Unruhen in Los Angeles: 121 Stunden Gesetzlosigkeit

Als die Geschworenen am 29. April 1992 in Los Angeles drei Polizisten vom Vorwurf der übertriebenen Gewaltanwendung im Fall des Bürgers Rodney King freisprechen und bei einem vierten zu keinem Urteil kommen, lösen sie damit eine Welle der Gewalt aus, die Los Angeles sechs Tage lang in einen Ort der Gesetzlosigkeit verwandeln soll.

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Auf den Straßen herrscht Anarchie. Recht und Ordnung lösen sich binnen Stunden auf.

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Ausgangspunkt ist die Kreuzung Florence-Normandie (im Bild im Hintergrund zu sehen).

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Reginald Denny fährt seinen roten, mit Sand beladenen Truck in Richtung Inglewood. Er hat das Radio nicht an, bekommt von den beginnenden Unruhen nichts mit. Als er um 18:46 Uhr die Kreuzung passiert, wird sein Gefährt mit Steinen beworfen. Er selbst wird aus dem Auto gezerrt und fast zu Tode geprügelt. Denny hat bis heute Probleme beim Sprechen und mit dem Gehen.

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Die Menschen plündern, die Polizei präsentiert sich als "eine Horde Schläger in Uniform" ...

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... und an jeder Ecke scheint es zu brennen. So beschreibt Autor Ryan Gattis die Lage in seinem authentischen Thriller "In den Straßen die Wut", der 2016 in den Buchhandel kam.

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"Feuer in Mülltonnen. Feuer in Eckläden. Feuer in Tankstellen, verdammte Scheiße! Feuer über Feuer, und der Qualm schraubt sich in den Himmel, als würde er ihn abstützen. Wie so Tischbeine. So sehen die Rauchsäulen aus", heißt es an einer Stelle in dem Buch.

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Über 11.000 Brände werden letztlich registriert.

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Am 1. Mai appelliert auch das Prügelopfer Rodney King selbst in einer emotionalen Rede ("Can we all get along?"), dem Treiben ein Ende zu machen. Doch seine Worte verhallen ungehört. Letztlich ist King auch vielen egal. Jeder Kleinkriminelle nutzt die Gunst der Stunde. Gang-Mitglieder erkennen ihre Chance, die Karten neu zu mischen: Offene, alte Rechnungen werden beglichen, die Machtverhältnisse verschoben.

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Die Stadt verwandelt sich in eine Kriegsgebiet. "Echt Gazastreifen, Mann", lässt Autor Gattis eine seiner Figuren sagen.

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"Nimm dir, was du kriegen kannst", ist das Motto vieler Menschen. Plünderungen stehen an der Tagesordnung.

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Erst ab dem vierten Tag gelingt es den Polizeikräften, vereint mit Nationalgarde, US Marines und US Army, die Kontrolle wiederzuerlangen.

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Am Ende sterben 52 Menschen, mehr als 2000 werden verletzt. Sachschäden in der Höhe von einer Milliarde US-Dollar sind entstanden. Bis heute sind manche Straßenzüge von der Ereignissen vor einem Vierteljahrhundert gezeichnet.

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Rodney King bekommt sein Leben nach der Prügelattacke nie richtig in den Griff. Bei seiner Festnahme war er alkoholisiert gewesen und hatte zu flüchten versucht, weil er befürchtete gegen Bewährungsauflagen (aufgrund eines früheren Raubdelikts) zu verstoßen. Zwar erstreitet er sich, der 50 Stockschläge und sechs Tritte nur knapp überlebte, im Jahr 1994 eine Summe von 3,8 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Wegen Drogen und häuslicher Gewalt gerät er aber weiter mit dem Gesetz in Konflikt.

Genau zwanzig Jahre nach dem Vorfall schreibt er ein Buch mit seinen Erinnerungen und vermarktet dieses.

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Doch nicht einmal zwei Monate später, im Juni 2012, findet man Rodney King tot in seinem Swimmingpool. Es dürfte sich um einen Unfall gehandelt haben, in seinem Blut werden Alkohol und Drogen nachgewiesen.

Die Trauerrede hält der US-Bürgerrechtler Al Sharpton.

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Die Geschehnisse aus dem Jahr 1992 wirken bis heute nach. Am 30. April 1992 starb auch der 18-jährige Edward Song Lee, der koreanische Wurzeln hat, weil sich zwei koreanische Gruppen beschießen. Sie beschuldigen sich gegenseitig, geplündert zu haben. Es ist ein letztlich fataler Irrtum.

25 Jahre später haben die Eltern des Opfers eine Büste von ihrem Sohn bei sich zu Hause stehen, weil die Gemeinde keinen öffentlichen Platz dafür findet.

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