"read.it": Was kann der neue digitale Zeitungskiosk?

Das Portal "read.it" möchte ein "Spotify für Magazine" sein. Wer das Angebot gratis nutzt, bekommt Werbung eingeblendet; wer pauschal 9,99 Euro pro Monat zahlt, kann werbefrei lesen.

myreadit.com

Ein neuer digitaler Zeitungskiosk hat aufgesperrt. Read.it nennt sich das Portal und es will nach eigener Definition ein "Spotify für Magazine" sein. Das heißt, die Zeitschriften und Zeitungen werden nicht in viele Artikel filetiert, die einzeln verkauft werden (wie beim niederländischen Konkurrenten "Blendle"), sondern als komplettes Produkt per E-Paper. Read.it kann man - eben genauso wie die digitale Musikplattform Spotify - kostenfrei, dafür mit eingeblendeter Werbung (auch Videos) konsumieren. Oder man zahlt eine Pauschale von derzeit 9,99 Euro pro Monat und erhält dafür einen komplett werbefreien Zugang. Sobald mehr Medien dabei sind, soll die Pauschale erhöht werden und für Tageszeitungen 14,99 Euro, für alle Produkte 19,99 Euro pro Monat kosten.

Hinter dem deutschen Start-up steckt ein zehnköpfiges Team aus Frankfurt, das mit Partnern wie der Wiener Tailored Media Group den Österreich-Start noch vor dem Auftakt in der Heimat Deutschland durchzog. Gehören tut der digitale Kiosk der PVG Presse-Vertriebs-Gesellschaft KG, einem der größten Pressehändler Deutschlands, der mehr als 6400 Adressen mit jährlich über 200 Millionen Printprodukten beliefert und einen Jahresumsatz von einer halben Milliarde Euro macht. Dennoch spürt auch PVG seit einiger Zeit den Rückgang des Zeitschriftenvertriebs über den klassischen Kiosk und will daher nun auch den digitalen Vertriebskanal besetzen.

Geschäftsführer Jörg Braun betonte bei der Präsentation von read.it am Mittwoch in Wien, vor allem junge Leser hätten heute ein anderes Lese- und Nutzungsverhalten. "Sie wollen Presse genauso digital konsumieren wie Serien oder Musik. Um 7,99 Netflix, um 9,99 Spotify. Und der User möchte ein ganzheitliches Angebot, einen Kiosk in der digitalen Welt." 

read.it-Manager Jörg Braun.
read.it-Manager Jörg Braun.
read.it-Manager Jörg Braun. – (c) Natascha Unkart

Abgerechnet werden die Erlöse der Verlage je nach Anzahl der Leser, die ihre Produkte herunterladen und der jeweiligen Lesezeit. Bis Ende des Jahres will Braun 30.000 Nutzer in Österreich gefunden haben, parallel dazu im Herbst in der Schweiz und im ersten Quartal 2017 in Deutschland online gehen

Was kann read.it im Vergleich zu anderen Anbietern? Wo liegen die Schwächen? Eine erste Einschätzung:

DIE STÄRKEN

+ Bereits zum Start von read.it sind laut Angaben der App-Anbieter 200 Magazine und Tageszeitungen dabei. Das ist eine durchaus beachtliche Größe. Dazu gehören etwa alle Magazine des News-Verlags, der "Gewinn", die Falstaff-Magazine und die bunten (Tratsch-)Blätter der deutschen Funke-Gruppe (von "Echo der Frau" bis "Das goldene Blatt"). Auch die Styria Mediengruppe, die Eigentümerin der "Presse", ist mit einigen Magazinen vertreten, darunter "Miss",  "Wienerin" und "Diva". Angeblich sollen bald auch die Magazine des Red Bull Media House folgen.

+ Die App ist leicht zu bedienen und übersichtlich, bietet die einzelnen Titel nur in E-Paper-Form an, verzichtet auf jegliche Spielereien und stellt dadurch die einzelnen Produkte in den Vordergrund, was wieder ein

+ Pluspunkt für die beteiligten Verlage sein dürfte: Hier kommt jede Marke für sich optimal zur Geltung. Es ist eben wirklich wie ein digitaler Zeitungskiosk.

+ Eine Stärke von read.it ist die ausgereifte Suchfunktion, die alle Titel erfasst. Das heißt, wer nach einem Stichwort wie "Obergrenze", einem Ort oder einem Kinofilm sucht, bekommt alle Artikel gelistet, in der dieses Wort vorkommt. Das kann nicht nur für PR-Profis und Pressesprecher nützlich sein. 

+ In der App stehen nicht nur die jüngsten, aktuellen Medien zur Verfügung, sondern 11.000 Titel, die im Archiv gespeichert sind.

+ Die Bezahlform ist sicher ein Pluspunkt für die Kunden: Hier bekomme ich alle Titel für eine Pauschale von 9,99 Euro, während ich in anderen Digitalkiosken, wie etwa dem der APA oder dem deutschen iKiosk, für jedes Produkt einzeln zahlen muss, bei Blendle sogar für jeden Artikel.

+ Während neue Magazine geladen werden, kann der Nutzer in der App etwas anderes tun. 

DIE SCHWACHSTELLEN

- read.it hat zwar 200 Magazine im Angebot, aber noch sind kaum deutsche (Qualitäts-)Medien darunter. Echten Medienjunkies werden da also die großen Namen und Marken, wie "Spiegel", "Zeit"; "FAZ", etc. abgehen.

- Generell ist das Tageszeitungsangebot bisher noch dürftig. Das Gratisblatt "Heute" ist darunter, aber wer das online lesen will, bekam das schon bisher auf deren eigener App. Dasselbe gilt für die "Wiener Zeitung". Und das Interesse an der "Rheinischen Post" wird sich in Österreich wohl eher in Grenzen halten.

- Die E-Paper-Darstellung ist relativ einfach. Es gibt keine eigene Lesefunktion für jeden einzelnen Artikel. Somit ist es auch nicht möglich, einzelne Artikel auf sozialen Netzwerken zu teilen oder per Mail zu verschicken.

- Das Angebot kann bisher nur als App auf Tablets und Smartphones für iOS und Android genutzt werden. Es gibt keine Desktop-Version.

 

>> Zur Website von read.it: www.myreadit.com

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