EU: Brüssel prüft Quote für Frauen

04.03.2012 | 18:30 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die Kommission will auf die gefloppte Selbstverpflichtung der Firmen reagieren. Eine EU-weite Gesetzespflicht, eine bestimmte Anzahl der Aufsichtsratssitze für Frauen zu reservieren, wird immer wahrscheinlicher.

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Brüssel. Eine EU-weite Gesetzespflicht für Unternehmen, eine bestimmte Anzahl ihrer Aufsichtsratssitze für Frauen zu reservieren, wird immer wahrscheinlicher. Am Montag eröffnet die Europäische Kommission eine europaweite öffentliche Konsultation zur Frage, wie die der Anteil von Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungsfunktionen erhöht werden soll. Das ist stets der erste Schritt, wenn die Kommission mit dem Gedanken spielt, von ihrem Recht zur Gesetzesvorlage Gebrauch zu machen. Und das zieht sie nun ernsthaft in Erwägung, wie Viviane Reding, Vizepräsidentin der Brüsseler Behörde, im Gespräch mit der „Presse“ klarmacht: „Wir werden fragen: Welche Maßnahmen brauchen wir – reine Empfehlungen, oder müssen wir regulieren?“

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Stärkster Anstieg seit Jahren

Reding hat vor einem Jahr versucht, Europas Unternehmen zur freiwilligen Selbstverpflichtung zu animieren, mehr Frauen in ihre Aufsichtsräte zu bringen. Doch das mit viel Brimborium verkündete Memorandum „Frauen in den Chefetagen – Selbstverpflichtung für Europa“ war ein Rohrkrepierer. Gerade einmal 24 europäische Firmen haben die Selbstverpflichtung unterzeichnet, bis zum Jahr 2015 den Frauenanteil in Aufsichtsräten beziehungsweise Vorständen auf 30Prozent zu erhöhen und bis 2020 auf 40Prozent.

Zwar gab es im Zeitraum zwischen Oktober 2010 und Jänner 2012 die seit Jahren stärkste Zunahme an Frauen in unternehmerischen Führungspositionen. Von 11,8 stieg der weibliche Anteil der Aufsichtsräte auf 13,7 Prozent.

Doch dieser Anstieg war in erster Linie auf die Einführung gesetzlicher Frauenquoten in einigen europäischen Staaten zurückzuführen. Rund die Hälfte des Anstiegs des Frauenanteils ging auf Frankreich zurück. Dort wurde am 27.Jänner 2011 ein Gesetz verabschiedet, das vorschreibt, dass beide Geschlechter bis zum Jahr 2014 mit mindestens 20Prozent und bis zum Jahr 2017 mit mindestens 40 Prozent in Vorstand und Aufsichtsrat vertreten sein müssen. Diese Frauenquote gilt für alle Kapitalgesellschaften, die im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2010 mindestens 500 Mitarbeiter gehabt und mindestens 50Millionen Euro Jahresumsatz erzielt haben. Rund 2000 Firmen fallen unter diese Kriterien.

 

Frankreichs Gesetz als Vorbild

Die Folge: Binnen Jahresfrist stieg der Frauenanteil in Frankreichs Chefetagen von 12,3 auf 22,3Prozent. Das ist das erste Argument, das in Redings Augen für ein Gesetz spricht: „Ich bin keine große Anhängerin von Quoten – aber ich sehe, was sie bringen. In Frankreich ist die Quote noch nicht gesetzlich in Kraft getreten, aber die Unternehmen haben gesagt: Wir nehmen uns schon jetzt die besten Talente.“

Das zweite politische Argument, das die Kommission sehr konkret mit dem Gedanken an eine Frauenquote spielen lässt, liegt in der breiten Mehrheit der Europäer, die das befürworten. Vorsorglich hat die Kommission eine Eurobarometer-Umfrage zum Thema erstellen lassen, in der 75 Prozent der Befragten „total dafür“ sind, dass bei gleicher Befähigung Frauen Männern bei der Besetzung von Aufsichtsräten vorgezogen werden sollen. 17Prozent lehnen das entschieden ab, acht Prozent sind unentschlossen.

Das dritte Argument für eine europaweite gesetzliche Quotenregelung ist nach Redings Ansicht die wachsende Gefahr für den gemeinsamen Binnenmarkt, den die steigende Zahl nationaler Regelungen mit sich bringt.

