Krise: Paul Krugman hatte doch recht

10.10.2011 | 18:27 |   (Die Presse)

Wie die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds einen Rettungsschirm aufspannten und damit indirekt auch Österreich vor einer drohenden Staatspleite retteten. Aber: Problem ist noch nicht beseitigt.

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Wien/Ju. Im Frühjahr 2009 war an den Finanzmärkten die Hölle los – und Österreich im Auge des Taifuns: Die Risikoaufschläge für österreichische Staatsanleihen sprangen in die Höhe und erreichten das Niveau jener für griechische Staatspapiere (siehe Grafik). Nur für irische Anleihen wurden damals noch höhere Aufschläge verlangt. Der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman verkündete, Österreich sei nach Island und Irland das am drittmeisten von einer Staatspleite bedrohte Land – und bezog dafür heftige verbale Prügel in der österreichischen Öffentlichkeit.

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Heute weiß man: Zu Unrecht. Krugman hatte nur Fakten wiedergegeben. Österreich war wegen des hohen „Exposures“ österreichischer Banken in Osteuropa extrem pleitebedroht – und wurde, wenn auch indirekt, durch einen von der EU und dem IWF aufgespannten Rettungsschirm für die osteuropäischen Länder gerettet. Der war gigantisch: Die EU erhöhte ihre „Beistandsfazilität“ von 25 auf 50 Mrd. Euro und stattete den IWF mit zusätzlich 75 Mrd. Euro aus. Japan und die USA steuerten je 75 Mrd. Euro bei, sodass die IWF-Mittel von 250 auf 750 Mrd. Euro aufgestockt und zusätzlich Sonderziehungsrechte um 250 Mrd. Euro bereitgestellt werden konnten.

Damit konnte Osteuropa zumindest vorübergehend stabilisiert werden. Das war für Österreich auch notwendig, denn die heimischen Banken haben in der Region Kredite über rund 300 Mrd. Euro (also annähernd die österreichische Wirtschaftsleistung) „draußen“. Ein auch nur teilweiser Ausfall dieser Riesensumme hätte die heimischen Großbanken – und damit auch den Staat – in den Strudel gerissen. Allerdings: Das Problem ist noch nicht beseitigt. Und die Lage in Osteuropa verschlechtert sich wieder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2011)

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24 Kommentare

haha der war gut

die pfeiffe hatte nicht recht.
billiges geld auf japanniveau zeigte keine wirkung.
japan ist in der rezession usw.

und jetzt negativ zinzen . bald auch für kleinere vermögen.wird leider zum alltag werden.
also dann viel spass noch


Gast: illbisler
14.10.2011 17:39
0

wer ist das

Krugman. Wer soll das sein?

eine völlig absurde, unausgewogene Risikostreuung der Banken

ähnlich wie übrigens die staatliche Pensionsvorsorge, für deren Aktien-Anteils-Vorgaben jeder "normale" Assetmanager eingesperrt würde, wenn er es freiwillig so machen würde und damit - absehbar- ständig underperformt und unfachmännisch Kundengeld verbrennt.
(mittlerweile kann aber nicht einmal mehr diese Brechstangen-Förderung unserer Börse helfen...und von der Performance dieser Altersvorsorge gar nicht zu reden...)

dazu sehe ich übrigens noch heute vor mir die vor Jahren geschlossen schönschreibenden schleimende "Wirtschafts-"Journalistenmeute (Treichl "Manager des Jahres", etc...), als sie es geschlossen noch toll und innovativ fanden, im Rahmen eines neuen extrem schnell erweiterten schwergewichtigen Geschäftsfeldes im Osten den Leuten mit eigenen volatilen weicheren Hochzins-Währungen massenhaft Fremdwährungskredite in Niedrigzins-Hartwährungen für jede Art des Konsums anzudrehen.

und wenn dann jemand dieses Risiko erkennt und frühzeitig die Dimensionen anspricht, wird ER noch kritisiert (er "redet es herbei", welcher schmarren bei der sachlage).
das kam aber eigentlich auch nicht gerade unerwartet, in diesem Land der nationalistischen Verdränger und geistig nibelungentreuen Nachläufer, egal worum es eigentlich jeweils inhaltlich geht

Löcher stopfen ohne Ende

Ich lobe mir die Erste Bank, die endlich zugibt, dass gewisse Ostblockwerte uneinbringlich sind.

