sollzinsen…

Re: Stundenweise Zinsen?

Sie und ich sind arme Würstel die sich nach dem Gesetz für arme Würstel zu richten haben. Banken sind Teil des Systems und machen sich die Gesetze selber. Was ist daran komisch? Zum Lachen ist es sowieso nicht...

Gast: kreMel
05.10.2011 18:11
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Und Merkel

ruiniert Deutschland fleißig weiter. Die "Opposition" will leider auch der Deutschen Geld zum Fenster rausschmeißen. Unfassbar was hier läuft.

Gast: Hans:feder
05.10.2011 18:09
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Bank und Bürger

Ist euch denn eh allen Klar das wenn Unsere Banken Pleitegehen , alle unser Versicherungen,Altersvorsorgen etc. etc. weg sind! Die Bösen Banken (leider sind sie es) verwalten nur unser Vermögen. Betet also das es keiner Europäischen Bank an den Kragen geht, das trifft dann nähmlich sogar den Hansi um die Ecke. Zuerst Denken und dann Schimpfen meine lieben.
Meiner Meinung sollten ohnehin ALLE BANKEN in den wichtigen Bereichen Verstaatlicht werden (dann brauchen wir sie nicht mehr Retten). Dann würden nähmlich die Milliarden Gewinne die ja fast immer eingefahren werden in Normalen Zeiten wieder ins system zurückfließen. Haupaufgabe jeder Bank sollte ja die Sinnvolle Geldverteilung sein um das System am laufen zu halten. Mehr und nicht weniger!

Antworten Gast: Bärenfalle...
05.10.2011 18:59
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Re: Bank und Bürger

Sie glauben Ihre Rente wäre noch da ?

Rentenzahlungen sind heute nur mehr eine zusätzliche Steuer für Arbeitnehmer und -geber.

Die Kohle ist mal sicher weg, im besten Fall erhalten alle unter 50 einmal eine Einheitsrente auf heutigem Sozialhilfeniveau, etwaige bestehende Zusatzvorsorgen werden natürlich von dieser abgezogen (das wird ein Knüller und viele lange Gesichter geben...)

Versicherungen, die sterben mit den Banken, ist ja auch fast das selbe Geschäftsmodell.

Banken verleihen Geld und erhalten es mit Zinsen zurück. Versicherungen erhalten Geld und versprechen es mit Zinsen zurückzuzahlen.

Die einen erzeugen Geld aus dem Nichts, die anderen lassen es dort verschwinden und alle leben gut davon.

Verstaatlichung, geh bitte, natürlich werden die Banken verstaatlicht.

Nachdem sie pleite sind (s. Hypo)

Und wenn sie wieder laufen und Gewinne abwerfen werden sie wieder privatisiert.

Denn Politik ist die Fortführung der Wirtschaft mit anderen Mitteln.

Das ist ja das tolle an der Demokratie, es ist vollkommen egal wer regiert.

Denn "the world is not governed by the governments, it's governed by Goldman Sachs"


Re: Re: Bank und Bürger

Also teilweise kann man zustimmen, aber beim Satz "Versicherungen, die sterben mit den Banken, ist ja auch fast das selbe Geschäftsmodell." dreht es mir den Magen um. Wie kommen sie zu so einer abstursen Feststellung? Abgesehen davon, dass für die beiden Bereiche gänzlich andere gesetzliche Rahmenbedinungen gelten (z.B. bezüglich Eigenkapital), arbeiten beide sehr unterschiedlich. Selbst eine Lebensversicherung ist etwas gänzlich anderes als ein Sparbuch. Wer das miteinander verwechselt, der weiß offensichtlich nicht was dahinter steckt.

Antworten Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
05.10.2011 21:52
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Re: Re: Re: Bank und Bürger

Gut, dann kennen Sie ja auch die Antwort auf die Frage mit wie viel Eigenkapital Versicherungen unter "Solvency II" die veranlagten Kundengelder in "sicheren" Staatsanleihen (egal welches Rating !) in ihrem Besitz ab 2013 unterfüttern müssen.

Hinweis: Es es eine Zahl mit einer Null.

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Lösung:

Null % ;)

Da kann natürlich auch hochverzinsliches Papier der PIIGS dabei sein um die Mindestrendite zu schaffen.

Dagegen ist ein Sparbuch (mit staatlicher Einlagensicherung) ein sicheres Fort Knox.

Die Ergebnisse der ersten Solvency II Stresstests (so etwas wie der EU-Bankenstresstest, mindestens so hart und realitätsbezogen ;) sollen übrigens, höflich formuliert "durchwachsen" sein.


Re: Re: Re: Re: Bank und Bürger

Mein restliches Posting dürfte mal wieder nicht durchgegangen sein. Sei's drum...

Re: Re: Re: Re: Bank und Bürger

Und was PIIGS-Anleihen betrifft: Bei dem Rating (wenn es das für so eine Sammelanleihe überhaupt gibt) darf eine Versicherung nicht kaufen, oder haben sie da andere Informationen?