In Spanien zum Beispiel wird die Missachtung einer bis zum Jahr 2015 zu erreichenden 40-Prozent-Quote zwar nicht direkt bestraft. Allerdings kann der Frauenanteil laut einem Gesetz aus dem Jahr 2007 bei der Vergabe öffentlicher Aufträge eine Rolle spielen. Einem nichtspanischen Unternehmen, dem in seiner Heimat keine Frauenquote vorgeschrieben ist, könnten also beim Mitbieten um einen EU-weit ausgeschriebenen Auftrag Nachteile entstehen, die das Funktionieren des Binnenmarktes beeinträchtigen, gab Reding zu bedenken.

 

„Kein Erfolg in Österreich“

In Österreich, wo es bekanntlich keine gesetzliche Frauenquote gibt, ist der Frauenanteil im untersuchten Zeitraum von 8,7 auf 11,2 Prozent gestiegen. Relativ gesehen ein Fortschritt, im europäischen Vergleich aber hinken die heimischen Unternehmen hinterher. „Österreich ist nicht unter den Erfolgserlebnissen“, sagte Reding.

Auf einen Blick

Gesetzliche Frauenquoten für Aufsichtsräte gibt es in Europa derzeit in Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Dänemark, Finnland und Griechenland. Bisweilen betreffen sie alle Kapitalgesellschaften, bisweilen nur Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist. In Slowenien und Österreich werden zumindest für Unternehmen mit staatlicher Beteiligung über Verwaltungsvorschriften Quoten normiert.

Die EU-Kommission startet am Montag eine öffentliche Befragung, die bis Ende Mai läuft und auf die ein EU-weiter Gesetzesvorschlag folgen könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2012)

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34 Kommentare
 
12
Gast: freund?
05.03.2012 12:48
8

wer immer auch nur durch 'quote' in eine



position kommt, ist die falsche besetzung.

außerdem ist der ganze genderquatsch gleichheitswidrig, und somit menschenrechts-und verfassungswidrig.

Gast: gast1984
05.03.2012 12:02
4

Eine Statistik hat ergeben das 99% aller Quotenfrauen gegen die EU sind!

Weil sie es im Berufsleben viel schwerer haben!

Anforderungsprofil

Und was ist mit der Bekämpfung der Korruption? Haben die in Brüssel keine anderen Sorgen?
Also in alle Stellenausschreibungen dann auch die sekundären Geschlechtsmerkmale aufnehmen.
Wenn Frauen etwas anders oder besser können, dann soll diese Fähigkeit ein Kriterium sein.

Der EU-Quoten-Wahnsinn....


...... diese EU mit ihrem Regulierungswahn der Bürger nervt zusehens.

Nur eines wollen die unterwanderten EU-Bürokraten nicht regulieren: DIE BANKEN!!!!!

Gast: Access denied!
05.03.2012 10:45
9

Viviane Reding...

...das beste Argument gegen ihren eigenen Vorschlag!!!

Gast: freund?
05.03.2012 10:22
6

quote ist wie ÄÄUU-




MIST .

in wichtige positionen gehören die besten .

Aber über Russland schimpfen

Wenn ich das lese, frage ich mich, was ich davon halten soll:

Das zweite politische Argument, das die Kommission sehr konkret mit dem Gedanken an eine Frauenquote spielen lässt, liegt in der breiten Mehrheit der Europäer, die das befürworten.
Vorsorglich hat die Kommission eine Eurobarometer-Umfrage zum Thema erstellen lassen, in der 75 Prozent der Befragten „total dafür“ sind, dass bei gleicher Befähigung Frauen Männern bei der Besetzung von Aufsichtsräten vorgezogen werden sollen. 17Prozent lehnen das entschieden ab, acht Prozent sind unentschlossen.

Umfragen-wenn auch selbst erstelllt-...


.....ersetzten in der EU die direkte Demokratie.


