"Nabucco bleibt weiterhin eine Option"

28.05.2012 | 18:34 |  EDUARD STEINER (BAKU) (Die Presse)

Der Ölkonzern BP hat die Langversion der Nabucco-Gaspipeline in der vergangenen Woche etwas zu früh für tot erklärt, sagt Elshad Nassirov, der Vizechef der staatlichen aserbaidschanischen Gasgesellschaft Socar.

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Vorige Woche sagte ein BP-Manager, mit dem Sie das Gasfeld „Schah-Deniz2“ erschließen, dass die ursprüngliche Version der Pipeline Nabucco von der georgisch-türkischen Grenze bis Österreich tot sei. Ist dem so?

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Elshad Nassirov: Wir haben BP mitgeteilt, dass wir mit der Aussage nicht einverstanden sind. BP hat sich entschuldigt und die Aussage als Privatmeinung qualifiziert. BP entscheidet nicht allein über die Pipeline. Gut, BP hat seine Interessen, und nur für Gas aus Schah-Deniz wäre die klassische Nabucco zu groß. Aber wir haben ja auch noch andere Gaslagerstätten.

 

Es erweckt den Eindruck, dass es im Schah-Deniz-Konsortium kracht.

Sieben Partner zu einem Konsens zu bringen ist nicht einfach, schließlich geht es um 45 Mrd. Dollar Investitionen in Förderung und Transport. Für uns bleibt Nabucco weiterhin eine Option, denn die für das Teilstück durch die Türkei als Alternative vorgeschlagene Transanatolische Pipeline (Tanap) ist bisher nur ein Konzept.

 

Eines mit immerhin 16 Mrd. Kubikmeter Kapazität.

Und eines, das auf dem Gebiet der Türkei die vorteilhafteste Variante für die Schah-Deniz-Produzenten ist. Aber die Vereinbarung mit der Türkei steht noch aus. Wir hoffen, dass sie bis Ende Juni steht. Tanap, an der ja auch die OMV oder die RWE teilnehmen könnten, wäre kleiner und billiger als Nabucco, könnte aber dann erweitert werden, um Gas auch aus anderen Lagerstätten aufzunehmen.

 

Sie denken an aserbaidschanische Lagerstätten. Die EU aber hatte mit Nabucco vor, Gas auch aus anderen Ländern nach Europa zu transportieren.

Wenn die EU Zusagen für Gas aus Turkmenistan erhält, ist Nabucco noch möglich. Wir selbst müssen bis Ende Juni entscheiden. Es gibt keine Idealvariante. Das Nabucco-Konsortium bestand immer unflexibel auf 31 Mrd. Kubikmeter Leitungskapazität, statt anfänglich zur Wahrung niedriger Leitungstarife mit weniger zu beginnen.

 

Die EU verhandelt mit Turkmenistan. Kann es eine Einigung bis zum Jahresende geben?

Natürlich. Und wenn Turkmenistan eine Zuleiterpipeline durch das Kaspische Meer bauen will, sind wir einverstanden. Andere Länder wie Russland haben hier nichts mitzureden. Die fantastischste Idee war übrigens die Nabucco-XL von Österreich bis Turkmenistan. Mit ihr wären viele Fragen gelöst gewesen. Aber die EU hat die 20 Mrd. Dollar dafür nicht aufgebracht.

Also die EU hätte mutiger sein sollen?

In der EU fehlt ein Mechanismus zur Fassung finanzieller Beschlüsse. Und es fehlt das Verständnis, dass Energiesicherheit gleich wichtig wie militärische Sicherheit ist.

Gesetzt den Fall, Tanap macht in der Türkei das Rennen, dann müssen Sie aber im Juni noch entscheiden, ob ab der Westgrenze der Türkei eine kurze Nabucco West oder die von BP forcierte Pipeline SEEP nach Österreich führt. Wie groß ist die Chance für Nabucco West?

Groß, 50:50.

Also nicht sehr groß.

Es geht hier nicht um Mathematik. Kriterien sind: die Kosten der Gasverträge, die Möglichkeit der Vergrößerung der Pipeline, die finanzielle Stabilität.

 

Und Aserbaidschan hat dann ein Monopol auf Gaslieferungen aus dem kaspischen Raum.

Möglich ist es, aber es ist kein Monopol. Denn unser Gas wird mit internationalen Konzernen gefördert und fließt als internationales Gas in internationalen Röhren in den Westen. Ganz im Unterschied zu Russland.