Re: Re: Re: Re: Bank und Bürger

Erstens ist Solvency II noch nicht mal in Kraft. Weiters würde ich jetzt gerne mal wissen was denn so auf der Skala der sicheren Veranlagungen noch sicherer ist als eine Staatsanleihe (im Übrigen darf die Versicherung ja nicht bei jedem Rating kaufen und muss bei bestimmten Herabstufungen verkaufen, aber das verschweigen sie hier). Wenn ich zum Vermögensberater gehe und sage ich will das konservativste das es gibt, wird er mir wohl zu Staatsanleihen raten. Warum? Weil wenn der Staat pleite ist, dann ist es egal wo ich mein Geld hatte.
Und, es kommt schon noch auf das Produkt an. Eine Ablebensversicherung ist keinen Spekulationen unterworfen, es ist ein Umverteilungsssystem, das noch dazu gesetzlich sehr streng geregelt ist.
Generell haben Versicherungen in der Regel Rückversicherungen gegen große Schäden, was den klassischen Versicherungsbereich betrifft. Außerdem haben Versicherungen meist einen großen Bestand an Sachwerten wie Immobilien, meist mehr als Banken, soweit mir bekannt.
Weiters ist es in Bezug auf einen Finanzkollaps sowieso egal ob die Quote 2, 5 oder 10% beträgt, es reicht dann in keinem Fall. Wenn Versicherungen so ein Eigenkapitalproblem und damit Insolvenzrisiko haben sollten, warum haben Sie die letzte große Finanzkrise so relativ gut überstanden?
Die Frage ist letztendlich was Eigenkapitalquoten bringen sollen, wenn zu risikoreich agiert wird. Das Problem sind nicht die lächerlich kleinen Quoten der Banken sondern die Risiken die sie eingehen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
06.10.2011 06:38
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Re: Re: Re: Re: Re: Bank und Bürger

Das konservativste das es gibt sind Staatsanleihen.

Klar, drum wird der Vermögensberater immer Vermögensberater bleiben und selber selten eines zusammenbekommen.

Ich würde mal sagen:
Let's wait and see ;)


Gast: usoljesibirskoe
05.10.2011 17:39
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Wir befinden uns in der Endphase des Finanzsystems

ads ja ein Schuldgeldsystem ist.
Wo die Zentrale dieses stark hierarchisch geordneten Systems ist, wird getuschelt, das traut sich nicht mal ein BK zu sagen...

Jedenfalls wirkte der EURO und das EURO-System wie ein Brandbeschleuniger, und dass US-Ratingagenturen und Finanzfirmen "freundliche" Hilfestellung beim Schuldenmachen der PIGS waren, wirrd wohl kein Zufall gewesen sein...

Greenspan sagte vor 10 Jahren, dass es den EURO nur 15 Jahre geben wird.

Sagte er das als Vision, oder weil er es schon vorher wusste, bzw. es sich bestellen konnte?

Wir befinden uns in der Endfase des Rest-Sozialistischen Systems

Immer mehr Steuern, immer mehr Schulden für immer mehr verschwenderischen und korrupten Staat diese System ist am Ende.

So wie vor 20 Jahren das Kommunistische System das das gleiche gemacht hat, halt nur zu 80 % während wir es zu 50 % machen.

Antworten Antworten Gast: newy
05.10.2011 18:32
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Re: Wir befinden uns in der Endfase des Rest-Sozialistischen Systems

Was den korrupten Staat betrifft, da gebe ich Ihnen Recht. Was das ganze allerdings mit Kommunismus zu tun haben soll, das hätte ich gerne genauer erklärt.
Denn die grösste Erhöhung des Schuldenstandes der Staaten haben wir unseren "grossartigen" Rettungspaketen für die Banken zu verdanken.
USA ist mit Sicherheit nicht als kommunistisches Land zu bezeichnen, und deren Schulden haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt (!) obwohl bei Sozial und Bildungsausgaben gespart wird auf Teufel komm raus.

Antworten Antworten Gast: @starclimb
05.10.2011 18:22
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Re: Wir befinden uns in der Endfase des Rest-Sozialistischen Systems

Sie sind den Medien (3-mal dürfen sie raten wem die gehören, sicher nicht dem Volk, auch nicht der Regierung) aufgesessen.

Die Staatsausgaben sind deswegen so hoch, weil der Staat sich stellvertretend für die Bürger verschulden muss - um das soziale Leben irgendwie noch aufrehctzuerhalten.

Die - relativen - Staatsausgaben sind heute auch nicht viel höher wie vor 30 Jahren.

Problem ist, weil das Schuldgeldsystem shcon 40 % (!) aller Wertschöpfung absaugt.

Und zwar 40% (!) ALLER produzierten Waren, Güter und Gelder!

