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Hypotheken: Sorge um Blase in Nordeuropa

07.02.2012 | 20:06 |   (Die Presse)

Niederländer, Dänen, Iren und Schweden sitzen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung auf mehr Hypotheken als US-Amerikaner. Es hat sich eine Blase gebildet.

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Wien/Stef. Mit Schaudern denkt die Wirtschaftswelt an das Jahr 2008 zurück, als eine gewaltige „Blase" am US-Immobilienmarkt platzte und die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession führte. Nun, knapp vier Jahre später, blicken viele Beobachter der Häusermärkte mit Sorge nach Europa. In vielen Ländern hat die Bevölkerung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nämlich deutlich mehr Hypotheken aufgenommen als in den USA.

So sitzen die Niederlande ebenso wie Dänemark laut Zahlen der „European Mortgage Federation" auf einem Hypothekenberg von mehr als 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die beiden Länder haben relativ zum BIP die höchsten Hypothekarschulden der Welt. Doch auch in Norwegen, Schweden, Großbritannien, Luxemburg oder Irland hat die Bevölkerung gigantische Schuldenberge aufgetürmt, um Häuser und Wohnungen bauen oder kaufen zu können. Norwegen beispielsweise bringt es auf Hypothekarschulden von mehr als 45.000 Euro pro Einwohner (siehe Grafik).

Länderspezifische Unterschiede

Ob die hohe Hypothekarverschuldung tatsächlich zu einem ernsten Problem für die Volkswirtschaft eines Landes wird, hängt von mehreren Faktoren ab. In den USA waren die Häuserpreise vor 2008 jahrelang in den zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Es hatte sich eine gewaltige Blase gebildet. Als sie platzte und die Preise einbrachen, deckte der Wert vieler Häuser die fälligen Kredite nicht mehr ab - der Eigentümer war plötzlich „unter Wasser", wie es im Fachjargon heißt, eventuelle Mieteinnahmen reichen zur Kredittilgung nicht aus, der Verlust des Hauses drohte.
„Nicht überall in Europa ist die Lage so dramatisch wie damals in den USA", versucht Wolfgang Amann vom Wiener Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen zu beruhigen. Der Experte hat am Report der „European Mortgage Federation" mitgearbeitet und warnt davor, alle Länder über einen Kamm zu scheren.
So seien die Häusermärkte in Dänemark oder Schweden trotz der hohen Verschuldung relativ stabil, meint Amann. Gleiches gelte für die Schweiz. Die Eidgenossen sind in dem angesprochenen Report nicht erfasst, doch beliefen sich die Hypothekarschulden ebenfalls auf 100 Prozent des BIPs.
In diesen Ländern stünden oftmals zahlungskräftige institutionelle Investoren hinter dem Wachstum. Selbst wenn die Häuserpreise einbrechen würden, drohten keine weitreichenden Zahlungsausfälle, bloß Gewinnrückgänge für die Investoren. „Das größte Problem sind zumeist Private, die sich übernommen haben", erklärt Amann.

Gefahr in Holland und Norwegen

Bedrohlicher sieht die Lage in Norwegen und den Niederlanden aus. „Norwegen hat große Probleme mit der Preisentwicklung am Wohnungsmarkt", erklärt Amann. Die Preise haben sich von 1995 bis 2007 verdreifacht. Seit 2007 blieben sie stabil, geplatzt ist die „Blase" aber keineswegs. Die Frage wird sein, ob es zu einem „soft landing" - überschaubaren Preisrückgängen über einen längeren Zeitraum - oder einer harten Landung kommt. Im zweiten Fall droht Eigentümern die Zahlungsunfähigkeit, als Folge käme der Bankensektor in Schwierigkeiten.
Gleiches gilt für die Niederlande, wo sich die Regierung Steuervorteile für Häuslbauer jedes Jahr ein Prozent der Wirtschaftsleistung kosten lässt (Österreich bringt es auf 0,9 Prozent, dieser Betrag inkludiert aber die Wohnbauförderung der Länder). Um die „Blase" am Häusermarkt einzudämmen, denkt die holländische Politik nun über eine Reduktion der Steuervorteile nach. Das würde die Staatsschuld eindämmen - aber gleichzeitig viele Hypothekarschuldner in Schwierigkeiten bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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9 Kommentare
Gast: dernachbar
08.02.2012 09:19
1 1

Hypothekenkrise in Nordeuropa

Die Ursache ist immer wieder der Überschuss an nicht verwendetem und verwendbarem Reichtum:

Des Einen Schulden sind des Anderen Guthaben.
Und diese Guthaben werde natürlich angedient.
Wer sagt da schon gerne nein, wenn er ein attraktives Kreditangebot bekommt ?