Diese verdammten Frauenquoten

Jetzt fängt auch die EU noch mit diesem Frauenquotenunwesen an. Die Umfragen, die hier präsentiert werden, sagen sicher nicht aus, dass die Mehrheit der Bevölkerung Quoten befürwortet, sondern nur, dass bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugt werden sollen. Ich kenne jedenfalls niemanden, der für Frauenquoten ist - auch nicht unter den Frauen. Diese ständigen staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft haben etwas von Kommandowirtschaft und Sozialismus. Dass mittlerweile auch bürgerliche Politikerinnen auf diesen Zug aufspringen ist mehr als bedauerlich und zeigt die Versozialdemokratisierung aller Parteien. Qualifikation zählt gar nichts - alle sind gleich.

das ganze feminöse gelaber hat nur die eine effizienz,

produktionschwerpunkte in richtung verwaltungsschwerpunkte zu verschieben, damit den standort eu zu verteuern, und somit aus lauter 'optischer schönheit' auf dem weltmarkt noch weniger konkurrenzfähig zu werden.
dafür haben wir letztendlich einen links durchdefinierten noch teureren sozialstaat mit wunderbar ausgebildeten akademikerinnen (die keiner braucht und die sich aber auch nicht ins ausland vermitteln oder verkaufen lassen)

Und das ist erst der Anfang

Wie wäre es denn mit Quoten für Linkshänder? Waren ja über Jahrtausende benachteiligt, unterdrückt und diskriminiert. Außerdem müßte man auch einmal die WoW-Spieler gesetzlich berücksichtigen, die machen mittlerweile einen statistisch signifikanten Anteil an der Bevölkerung aus, eine Quote würde bedeuten, dass die Politik diese Tatsache einmal zur Kenntnis nimmt...
Um eine Quote muß man sich allerdings keine Sorge machen: um die Quote für nicht resozialisierbare Zivilversager - die beträgt in Brüssel 100%.

das kommunistische System

in Brüssel mit Barroso und Schulz wir uns bald noch vorschreiben wann wir auf die Toilette gehen dürfen...

Antworten Gast: Vogel Strauss
05.03.2012 11:45
5

Re: das kommunistische System

Vorerst legen sie die Krümmung der Klobrille fest ... unzählige Experten werden zu Hearings geladen, Klobrillen-Lobbyisten sind schon in Brüssel eingefallen (wie die Fliegen auf dem Haufen Sch...), damit die Kommission dann die genaue Krümmung der Klobrille festlegen kann. Danach müssen alle alten Klobrillen ausgetauscht werden! Unser Hei-Fi freut sich schon!

Re: das kommunistische System

Erst in der zweiten Stufe. Die erste besagt, dass Klopapier beidseitig zu benutzen ist - der Vorteil liegt auf der Hand...

Gast: 1. Parteiloser
05.03.2012 08:41
12

Eingriff in die Eigentumsrechte?

Eingriff in die freie Wirtschaft?

Eingriff in die Verfügungsgewalt des Eigentums?

Das ist Planwirtschaft!

Das ist Menschenrechtswidrig!

Das ist Kommunismus!

Die Menschen sollten aber zu Ende des 20. Jahrhunderts gelernt haben, dass Planwirtschaft immer eine Mangelwirtschaft ist. Die EU und deren Mitgliedsländer sollten auch erkannt haben, dass es auch in der EU die Planwirtschaft war, welche heute die gewaltigen Auswirkungen einer Mangelwirtschaft (Schuldenkrise, Armutsberichte, fallende Realeinkommen) geführt hat.

Diese Totalversager haben ja auch vor vielen Jahren eine Einigung erzielt, dass Europa zur größten Wirtschaftsmacht aufsteigen soll und Wohlstand für alle Europäer bringen soll. Dafür wurden auch umfangreiche Papiere geschaffen, wo sich die Totalversager das selber bestätigt haben. Nur, gekommen ist nichts außer einem realen Abschwung und die fehlenden Finanzierungen der Mangelwirtschaft.

Die Kommunisten der EU können aber freie Menschen genauso wenig akzeptieren und respektieren wie diese auch das eigene Totalversagen nicht erkennen können.

Bemerkung: In meiner AG sind alle Aufsichtsräte weiblich, der Vorstand komplett männlich besetzt. Es ist aber in der Eigentümerverantwortung (für das Unternehmen) und hat nicht, gar nichts, mit Quoten zu tun.

Die Kommunisten der EU sind aber in der Ideologie so gefangen, dass die die Menschenrechte nicht einmal ansatzweise in die Überlegungen einbeziehen.

Wehrpflicht bzw. Zivildienst

für Frauen,

gleiches Pension-Antrittsalter

und gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

und das Problem ist gelöst.

Quotenregelung für Frauen in diversen Parteien halte ich für Schwachsinn,

denn auch in der Politik

zählt Leistung

und nicht Doppel-X-Chromosomen oder doch?