MIt Fortschreiten dieses exponentiellem Wachstum unterliegendem Zinseszinsssytems läuft automatisch immermehr Kapital den Reichen zu, und die grosse Mehrheit die nichts haben können mit ihrer Arbeit das nötige Kapital für dieses Zinsgeldsystem nicht mehr erwirtscahften.

Die Staaten könnten die Entwicklung garnichtmehr umdrehen, nichtmal Deutschland (könnte es schon, aber dann gehen alle südEUropäsichen Länder gleichzeitig unter).

Der STaat verschuldet sich nicht weil es so lustig ist, ujnd weil die Beamten so teuer sind, sondern weil er sich für die BÜrger verschulden muss - es ist nujr die Frage wohin das Kapital abfliesst.

Gast: Jens
05.10.2011 17:36
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nicht alles so schwarz sehen!

Es ist furchtbar, wie alles hier nur mehr schwarz gemalt wird. Als ob die Welt bald untergeht. Wir sind doch immer noch eines der reichsten Länder der Welt. Auch diese Krise wird vorbeigehen. Es gibt überall Probleme und wir werden sie in den Griff kriegen. Wir dürfen jetzt nur nicht den Kopf verlieren. Denken sie doch bitte alle an den wunderbaren Air America Piloten der auf dem Hudson River notwasserte. Solange es solche Ereignisse gibt besteht Hoffnung!

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_hw_

"..Statt Kredite zu vergeben, horten europäische Banken das Geld lieber bei der EZB.."

offenbar will niemand kredite.
nur ob das "über nacht" aussagekräftig ist?

Versicherungen???

Jetzt einmal abgesehen von den Banken - hat sich schon jemand Gedanken gemacht, was mit der Versicherungsbranche passiert, im Falle eines Zahlungsausfalles? Ich glaube, dass hier die noch größere Bedrohung schlummert...
Oder wird das absichtlich totgeschwiegen????

Gast: taschenrechner
05.10.2011 16:21
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too big to fail,is too big to allow.

(transparent bei wall street demo)

warum hat man die banken so gross werden lassen?
aber eh schon wurscht,das system kollabiert in nächster zeit ohnehin.spätestens im 2.quartal 2012.eine rezession kommt wie das amen im gebet.
einhergehend mit einer pleitewelle im privaten sektor.
und die staaten haben 1.keine möglichkeit die rezession zu bekämpfen.2.selbst überschuldet.

also,währungsreform ein bisserl noch warten,wir kommen gleich.

Gast: Groscherl
05.10.2011 16:05
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Chrash

Wie wärs mit wöchentlicher Lohnauszahlung im Papiersackerl. Und nachzählen auf der Park-Bank ob eh alles drinn ist was drauf steht.

So sehr ich das Land

mag. Aber wir sind die Vasallen Amerikas. Bevor sie selbst über die Klinge springen lassen sie uns dabei den Vortritt. Genauer: Sie schieben uns nach vorn.
Also Nacken beugen für einen sauberen Schnitt.

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Re: So sehr ich das Land

das schaffen die europäer ganz alleine.
lesen sie doch die vielen postings gegen EU und Euro.
leider denkt keiner mehr, sondern spricht nur mehr politiker und zeitung nach, und zwar jenen die am "lautesten schreien"

Re: Re: So sehr ich das Land

Ach so, wann hat die Bevölkerung schon mal fundiert nachgedacht? Etwas anders beleuchtet, mit Argumenten in Frage gestellt? Hintergründe erforscht? Sich echt interessiert, statt nur nachzuplappern?

Das erinnert mich an Winston Churchill: "Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein 5-Minuten-Gespräch mit einem durchschnittlichen Wähler". Und weil's so schön passt ein anderes Zitat (nicht vom Winston): "Verstand ist die am gerechtesten verteilte Sache der Welt. Jeder denkt er hätte genug davon."
So, das muss man erst mal wirken lassen.

Antworten Gast: Halbwissen
05.10.2011 16:48
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Re: So sehr ich das Land

Uns braucht man nicht schieben !

Wir drängen uns schon selbst vor !

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problemlösung

bin zwar kein banker, glaube aber die ursache dieser krise, wie anscheinend auch die eu komission zu kennen.
der arbeitende mensch trägt den sauer verdienten euro zur bank. diese verzehnfacht diesen einen euro und spekuliert. bei jeder spekulation gibt es gewinner und verlierer( die besten fondmanager gewinnen in 57% und verlieren in 43% der fälle. die schlechten sind überhaupt negativ)tatsache ist das jetzt offenbar, nachdem ewig lange mit bilanztricks das ende hinausgezögert wurde, es komischerweise an ecken und enden an geld fehlt(+-das 4 fache).es muß nicht erwähnt werden, dass die gehälter und boni der banker sich an der zehnfachen menge des geldes orientiert.die lösung kann nur heißen:rigoroses verbot der spekulation und am boden bleiben!
so einfach ist das, aber vielleicht habe ich einen denkfehler.....

 
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