In der Privatwirtschaft wird bei kleinsten Ratenverzögerungen der Kredit fälliggestellt und zur Not alles gepfändet. Übernational jedoch wird gleich noch mehr Geld zur Verfügung gestellt, damit der alte Kredit damit getilgt werden kann. Das sollte dem kleinen Häuslbauer einmal passieren!

Gast: Kasinokapitalismus = Beutekapitalismus
11.10.2011 14:54
0

Ignorieren des Länderrisikos plus Klumpenrisikos rächt sich bitter

Unsere mE von den Medien als Stars gehypten "Super"bank(st)er (insbes. Treichl, Stepic) sind im Wissen um die im Notfall obrigkeitshörige Gefügigkeit der in Wirtschaftsbelangen eher analphabetischen österr. Steuerzahler und Politiker (denen man beiden leicht im Notfall alles einreden kann) mit einer bei der begründet vorsichtigeren Konkurrenz nur Kopfschütteln hervorrufenden Aggressivität von Hassardeuren in die Märkte SüdOsteuropas zum Abzocken goldener Margen hineingefahren, allerdings unter Mißachtung des in diesen erratischen Märkten enorm hohen Länder- plus Klumpenrisikos. Von den Supergewinnen kassierten die Vorstandsdirektoren MillionenBoni, die nun drohenden Megaverluste werden den Steuerzahlern überwälzt. Cleverness nennen das die rasch reich gewordenen Bankster, fahrlässige Krida die nun wütende da endlich aufgewachte Bevölkerung. 300 Mrd. Euro an potentiell gefährdeten Krediten sind für ein kleines Land im Ernstfall existentiell gefährlich. Doch was kümmert das die das Volk insgeheim verachtenden Schnöselbanker im Palais. Braungebrannte Sunnyboys reden sich im Ernstfall immer heraus.

Die Expertise des amerikanischen Ökonomenstars Paul Krugman ist trotz alledem mit größter Vorsicht zu konsultieren, agiert er doch - da mittels Nobelpreis zum Publicitystar aufgebaut - im Dienste der Spekulationsgeschäfte gewisser Wall-Street-Milliardäre und ihrer strategischen Profitinteressen. An Krisen u. ihren Risikoaufschlägen verdienen die Wall-Street-Milliardäre besonders gut.

Antworten Gast: KrugmanFan
11.10.2011 17:13
1

Krugman im Dienste der Milliardäre?

Wohl kaum, wie seine gestrige Kolumne in der New York Times beweist:
http://www.nytimes.com/2011/10/10/opinion/panic-of-the-plutocrats.html?partner=rssnyt&emc=rss

Antworten Antworten Gast: Recherchieren statt glauben
11.10.2011 19:52
1

Re: Krugman im Dienste der Milliardäre?

Paul Krugman arbeitet für die "Group of 30", einer geostrategischen Rockefeller-Gründung, und das sollte Warnung genug sein:

http://www.group30.org/

http://www.group30.org/members.shtml
Paul Krugman

http://en.wikipedia.org/wiki/Geoffrey_Bell

http://en.wikipedia.org/wiki/Rockefeller_Foundation

Krugman fungiert als einer der „Rattenfänger“ der Wall-Street-Medien. Mit seinen snobistischen „linken“ Äußerungen stilisiert er sich zum Leithammel der Linken (EU) bzw. Demokraten (USA) im Sinne so mancher Wall-Street-Profiteure. Wäre er nicht von Nutzen für die „Group of 30“, wäre er schon lange deren Mitglied gewesen. Also bitte nicht zu naiv gläubig sein. Medien sind nicht die Bibel sondern dienen durch Agenda-Setting und Informationspolitik der Manipulation der öffentlichen Meinung.

Re: Re: Krugman im Dienste der Milliardäre?

Exzellentes Posting!
Nur bis unsere supercleveren Politiker die wahren Hintergründe begreifen, ist es schon viel zu spät.

Antworten Gast: gats
11.10.2011 17:01
0

Re: Ignorieren des Länderrisikos plus Klumpenrisikos rächt sich bitter

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Halten sie sich bitte daran.

