Uber-Krise spitzt sich zu

Die Nummer zwei des Fahrtendienstes, Emil Michael, muss gehen. Gerüchten zufolge wird auch Unternehmensgründer Travis Kalanick eine Auszeit nehmen. Beiden wird eine aggressive und sexistische Unternehmenskultur vorgeworfen.

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Uber-Gründer Travis Kalanick – REUTERS

Der krisengeplagte US-Fahrtenanbieter Uber kommt nicht zur Ruhe. Nach einer Reihe von Entlassungen und internen Ermittlungen hat nun auch die Nummer zwei des Unternehmens, Emil Michael, die Firma verlassen. Sonntag sei sein "letzter Tag bei Uber gewesen", schrieb Michael in einer E-Mail an die Beschäftigten, aus der die "New York Times" am Montag zitierte.

Michael galt als enger Vertrauter von Uber-Chef Travis Kalanick. Details zu den Gründen für den Abgang des ranghohen Firmenvertreters wurden nicht bekannt. Michael wird indes zur Last gelegt, für die von vielen Mitarbeitern als aggressiv und sexistisch empfundene Unternehmenskultur mit verantwortlich zu sein. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Uber nach einer Reihe von internen Beschwerden 20 Mitarbeiter feuerte. Die Vorwürfe reichten von Diskriminierung und Schikane bis zur sexuellen Belästigung.

Schon Anfang des Jahres verlor Uber eine Reihe ranghoher Mitarbeiter. Außerdem steht Kalanick im Kreuzfeuer der Kritik. Medienberichten zufolge wird derzeit über eine Auszeit des Firmenchefs nachgedacht.  Kalanick gilt als aggressiver Manager.

Seit einigen Wochen leitet der ehemalige US-Justizminister, Eric Holder, eine Kommission bei Uber. Sie untersucht Vorwürfe von Sexismus und Diskriminierung und wird ihre Ergebnisse und Vorschläge heute, Dienstag, in San Francisco veröffentlichen.

20 Mitarbeiter entlassen

Es ist der Höhepunkt einer langen Affäre. Die Kommission hat 215 Beschwerden bei Uber untersucht. In 47 Fällen ging es um sexuelle Belästigung, in 54 um Diskriminierung. Weiters lagen 45 Anschuldigungen wegen unprofessionellen Verhaltens und 33 wegen Mobbings vor. Der Rest verteilt sich auf andere Fälle von Belästigung und sonstiges Fehlverhalten.
20 Mitarbeiter wurden wegen ihres Verhaltens bei diesen Fällen Mitte vergangener Woche entlassen. Weitere sieben Angestellte haben eine „letzte Warnung“ erhalten, und 31 wurden in Schulungen geschickt.

Die Ermittlungen waren eingeleitet worden, nachdem eine ehemalige Programmiererin des Fahrdienstvermittlers in einem Blogeintrag von einer Unternehmenskultur voller Diskriminierung und Missmanagement berichtet hatte. Mit dieser Begründung hatte Ende März bereits ein Spitzenmanager aufgegeben. „Es ist klar, dass die Überzeugungen und Ansätze, die meine Karriere bestimmt haben, nicht vereinbar sind mit dem, was ich bei Uber gesehen und erlebt habe“, begründete Jeff Jones, die Nummer zwei hinter Chef Kalanick, damals seinen Abgang.

Zur schlechten Presse trug in den vergangenen Wochen auch ein Spionagevorwurf rund um selbstfahrende Autos bei. Uber hatte die Führung dieses Bereichs dem Ingenieur Anthony Levandowski unterstellt, der früher bei der Google-Tochter Waymo arbeitete. Waymo beschäftigt sich ebenfalls mit autonom fahrenden Autos und warf Uber später die Entwendung von Technologien vor. Ein Richter ordnete an, dass Uber sämtliche Waymo-Dateien, die Levandowski heruntergeladen hatte, zurückgeben müsse. Weil sich der Ingenieur weigerte, wurde er von Uber entlassen.

70 Milliarden Dollar Wert

Bei Kunden geriet das Unternehmen in die Kritik, weil Kalanick in der Wirtschaftsberatergruppe von US-Präsident Donald Trump saß (er stieg mittlerweile wieder aus). Nutzer boykottierten daraufhin den Fahrtenvermittlungsdienst, unter dem Hashtag „DeleteUber“ forderten sie auf Twitter dazu auf, die Uber-App zu löschen. Doch selbst nach dem Löschen der App vom Handy sammelte Uber weiterhin fleißig Daten, wie die „New York Times“ aufdeckte. Auch das nicht gerade eine vertrauensfördernde Maßnahme.
Weltweit gehen Staaten mit Regulierungen gegen den Fahrtendienst vor, um die etablierten Taxiunternehmen zu schützen. In Österreich urteilte das Handelsgericht zuungunsten von Uber-Fahrern, die Passagiere auf der Straße ohne Rückfahrt zur Zentrale aufgreifen.

Dennoch ist Uber eine Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet und ist aktuell mit 70 Milliarden Dollar bewertet. Weltweit hat es 12.000 Mitarbeiter, der Umsatz lag 2016 bei 6,5 Milliarden Dollar.

(APA/Red.)

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