Heute vor 100 Jahren: Der Reichsrat wird wieder einberufen

Die erste Sitzung beider Häuser findet statt – nach dreijähriger Verfassungskrise.

Neue Freie Presse am 30. Mai 1917

Krakau meldet scharfe Beschüsse der Polen. Prag berichtet, daß der Abgeordnete Klosac zu hohen parlamentarischen Würden gekommen sei und daß die vergilbten Pergamente des Staatsrechts wieder vor dem Parlamente ausgebreitet werden sollen. Das sind starke Worte schwacher, in sich zerfallener Parteien ohne richtige Führung, ohne wirkliche Geschlossenheit und von bloßen Stimmungen in Bewegung gesetzt. Parlamentarisch in dem Sinne, daß es an der Politik durch seine Vertreter mitwirken, daß es ihnen sich selbst hören, einen Widerhall seiner Schmerzen vernehmen will, ist das Volk. Der Glaube an die Zukunft des Reichsrates wird durch dieses Gefühl, durch die Ueberlegenheit dieser Einsicht am meisten gestärkt. Denn nicht die Parteien haben den Reichsrat wieder aufgebaut, sondern der Gedanke ist aus dem Volkswillen gekommen, aus Notwendigkeiten, die in den Massen bereits erkannt waren, ehe sie aus dem bloßen Empfinden von der jetzigen Regierung in die Tat umgesetzt werden konnte. (…) Der Reichsrat ist vor drei Jahren an seiner Machtlosigkeit zugrunde gegangen. Nun muß der Reichsrat nach einer so schweren Krise den Weg betreten, der, beharrlich fortgesetzt, zur Macht führt.

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