Antworten Antworten Gast: Hayeks Weg zur Knechtschaft
11.10.2011 20:50
0

Re: Re: Ignorieren des Länderrisikos plus Klumpenrisikos rächt sich bitter

Die mMn hasardierenden Bankster hypen ihre Boni durch riskante Riesenvolumina und lassen sich als Stars feiern, geht es schief, werden die Kosten mit Hilfe der befreundeten bzw. unter Zugzwang gesetzten Politiker auf die Steuerzahler überwälzt und die durch Schuldknechtschaft versklavte Bevölkerung durch markante Wohlstandseinbußen über viele Jahre, ev. Jahrzehnte finanziell ausgeblutet, durch enormen Arbeitsdruck physisch ausgepowert und ihrer Lebenschancen beraubt. Und da soll man schweigen? Das würde den Bankstern so passen!

Schweigen bedeutet für Bankster Fortsetzung ihrer Goldgräberzeit auf Kosten der zum Schweigenden verdammten Bevölkerung.

Ihr zynisches Argument ist nur Beihilfe zur fortgesetzten weiteren Verarmung der in Schuldknechtschaft gezwungenen Bevölkerung und das ist ethisch und moralisch widerwärtig und manifestiert nur eiskalte Gier und Skrupellosigkeit.

Gast: netter gast
11.10.2011 14:31
2

Das Himmelreich ist eingestürzt

Der Westen hat Osteuropa gekauft ,
ohne die Osteuropäer zu fragen Osteuropa mit Bananen und Autos überflutet ,
die Osteuropäer nahmen den Segen des Kapitalismus an ,
der nun kein Segen sondern Verschuldung ist ,
etwa 200 milliarden bei österreichischen Banken ,
und die Osteuropäer haben nun keine Chance ,
diesen Segen/Schulden auch zurückzuzahlen.

Das Himmelreich ist eingestürzt ,
die Menschen sind versklavt

Gast: Kasinokapitalismus = Beutekapitalismus
11.10.2011 14:26
1

Ignorieren des Länderrisikos plus Klumpenrisikos rächt sich bitter

Unsere mE von den Medien als Stars gehypten "Super"bank(st)er (insbes. Treichl, Stepic) sind im Wissen um die im Notfall obrigkeitshörige Gefügigkeit der in Wirtschaftsbelangen eher analphabetischen österr. Steuerzahler und Politiker (denen man beiden leicht im Notfall alles einreden kann) mit einer bei der begründet vorsichtigeren Konkurrenz nur Kopfschütteln hervorrufenden Aggressivität von Hassardeuren in die Märkte SüdOsteuropas zum Abzocken goldener Margen hineingefahren, allerdings unter Mißachtung des in diesen erratischen Märkten enorm hohen Länder- plus Klumpenrisikos. Von den Supergewinnen kassierten die Vorstandsdirektoren MillionenBoni, die nun drohenden Megaverluste werden den Steuerzahlern überwälzt. Cleverness nennen das die rasch reich gewordenen Bankster, fahrlässige Krida die nun wütende da endlich aufgewachte Bevölkerung. 300 Mrd. Euro an potentiell gefährdeten Krediten sind für ein kleines Land im Ernstfall existentiell gefährlich. Doch was kümmert das die das Volk insgeheim verachtenden Schnöselbanker im Palais. Braungebrannte Sunnyboys reden sich im Ernstfall immer heraus.

Die Expertise des amerikanischen Ökonomenstars Paul Krugman ist trotz alledem mit größter Vorsicht zu konsultieren, agiert er doch - da mittels Nobelpreis zum Publicitystar aufgebaut - im Dienste der Spekulationsgeschäfte gewisser Wall-Street-Milliardäre und ihrer strategischen Profitinteressen. An Krisen u. ihren Risikoaufschlägen verdienen die Wall-Street-Milliardäre besonders gut.

Gast: Don Camillo
11.10.2011 11:48
0

Die Politiker hetzten ja

gegen Spekulanten und Banker.

Das deswegen, weil die Spekulanten die Politikfehler erkennen und daraus Kapital schlagen und die Banken diese Politik nicht mehr finanzieren können und wollen.


Die Politik hat nichts gelernt

Investmantbanking ist wie ein Durchlauferhitzer - weg damit.

Was soll das

Man hat mit Benzin ein Feuer gelöscht - nur schwelt es weiter und alles ist mit Benzin vollgesogen. Krugmann ist ein Irrlicht, der zwar brillant argumentiert - aber in die falsche Richtung läuft. Sein Credo lautet nichts anderes als: werft5 die Gelddruckereien an, und wir sind aus dem Schneider.

Staaten haben in der Währungspolitik (das Wort allein reicht) nichts verloren. Schafft endlich die Feds dieser Welt ab und lasst uns alle privates Geld schaffen.