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Gegenüber Gazprom herrscht in Europa große Skepsis. Warum sollte sie gegenüber Socar kleiner sein?

Allein schon von der Größe, im Zugang zu den Märkten und im politischen Einfluss sind wir nicht vergleichbar mit Gazprom.

 

Wer hat bei Socar das Sagen? Auch der Staatspräsident?

Nicht direkt, wir haben den Direktoriumsrat. Aber die Regierung kann Empfehlungen abgeben und Preise festsetzen. Wenn der Staat uns bittet, Schulen oder Krankenhäuser zu bauen, tun wir das.

Zur Person

Elshad Nassirov ist der Vizechef der staatlichen aserbaidschanischen Energiegesellschaft Socar. Der 51-Jährige ist bei Socar für Marketing und Investitionen zuständig. [Turkan Huseynova]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2012)

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47 Kommentare
 
12

Nett

dass man meinen letzten Kommentar plus die Antwort darauf vorsorglich gelöscht hat. Soviel zum Wert dieses Forums in dem sich die Presse offenbar nur das herauspickt was ihr passt. Ich kann mich nicht erinnern irgendwelche Schimpfworte verwendet zu haben oder sonst fragwürdiges Gedankengut zum Besten gegeben zu haben.

Wie wäre es dazu mit einer Stellungnahme der Presse? Anderslautende Meinungen zählen bei euch offenbar nicht viel.

vielleicht sollte man es sich nicht dauernd mit dem iran verscherzen!

und über alternative lösungen nachdenken, anstatt an einer imens langen pipeline festzuhalten die durch zig unsichere staaten geht, die diese uu zur erpressung verwenden!

meiner meinung nach könnte man genauso auf flüssiggashäfen setzen

linde hat hierfür die geeingenten technologien parat, und das potential ist enorm.

wenn man im iran einen hafen errichtet, dann könnte man von dort aus ganz leicht gas aus dem iran, qatar und turkmenistan nach europa verschiffen.

So hätte man zugriff auf fast 30% der erwiesenen erdgas reserven!
natürlich birgt das gewisse unsicherheiten, da der iran meist als nicht ganz kalkulierbar eingeschätzt wird.

denkt man sich das ganze jedoch einmal durch, so habe cih persönlich keine sorgen, dass der iran seine position ausnützt.
denn ohne öl und gas exporte ist der iran ganz schnell was divisen betrifft trocken, außerdem finde ich dass man nicht jeden USA/israel schmäh der über den iran erzählt wird glauben sollte.

selbst wenn sie an der atombombe forschen ist es doch recht unwahrscheinlich, dass sie die einsetzen werden, denn jeder weiß, dass dann der iran in schutt und asche gebombt werden würde.

Aserbeidschan braucht das Projekt "Nabucco" doch nur um es gegen andere Konkurrenten ausspielen zu können. Eine reelle Chance hat Nabucco deshalb noch lange nicht!


Gast: gast-gast
29.05.2012 10:05
0 0

Wo sind die 203 Millionen Förderung hingekommen?

Die NABUCCO GAS PIPELINE INTERNATIONAL GMBH hat 2010 insgesamt 203 Millionen Euro an Fördermitteln der EU erhalten. Was ist mit dem geld geschehen und wer trägt die Verantwortung für den verlust, wenn das Projekt nicht zustande kommt?
Zum Nachweis meiner Behauptung einfach http://ec.europa.eu/beneficiaries/fts/index_de.htm öffnen, bei "Empfänger" den Begriff "nabucco" eintippen...
Mehr Berichte zum Thema fand ich auch auf EU-Infothek.com:
http://www.eu-infothek.com/search/luceneapi_node/*nabucco*

Re: Wo sind die 203 Millionen Förderung hingekommen?

Dass sind doch Erdnüsse ;D
Ich könnte auch sagen in der Graf Stiftung ;D

Gast: notnaregrüb
26.05.2012 16:59
0 3

Fortsetzung-1-:

Das heißt aber, entweder Erdgas aus dem Iran - was politisch bedenklich wäre - oder man transportiert zusätzliches Gas aus Russland, dann beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz! Aber Hauptsache die OMV verplempert unnötig Investitionsgeld, denn die Österreicher zahlen dieses sowieso durch höhere Treibstoff- und Heizöl-Preise.
Ich sehe nicht ein, warum ein „halbstaatliches“ Unternehmen für die Managergehälter, sowie für die steigenden Gewinne der Aktionäre produziert! Meiner Meinung nach sollten nämlich die Konsumenten von einem österreichischen Unternehmen profitieren!
Die Europäer verbrauchen zunehmend mehr Energie, die aus erneuerbaren Quellen wie etwa Sonne, Wind, Biomasse oder Wasser gewonnen wird. Den höchsten Anteil verzeichnen dabei Schweden, gefolgt von Finnland und Lettland. Österreich liegt in dieser Aufstellung zwar am vierten Platz, da hätte die OMV ein viel wichtigeres Betätigungsfeld! Hoffentlich kommt die Firmenleitung nicht auf die Idee, sich irgendwo an Atomkraftwerken zu „beteiligen“…!

Re: Fortsetzung-1-:

Jetzt würde es noch helfen wenn Sie sich auskennen würden. Erstens ist OMV nicht OMV und die OMV Gas Power GmbH, welche ein eigenständiges Unternehmen ist, hat wohl kaum etwas mit Spritpreisen zu tun.
Zweitens kommt ja in jedem Fall immer noch russisches Gas nach Europa wobei Baumgarten a.d. March ein europaweit wichtiger Punkt ist (Kompressorstation, Gasaufbereitung, Verteilung). Also würde sich mit Nabucco in jedem Fall eine Konkurrenzsituation auftun, die den Preis wohl eher senken als heben würde. Gleichzeitig würde ein österreichisches Unternehmen, das noch dazu zu einem großen Teil in öffentlicher Hand ist, für europas Gasverteilung noch wichtiger werden. Was ist daran bitte primär schlecht?
Sie sind wohl einer dieser Nörgler die sich über jeden Sch... aufregen.

Re: Re: Fortsetzung-1-:

Ach ja, ich freu mich schon auf die vielen roten Stricherln von all den Nordkoreanern da draussen. Haut drauf.

Re: Fortsetzung-1-:

Jetzt würde es noch helfen wenn Sie sich auskennen würden. Erstens ist OMV nicht OMV und die OMV Gas Power GmbH, welche ein eigenständiges Unternehmen ist, hat wohl kaum etwas mit Spritpreisen zu tun.
Zweitens kommt ja in jedem Fall immer noch russisches Gas nach Europa wobei Baumgarten a.d. March ein europaweit wichtiger Punkt ist (Kompressorstation, Gasaufbereitung, Verteilung). Also würde sich mit Nabucco in jedem Fall eine Konkurrenzsituation auftun, die den Preis wohl eher senken als heben würde. Gleichzeitig würde ein österreichisches Unternehmen, das noch dazu zu einem großen Teil in öffentlicher Hand ist, für europas Gasverteilung noch wichtiger werden. Was ist daran bitte primär schlecht?
Sie sind wohl einer dieser Nörgler die sich über jeden Sch... aufregen.

Re: Fortsetzung-1-:

Jetzt würde es noch helfen wenn Sie sich auskennen würden. Erstens ist OMV nicht OMV und die OMV Gas Power GmbH, welche ein eigenständiges Unternehmen ist, hat wohl kaum etwas mit Spritpreisen zu tun.
Zweitens kommt ja in jedem Fall immer noch russisches Gas nach Europa wobei Baumgarten a.d. March ein europaweit wichtiger Punkt ist (Kompressorstation, Gasaufbereitung, Verteilung). Also würde sich mit Nabucco in jedem Fall eine Konkurrenzsituation auftun, die den Preis wohl eher senken als heben würde. Gleichzeitig würde ein österreichisches Unternehmen, das noch dazu zu einem großen Teil in öffentlicher Hand ist, für europas Gasverteilung noch wichtiger werden. Was ist daran bitte primär schlecht?
Sie sind wohl einer dieser Nörgler die sich über jeden Sch... aufregen.

Gast: notnaregrüb
26.05.2012 16:58
1 3

Endlich das Nabucco-Ende!