Gast: Vogel Strauss
05.03.2012 08:14
15

Fr. Reding ist auch nur eine Quotenfrau!!

Als studierte Anthropologin und Journalistin arbeitet sie nun im Ressort 'Justiz u. Grundrechte' ... eine steile Karriere, die sicher nicht auf ihrer Ausbildung und Berufserfahrung basiert!
Bin gespannt, ob das jetzt durch die Zensi geht ...

Von schwanzbeißenden Katzen

Großartig, wenn jede Frau, die beruflich aufsteigt, sich zukünftig doppeltem Legitimationsdruck ausgesetzt sieht, ihre Position nicht der Quote, sondern ihrer "Leistung" zu verdanken. Das macht den Führungsstil ungeheuer entspannt.

Gast: DerPatriot
05.03.2012 06:53
12

ja genau

ja, ich bin dafür!
sollen sie doch eine mehrheit im eu parlament, präsidenten und kanzlern usw nur noch frauen einsetzen............dann ist zumindest das trauerspiel mit der eu recht schnell vorbei.

ich könnte mir die super hoch intellektuelle fräulein rudas zb ganz toll als bundespräsidentin für österreich vorstellen!
DAS wär doch super und bestimmt ein schritt in die richtige richtung!

*ironie off*

offensichtlich wollen diese spinner wohl die totale anarchy erzwingen.

Gleichstellung auch bei Harz 4?

Müsste da nicht auch geprüft werden?

Gast: mens sana
04.03.2012 23:54
11

In Zeiten der Wirtschaftskrise löst die Frauenquote alle Proleme

Das interessiert 0,002367 Prozent aller Frauen. Die anderen werden auch mit Quote nie Aufsichtsrat.


Als ich den Titel las ...

dachte ich sofort an Frau Viviane Reding. Eine unmögliche Frau, die man aus den Niederungen luxembourgischer Parteipolitik, in die EU-Kommission weggelobt hat. Wo sie sich jetzt in Szene setzt.

Ein paar interessante Infos über die Dame:
http://derstandard.at/plink/1318461332802?sap=2&_pid=24515165#pid24515165

wenn unternehmen

irgendeinen vorteil sehen werden sie auch frauen befördern.

vielleicht liegts aber an den frauen selbst. welche "quote" gibts denn bei den studien oder htls?
jede uni siehts gerne (weils ja so schön mainstream ist) wenn auch die damenschaft studiert.

der weibliche charm alleine bringt halt nichts, wenn die ausbildung nicht passt.

Antworten Gast: grössoq
05.03.2012 08:10
5

Re: wenn unternehmen

Der Trugschluß beginnt schon dramateisch dort zu werde, wo man meint, Eignung für eine Position wäre an der Ausbildung zu erkennen. Das ist zwar AUCH ein Kriterium, aber nicht DAS Kriterium. Schauen Sie sich doch die Massen am Magistern an, die die Unis verlassen. Und panisch von Ausbildung zu Ausbildung hetzen, gerade Frauen. Denen eingeredet wurde, daß alles an der Ausbildung liegt; dann hätten sie sogar ein RECHT auf hohe Positionen.

Der Staat (und die EU als Superstaat) hat prinzipiell nicht die geringste Legitimation, sich in die zahllosen Organismen einzumischen, die das eigentliche Leben ausmachen. Die Neurotisierung der Führungskräftewahl hat noch dazu die fatale Folge, daß der Blick weg von "geeignet" - das ein ganz eigenes Ding ist - auf Funktion fällt. Das Leben, die Wirtschaft, sind nicht Funktion! Die erfüllen sie, wenn sie als Organismen, die ihre Agenden selbst regeln können, lebendig bleiben.

Re: Re: wenn unternehmen

jetzt bin ich aber doch froh, dass sie trotz der kritik, nicht behaupten (so wie diese kanpfemanzen) es reiche schon eine frau zu sein, um im berufsleben karriere zu machen.

aber ihre kritik bezieht sich auf etwas, was bei männern genauso wie bei frauen stattfindet: NICHT alle kommen nach ganz oben oder "werden was".....und in österreich nutzt nicht einmal qualifikation, da ist vitamin b und partei tausend mal wichtiger

Hat Frau Reding den Frauen schon klar gemacht, dass sie das auch wollen müssen?


 
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