"...und lasst uns alle privates Geld schaffen. "

Genau! Jedem Haushalt seine eigene Gelddruckmaschine!

Gast: Reflector
11.10.2011 04:03
3

Und es scheint, dass der Bummerang gerade wieder zurück kommt ...


Krugmann war nur einer von vielen, die warnten.

2009 wurde man halb in der Luft zerissen, wenn man die Gefahr ähnlich sah.

Aber es wurde inzwischen eigentlich nichts besser, ganz im Gegenteil, also ist zu erwarten, dass dieser 300 Mrd. Bummerang wieder zurückkommt.

Es wird spannend werden, wenn die Verantwortlichen den Anlegern erklären müssen, dass die Anlage eigentlich schon seit geraumer Zeit weg ist und nur mehr mit Bilanztricks und anderen 'Beruhigungspaketen' als Illusion aufrecht erhalten wurde.

Shocktober?

Der "...Bummerang..."

macht nicht "Bumm": Deshalb heißt er Bumerang!

Antworten Antworten Gast: auch ein gast
11.10.2011 14:42
0

Re: Der "...Bummerang..."

Das was da kommt ist ein Bummerang

... der bleibt uns eine Zeit lang erhalten

Antworten Antworten Gast: Reflector
11.10.2011 14:35
0

Re: Der "...Bummerang..."

Schön, dass jemand auf Wortkreationen achtet, danke!

Denn dieser wird gewaltig 'Bumm' machen, wenn er die Pummerin unser Symbol für Friede und Freiheit trifft - deswegen 'mm'

Gast: Kuya
10.10.2011 20:36
2

ein Verbrechen, dass die Banken ein Land verspekulieren dürfen!

. . . kriminell, dass sich die Politiker nicht wissen, was zu machen!
http://www.banken-volksbegehren.at

Gast: Pensador
10.10.2011 19:28
11

Uralte Erkenntnisse missachtet

Nicht nur Paul Krugman, auch Nobelpreisträger Milton Friedman hatte recht, nämlich bereits bei Einführung des € mit seiner Warnung. Aber eigentlich sagte er nur das, was jeder Volkswirt schon vor 60 Jahren wusste:
Eine Währungsunion ist nur möglich, wenn eine gemeinsame Budgetpolitik betrieben wird und ist daher nicht ein Mascherl für die Wirtschaftsunion, sondern deren Abschluss und Krönung, wenn diese Union Jahrzehnte erfolgreich funktioniert hat.
Nicht einmal die Benelux, eine schon vor der EWG unmittelbar nach dem Krieg gegründete
Wirtschaftsunion, hatte es bis zu einer gemeinsamen Währung gebracht, da dieses Vorhaben eben an der gemeinsamen Budgetpolitik scheiterte.
Aber immer schon wollten Politiker gscheiter sein als Fachleute. Auch der vielgerühmte Kreisky. Der wollte auch mit seiner Schuldenpolitik den Professor Hayek "belehren". Mit dem selben Ergebnis, nämlich dass in seiner verklärten Ära die Inflation explodierte.

Das bedeutet doch mit anderen Worten

schlicht und ergreifend nichts anderes, alls das Österreichs AAA nur mehr vom Willen/Können Osteuropas zur Schuldenrückzahlung abhängt.

Und gleichzeitig schmeißt die österr. Regierung mit Milliarden nur so um sich, wie wenn morgen das Geld abgeschafft werden würde. Was aber u.U. mit tatkräftiger Hilfe der polit. "Führungselite" der EU, tatsächlich der Fall sein kann. Weiß diese Regierung etwas, was wir noch nicht wissen?

Gast: Bärenfalle...
10.10.2011 19:03
12

Köstlich ;)

Ach was wurden Krugman und die die ihm zustimmten in den Kommentaren zerrissen.

Ja .. die "Ostphantasien" von Politik und Banken werden uns "Profiteuren der EU-Erweiterung" noch schön auf den Kopf fallen.

Wobei ich mich nach dem 3 geklautem Autoradio frage ob ich wirklich zu den Profiteuren der Erweiterung gehöre wie dauernd versucht wird mir einzureden.

Gut, seitdem unsere ungarische Schwesterfirma ganz legal in Österreich arbeiten darf wurden nach den meisten Leuten in der Produktion auch die meisten Leute der Montage gekübelt .. aber die haben jetzt sicher alle Posten wo sie viel besser verdienen. Ganz sicher.


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