BP erklärt Nabucco für tot! Nachdem schon andere Geldgeber abgesprungen sind, wird hoffentlich bald das Ende kommen! Die „geplante“ Nabucco-Pipeline - von der Türkei bis zum OMV-Erdgas-Verteilerzentrum im niederösterreichische Baumgarten im Marchfeld - macht uns gewollt oder nicht gewollt direkt von der Türkei abhängig und das nannte in den Anfängen der Planung unser Außenminister als „erstrebenswert“. In einem Leserbrief habe ich schon damals 2009 vor einem Bau dieser Pipeline gewarnt.
Unter der Federführung der OMV haben die Eurokraten die Bevölkerung Europas hinters Licht geführt, indem sie mit Absicht (?) der Türkei dieses Erpressungsmittel in die Hand gegeben haben. Nabucco ist und bleibt ein Risiko, wir werden es noch erleben, wie die Türkei diese „Waffe“ gegen die EU zur Durchsetzung von Wünschen einsetzen wird. Politiker werdet endlich wach! So viel bekannt ist, kann ein wirtschaftlicher Betrieb von Nabucco so und so nur mit zusätzlichen Gasmengen aus anderen Staaten funktionieren.

Re: Endlich das Nabucco-Ende!

Die Hunde bellen,die Karawane zieht weiter ! Grüße nach Neandertal.

Was alle immer vergessen

In den USA und über die USA wurde noch im Jahr 2005 hkräftig gelacht weil die im Boden nach Shale gas stocherten. Viel zu teuer und niemals wirtschaftlich raunzten viele.

Heute ist die USA als Gasimporteur tot und wird jetzt ein neues Saudi Arabien weil die Shale Erschliessungskosten so unglaublich runtergerasselt sind. Jetzt noch einmal das selbe Szenario in Europa wo riesige Mengen an Gas zumindest aus Polen und der Ukraine zu erwarten sind. Haben wir etwas aus den USA Erfahrngen gelernt. Natürlich nicht. Wie könnten wir auch.

Erdgas aus viele tausend Kilometer weit entfernten Feldern zum Konsumenten zu bringen ist Schwachsinn. Die russischen Leitungen gibt es auch nur weil es einen Kruschtschow nicht im geringsten kümmerte ob die Rohre jemals kostendeckend arbeiten werden können. So wie unsere Regierung übrigens. Die denkt auch das Kostendeckung nur ein böses Marktwort ist und solange der Steuerzahler nur brav abdrückt ja eh alles in Ordnung ist.

Nabucco war und bleibt Schwachsinn und so ist es auch zu denken das azerisches Gas jemals nach Europa kommt. Der türkische Markt saugt das ganz locker weg.

Re: Was alle immer vergessen

Nein,wir verlegen dass Rohr !

Habe einen Freund der hat derzeit schon 20.000 Euro minus gemacht mit seinen Nabucco-Aktien.

Na ja, der OMV wird's ziemlich egal sein. Geht's der OMV gut, geht's dem österreichischen Steuerzahler schlecht. Bleibt abschließend festzuhalten. :-((

Gast: Genn U
25.05.2012 20:06
7 4

Gut!!

Dass wir mit den Türken nichts mehr zu tun haben, die Russen sind wesentlich zuverlässiger.

Re: Gut!!

Heimat bist du großer Söhne !
Der Zahntechniker und seine Leuchten.
Jetzt noch den Lugner zum Präsidenten
machen,und alles ist in Butter ;D


Antworten Gast: hanso
26.05.2012 15:54
1 2

Re: Gut!!

warum schieb ihr alles auf die türken?
sie haben ja damit nichts zu tun!
dankt einfach eu und omv!!

und ob die russen so verlässlich sind hat man ja immer gesehen!!

schon wieder neid neid neid uns hass
solche RASSISTEN gibt es hier!!!!

Re: Gut!!

Warum überfallt ihr denn den verlaesslichen Partner so oft?

Antworten Gast: Gaslifarant
25.05.2012 21:28
5 0

Re: Gut!!

egal was ihr WELCHER A.. abrissen: über die Türkei, führt kein andre WEG.. kapisch!?

1 3

Nö ...

.... nix kapisch.

Das gebrabbel kann keiner lesen.

Na ja, die Deutschen waren offenbar klüger, denn die haben...

...ihre Pipeline durch die Ostsee gelegt. Man sollte auch etwas von Geographie und Geschichte verstehen bevor man ein Projekt dieser Größenordnung plant. Aber dies wird ja jetzt dank der neuen Mittelschule viel besser. ;-)

Re: Na ja, die Deutschen waren offenbar klüger, denn die haben...

Österreich sollte auch die Pipeline,übern Neusiedlersee legen ;D

Re: Re: Gut!!

Deutsch ist eine schwere Sprache was?

Jedenfalls sind mir die Russen auch lieber. Man sollte nicht vergessen das die Russen auch zu Sowjetzeiten immer zuverlässig geliefert haben.

Re: Re: Re: Gut!!

Lieber als wer ?


 
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