Gast: Messalina-X
08.02.2012 08:59
1 1

sieht so aus, als müsse ALLES partout den Bach runter

ORDO AB CHAO

Versklavung der Gesellschaften um jeden Preis

engel
08.02.2012 07:02
2 0

Äpfel mit Birnen vergleichen

Die Immobilienpreise in den USA sind nach wie vor im Phantasiebereich angesiedelt. Die Hausqualität ist mies verglichen mit europäischen Häusern. Die Amerikaner kennen mehrheitlich weder Massivbau, noch Unterkellerung, noch Wärme- und Schalldämmung, von richtig modernen Fenstern, Rollläden oder Badezimmerausstattung ganz zu schweigen. Über die verlangten und erstaunlicherweise bezahlten Preise kann ein Europäer nur den Kopf schütteln. Die Blase gibt es in den USA noch, aber die hängt mit der demografischen Entwicklung zusammen.

Antworten Walter2
08.02.2012 11:26
0 0

Re: Äpfel mit Birnen vergleichen

Das Problem der Häuserqualität (vor allem der kleinen Einfamilienhäuder) ist u.a. auch der Mobilität der US-Bürger geschuldet. Daher werden Einfamilienhäuser dort nicht viel anders betrachtet, als von einem Europäer sein Auto. Man wohnt eine Zeit dort, und zieht weiter zum nächsten Job.

Diese Mobilität ist in Europa nicht gegeben, also auch kein solcher Häuser Kauf- und Verkaufsmarkt. Was vor allem das Preisniveau im Fall eines (Not-) Verkaufes drückt.

doubleg
07.02.2012 22:55
1 0

alles ist relativ

Man sollte ein paar Dinge nicht vergessen: Amerikanische Häuser sind wertlose Buden, zusammengezimmert und geflickt. Die waren nicht mal ein Zehntel der Hypotheken wert. Das ist nicht vergleichbar mit Europa.
Immobilien sind über viele Jahre nutzbar und daher sind hypothekarisch besicherte Schulden in Bezug auf die Nutzungsdauer des Gebäudes zu setzen. Dass in diesem Markt viel Luft ist glaube ich sofort, aber eine reine Blase ist das in Nordeuropa nicht. Ganz anders in Spanien, da wurden Häuser irgendwo in die Pampa gebaut.

Antworten Gast: Dernha
08.02.2012 09:07
0 0

Wer gute amerikanische Häuser kennt

weiss, dass das reiner Blödsinn ist. US-Häuser sind deutlich besser als alles, was in Österreich bis in die 70er von Häuslbauern errichtet wurde.

Antworten Antworten lurch
08.02.2012 11:11
0 0

Re: Wer gute amerikanische Häuser kennt

Sie haben offensichtlich noch auf keine Wand geklopft von einem US-Einfamilienhaus?

Da merkt man nämlich dann, daß man eigentlich nur in einer größeren Schachtel wohnt! Da genügt schon ein Wasserschaden und der Modergestank ist kaum mehr rauszubekommen!

Antworten Antworten Gast: heavy weather
08.02.2012 10:30
1 0

Re: Wer gute amerikanische Häuser kennt

Natürlich werden auch in den States hochwertig Häuser errichtet, aber 95% sind nach wie vor Holzriegelbauten allerniedrigster Güte. Leider.
Nichtsdestotrotz: Immobilienpreise sind unabhängig vom realen Wert ohnehin Fiktion und marktgetrieben.

0 0

Re: alles ist relativ

naja alles relativ, wenn man nur den Sachwert. zw. den gebäudewert betrachtet. Grund und Boden sind eben nicht beliebig vermehrbar. Wert ist immer das, was einer bereit ist zu bezahlen