Krise: Paul Krugman hatte doch recht

Wie die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds einen Rettungsschirm aufspannten und damit indirekt auch Österreich vor einer drohenden Staatspleite retteten. Aber: Problem ist noch nicht beseitigt.

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(c) EPA (CHRISTOPHER BARTH)

Wien/Ju. Im Frühjahr 2009 war an den Finanzmärkten die Hölle los – und Österreich im Auge des Taifuns: Die Risikoaufschläge für österreichische Staatsanleihen sprangen in die Höhe und erreichten das Niveau jener für griechische Staatspapiere (siehe Grafik). Nur für irische Anleihen wurden damals noch höhere Aufschläge verlangt. Der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman verkündete, Österreich sei nach Island und Irland das am drittmeisten von einer Staatspleite bedrohte Land – und bezog dafür heftige verbale Prügel in der österreichischen Öffentlichkeit.

Heute weiß man: Zu Unrecht. Krugman hatte nur Fakten wiedergegeben. Österreich war wegen des hohen „Exposures“ österreichischer Banken in Osteuropa extrem pleitebedroht – und wurde, wenn auch indirekt, durch einen von der EU und dem IWF aufgespannten Rettungsschirm für die osteuropäischen Länder gerettet. Der war gigantisch: Die EU erhöhte ihre „Beistandsfazilität“ von 25 auf 50 Mrd. Euro und stattete den IWF mit zusätzlich 75 Mrd. Euro aus. Japan und die USA steuerten je 75 Mrd. Euro bei, sodass die IWF-Mittel von 250 auf 750 Mrd. Euro aufgestockt und zusätzlich Sonderziehungsrechte um 250 Mrd. Euro bereitgestellt werden konnten.

Damit konnte Osteuropa zumindest vorübergehend stabilisiert werden. Das war für Österreich auch notwendig, denn die heimischen Banken haben in der Region Kredite über rund 300 Mrd. Euro (also annähernd die österreichische Wirtschaftsleistung) „draußen“. Ein auch nur teilweiser Ausfall dieser Riesensumme hätte die heimischen Großbanken – und damit auch den Staat – in den Strudel gerissen. Allerdings: Das Problem ist noch nicht beseitigt. Und die Lage in Osteuropa verschlechtert sich wieder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2011)

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