89 Millionen Plastiksackerl weniger in Österreich

Die freiwillige Vereinbarung zeige, dass es nicht unbedingt ein Verbot brauche, sagt Umweltminister Rupprechter. Demnach müssen Tragetaschen Geld kosten.

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Archivbild. – (c) Die Presse (Clemens Fabry

89 Millionen Plastiksackerl weniger hat ein seit Juli 2016 gültiger Pakt zu deren Reduktion bisher gebracht. Diese Bilanz zog Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) gemeinsam mit den Vertretern des Handels: "Wir sind auf gutem Weg, unser Ziel für 2019 zu erreichen: 25 Kunststoff-Tragetaschen pro Person im Jahr." Die freiwillige Vereinbarung zeige auch, dass es nicht unbedingt ein Verbot brauche.

Mit diesen Zahlen liegt Österreich weit unter der EU-Vorgabe, deren sogenannte "Plastiksackerl-Richtlinie" vorsieht, dass die Mitgliedsländer bis 2019 den Verbrauch auf 90 Sackerl pro Person und Jahr reduzieren. In Österreich lag die Zahl laut EU-Kommissionszahlen im Jahr 2010 bei 51. "Auf Österreich hoch geschätzt stehen wir nun schon 2016 auf rund 30 leichten und schweren Kunststoff-Tragetaschen pro Einwohner", sagte der Umweltminister bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Laut dieser Schätzung wäre auch das langfristige 40-Sackerl-Ziel der EU für das Jahr 2025 bereits erreicht.

Lebensmittelbranche zeigte sich am engagiertesten

Das Abkommen, das auf Initiative des Umweltministeriums zustande kam, wurde im vergangenen Jahr von 14 Parteien unterzeichnet, nun kamen auch Supermarktkette Sutterlüty und die Textilkette C&A dazu. Die Lebensmittelbranche zeigte sich am engagiertesten, der Rewe-Konzern, Spar, Lidl und Hofer waren bei den ersten Unterzeichnern dabei, aber auch die Elektronikkette Media-Saturn oder der Schuhhändler Deichmann unterstützen den Plan. "Alle Partner haben gemeinsam einen Marktanteil von rund 30 Prozent", erläuterte Rupprechter. Insgesamt wurde ein Rückgang von 15 Prozent erzielt. Die freiwillige Vereinbarung enthält insbesondere die Maßnahme, dass Tragetaschen in Zukunft nur noch kostenpflichtig an die Konsumenten abgegeben werden.

Für Greenpeace ist die Freiwilligkeit nicht ausreichend. Diese habe zwar zu einer Reduktion bei den teilnehmenden Unternehmen geführt, die Gesamtanzahl wurde jedoch noch nicht ausreichend reduziert. Jedoch lobte die NGO in einer Aussendung die bisherige Umsetzung der freiwilligen Selbstverpflichtung durch den Handel. Kritik gab es aber an der Werbung mit dem Papiersackerl. Manche Unternehmen würden auf dieses setzen anstatt ausschließlich stabile Mehrwegtaschen zu fördern. "Aber Plastik- durch Papiertaschen zu ersetzen hilft der Umwelt genau gar nicht", sagte Sprecherin Hanna Simons.

Auch Papiertaschen sind nicht problemlos

Der Handelsverband, der den Pakt unterstützt, teilt diese Sichtweise: "Anders als die gesetzliche Regelung soll mit der Initiative auch der Verbrauch von Papiertragetaschen reduziert werden, da diese einen ähnlichen ökologischen Fußabdruck aufweisen wie die zu recht verpönten Plastiksackerl" sagte dessen Geschäftsführer Rainer Will. "Mit der Kampagne "Pfiat di Sackerl" möchten wir nun noch mehr Konsumentinnen und Konsumenten anregen, ihre eigene Tasche zum Einkauf mitzunehmen", betonte Rupprechter. Zusätzlich sollen die Kundeninformation verbessert, der Einsatz von Mehrwegtragetaschen forciert und Umweltprojekte gefördert werden.

Ein Problem war bei der EU-Richtlinie damals ausgenommen, nämlich die kleinen Sackerl, die etwa für das Einpacken von Obst und Gemüse in den Supermärkten verwendet werden. Allerdings werden in Österreich die sogenannten Knotenbeutel im Kassenbereich nicht mehr zur freien Entnahme angeboten.

Laut aktuellen Greenpeace-Berechnungen werden in Österreich immer noch über 700 Millionen Plastiksackerl pro Jahr ausgegeben. 2015 lag der Wert laut der NGO noch bei einer Milliarde (inklusive der Knotenbeutel, Anmerkung). Trotz dieses Rückgangs forderte die Umweltschutzorganisation das rasche Inkrafttreten der laut ihren Angaben ursprünglich für Herbst 2016 angekündigten Tragetaschenverordnung für eine weitere Reduktion ein.

 

(APA)

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