Opel - Alles begann mit einer Nähmaschine

Die Traditionsmarke Opel hat mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroen einen neuen Eigentümer und blickt zuversichtlich in die Zukunft. "Die Presse" macht einen Blick zurück und zeigt die Vergangenheit von Opel. 

Begonnen hat alles mit einer Nähmaschine: Im Herbst 1862 kehrt Firmengründer Adam Opel nach seinen Wanderjahren nach Rüsselsheim zurück und beginnt in der väterlichen Werkstatt mit dem Bau der ersten Opel-Nähmaschine.

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Das Unternehmen floriert. 1885 produzieren 300 Arbeiter 18.000 Nähmaschinen. Der Unternehmensgründer, der nie Autos bauen wollte, stirbt 1895.

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1898, drei Jahre später, beginnt Opels Frau Sophie mit dem Automobilbau. Auf Betreiben der Söhne wird 1899 eine Motorwagenfabrik übernommen.

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Der Eigentümer, der Dessauer Hofschlossermeister, Automobilpionier und Konstrukteur Friedrich Lutzmann, wird zum Direktor ernannt. Der Patentmotorwagen „System Lutzmann“ ist das erste Automobil Opels.

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Mitte der 1920er-Jahre steigt Opel mit der Fließbandproduktion in Rüsselsheim in den Massenmarkt ein. Mit einem Marktanteil von 37,5 Prozent ist Opel nach eigenen Angaben 1928 der größte deutsche Autobauer.

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1929 übernimmt General Motors den deutschen Hersteller. GM-Chef Harlow Curtice besucht die deutsche Tochter.

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1962 wird das Werk in Bochum eröffnet, es folgen weitere Werke in Kaiserslautern und nach der Wende in Eisenach. Zehn Jahre später hat Opel noch einen Marktanteil von 20,4 Prozent in Deutschland.

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Auch dank zahlreicher Kassenschlager wie dem Opel Kapitän, der zwischen Ende 1938 und Frühjahr 1970 produziert wurde, können lange Jahre hohe Marktanteile gehalten werden. Zunächst ist er noch ein Modell der oberen Mittelklasse und steigt dann in der KAD-A-Reihe ab 1964 in die Oberklasse auf.

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Klassiker sind auch der Opel Rekord (im Vordergrund) und der Opel Kadett.

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1983 läuft der 20.000.000ste Opel, ein Senator CD, vom Band. Vorstandschef Ferdinand Beickler fährt das Jubiläumsfahrzeug gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden Richard Heller von der Linie.

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Das Modell wird sechs Jahre zwischen 1966 und 1972 produziert.

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Der vielleicht populärste Wagen ist der Manta. Die Form mit der niedrigen Gürtellinie gibt dem Manta ein sportliches Aussehen. Die Wagen folgen damit dem Trend zum Ende der 1960er-Jahre. 1988 wird die Produktion nach über einer Million Wagen eingestellt.

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Doch nicht alle Modelle sind so erfolgreich. Nach der Jahrtausendwende geht es rasch bergab. Auf rund 680 Millionen Euro beläuft sich der Verlust im Jahr 2001 - nach etwa 250 Millionen Euro Defizit im Jahr zuvor. Im Unternehmen, dem ein breit angelegter Arbeitsplatzabbau droht, macht sich Unruhe breit. Zudem gerät Mutter General Motors in Zahlungsschwierigkeiten.

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Auch in Österreich betreibt Opel ein Werk. Seit 1982 werden in Aspern Motoren und Getriebe für Automobile produziert werden. In der Spitzenzeit waren dort über 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

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Frank Stronach

2009 kommt es zu großen GM-Opel-Krise. GM fasst eine teilweise Trennung von Opel ins Auge und ist bereit, "mit Dritten über Partnerschaften und Beteiligungen zu verhandeln". Interesse bekunden unter anderem der kanadische Zulieferer Magna mit Chef Frank Stronach. Die deutsche Bundesregierung und GM einigen sich grundsätzlich auf den Autozulieferer Magna als Käufer. Der Deal kommt aber nicht zustande, weil sich GM überraschend dazu entschließt, Opel zu behalten.

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2011 wird Opel in eine AG umgewandelt. Das Unternehmen leitet nach jahrelanger Krise die Wende ein. Die Rüsselsheimer legen mit einem Sparprogramm die Grundlage für massive Investitionen der US-Mutter GM in neue Modelle der Europa-Tochter. Doch Opel kommt nicht auf die Beine. 2014 wird das Werk in Bochum geschlossen.

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Opel beschließt im Frühjahr 2015 wegen der Wirtschaftskrise in Russland den Rückzug aus dem dortigen Markt. Im August 2016 kündigt das Unternehmen nach dem Brexit-Votum Kurzarbeit für die Werke Rüsselsheim und Eisenach an. Für die Modelle Insignia und Corsa ist Großbritannien der größte Markt. Aufgrund des Brexits und des nachfolgend schwächelnden britischen Pfunds werden die Unternehmensziele nicht erreicht.

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Peugeot und General Motors bestätigen Mitte Februar dieses Jahres, dass Gespräche über einen Zusammenschluss geführt werden. Am 6. März wird bekanntgegeben, dass General Motors seine verlustreiche Europa-Tochter Opel an den französischen Konzern PSA Peugeot Citroen verkauft. Auch die britische Opel-Schester Vuaxhaul wird mitverkauft. GM  gibt als Mitgift eine Milliardensumme mit auf den Weg.

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Am 1.8. 2017 beginnt für Opel nach 88 Jahren als Tochter des US-Autokonzerns General Motors eine neue Zeitrechnung bei PSA Peugeot Citroen. Die CEOs von GM, Mary T. Barra, Peugeot,Carlos Tavares, und Opel, Karl-Thomas Neuman, besiegeln den Pakt. Opel und Peugeot zusammen sind nun die neue Nummer zwei auf Europas Automarkt.

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