Schule: Praxisnähe macht es aus

26.11.2005 | 00:00 |  VON SARA NARJIS (Die Presse)

Trendumkehr im Schulbereich zeichnet sich deutlich ab.

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Immer mehr junge Leute bevorzugen eine praxisorientierte Ausbildung auf Berufs bildenden Höheren Schulen. Wo dabei die Vor- und Nachteile liegen, darüber diskutierten Vertreter der Vienna Business School, von PricewaterhouseCoopers und der Raika NÖ-Wien. Eines ist klar: Irgendetwas muss geschehen - während die Jugendarbeitslosigkeit steigt, klagen Vertreter der Wirtschaft über die praxisferne Ausbildung an Österreichs Schulen. Also, was tun? "Die Arbeitslosigkeit selbst werden wir sicher nicht abschaffen können, aber wir können zumindest so eine Ausbildung auf die Beine stellen, dass junge Leute bessere Chancen haben, am Markt zu reüssieren", meint Martin Göbel, Geschäftsführer im Fonds der Wiener Kaufmannschaft. "Die Existenzberechtigung Berufsbildender Höherer Schulen liegt darin, die Bedürfnisse der Wirtschaft zu befriedigen."

Zumindest die von der Wiener Kaufmannschaft betriebenen Handelsschulen der Vienna Business School tun dies: Den insgesamt 3.600 Schülern werden Ausbildungsmodelle angeboten, in denen projektorientiertes Lernen, fächerübergreifender Unterricht, Persönlichkeitsbildung und der Einsatz modernster Technologien im Vordergrund stehen. Das Angebot reicht dabei von Internationalem Marketing über Ökomanagement bis zu Spezialausbildungen im Multimedia-Bereich.

Und damit ist man offensichtlich am Puls der Zeit, denn im Gegensatz zu anderen Schultypen erfreuen sich Berufsbildende Höhere Schulen mit ihrer praxisnahen Ausbildung eines stetig wachsenden Zulaufs, allen voran die Business School, wo es allein heuer um mehr als acht Prozent Neuanmeldungen gab als im Vorjahr. Zu Recht, meint Liz Hull, Personalchefin von PricewaterhouseCoopers Österreich: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jene Uni-Absolventen, die eine Handelsakademie besucht haben, besonders kundenorientiert, wissbegierig und sozial kompetent sind. Zudem finden sie sich etwa in Sachen Rechnungswesen schneller ein als andere." Dennoch wünscht sich Hull Verbesserungen in der Ausbildung, unter anderem noch mehr Praxisnähe und die Fähigkeit, vernetzt zu denken.

Norbert Wendelin, HR-Chef der Raika NÖ-Wien, macht indes anderswo Defizite aus: "Was will und was kann ich? - Auf diese Frage finden relativ viele Schüler nach ihrem Abschluss keine Antwort. Hilfreich wäre es, dass sie bereits während der Schulzeit ihre Schwächen und Stärken kennen lernen sowie mögliche Karrierewege im Hinterkopf haben." Zudem sollten Schulen auch auf Alltagserfordernisse wie soziale Kompetenz oder gutes Zeitmanagment eingehen, denn "so banal das auch klingen mag: Genau das sind dann Dinge, die die Mitarbeiter später erst mühsam in Management-Seminaren erlernen müssen."

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