Kurz und Kickl auf Servus TV: Zwei Stunden Einsamkeit

TV-NotizBei einer Spezialausgabe von „Talk im Hangar 7“ empfing Michael Fleischhacker Altkanzler Sebastian Kurz und Ex-Innenminister Herbert Kickl für je einstündige Gespräche. Erhellend, stellenweise auch einschläfernd.

„Hätte er mich gefragt, hätte ich ihm gesagt, er soll das anders machen“, sagte Sebastian Kurz im Gespräch mit Michael Fleischhacker zur Schredder-Affäre.
„Hätte er mich gefragt, hätte ich ihm gesagt, er soll das anders machen“, sagte Sebastian Kurz im Gespräch mit Michael Fleischhacker zur Schredder-Affäre.
„Hätte er mich gefragt, hätte ich ihm gesagt, er soll das anders machen“, sagte Sebastian Kurz im Gespräch mit Michael Fleischhacker zur Schredder-Affäre. – (c) Screenshot

Politische „Sommergespräche“ sind schwierig. Fragt man allzu scharf nach, kommt kein Gespräch auf, bleibt man allzu milde, wird der Vorwurf der Parteilichkeit laut. Und zu privat darf es freilich auch nicht werden. Angesiedelt zwischen Armin-Wolf'schem Verhör und Claudia-Stöckl'schen Nachbohrungen bringen diese Gespräche selten Neues. Das trifft auch bei der Spezialausgabe von „Talk im Hangar 7“ auf Servus TV zu, in der Moderator Michael Fleischhacker erst Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und direkt danach den ehemaligen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) zu einem je einstündigen Interview bat.

Von Fleischhacker ist man in schriftlicher Form Scharfzüngigkeit gewöhnt. Im Vergleich zu seinem schreibenden Selbst wirkt der mündliche Fleischhacker zahm. Manchmal gehört das zur Strategie. Man lässt die Gesprächspartner reden und irgendwann kommt dann doch etwas Interessantes. Fürs Papier (oder die Website) kann man den ersten, einigermaßen einschläfernden Teil später streichen, im Live-Fernsehen geht das freilich nicht.

So hatten beide Politiker gut zwei Monate vor der nächsten Nationalratswahl ausgiebig Gelegenheit, sich so zu zeigen, wie sie sich sehen wollen. Kurz präsentierte sich als Staatsmann und Österreich-Werbebotschafter (Silicon-Valley-Reise!), Kickl als Schützer von Haus und Heim, als potentieller Zaunbauer, denn „das nächste Gewitter kommt bestimmt“.

„Ich bin sehr vorsichtig mit dem Begriff Freunde“

Kurz wirkte überlegt und fürsorglich, Kickl vernunftbetont und kritisch. Beide – und das war sicher nicht Absicht – auch ein wenig einsam. Jedenfalls, wenn man ihre Aussagen zum Thema Freundschaft vergleicht. Mit seinem ehemaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) verbinde ihn keine Freundschaft, sagte Kurz. „Ich bin sehr vorsichtig mit dem Begriff Freunde“, so der Politiker. Er habe nur Freunde aus Schulzeiten und Studienzeiten. Clubbesitzer Martin Ho, dem ein enges Verhältnis zum Ex-Kanzler nachgesagt wird, wollte Kurz nicht „Freund“ nennen.

Kickl wiederum sagte über seinen ehemaligen Parteichef Strache: „Was wir nie gehabt haben, war eine enge persönliche Freundschaft.“ Bei Partys sei er nie mit von der Partie gewesen.

Möglicherweise wollten sich beide Politiker von dem durch das Ibiza-Video „verbrannten“ Ex-FPÖ-Obmann Strache und anderen Persönlichkeiten distanzieren, bei denen das helle Scheinwerferlicht nicht nur Schönes zutage bringt.

Doch recht zurückhaltend

Zur Schredder-Affäre blieb Kurz betont gelassen. Der Mitarbeiter, der die Druckerfestplatten geschreddert habe, habe „Mist gebaut“. „Hätte er mich gefragt, hätte ich ihm gesagt, er soll das anders machen.“ Dass auf den Festplatten nichts für die ÖVP Entlarvendes gewesen ist, will nicht nur Kickl nicht so recht glauben.

Gerade bei Kurz war Fleischhacker jedoch insgesamt recht zurückhaltend. „Sie sind aber kein religiöser christlicher Fundamentalist?“, war eine der schärfsten Fragen an sein Gegenüber. Auf dessen Antwort, „Ich bin ein christlich sozialer und liberaler Mensch“, verpasste der Moderator, nach den Toten im Mittelmeer zu fragen und was Kurz als Christ darüber denke.

„Der Herr Bundeskanzler hat schon so viel gesagt, was er oft kurze Zeit später anders gesehen hat“, sagte Kickl. – (c) Screenshot

Beim Thema Kickl wurde der sonst relativ emotionslose ÖVP-Politiker am deutlichsten. Dieser habe in der BVT-Affäre und beim Auftauchen des Ibiza-Videos nicht sensibel genug agiert. Ihn wolle er nicht auf einem Ministerposten sehen, sollte die ÖVP nach der Wahl im September erneut mit der FPÖ koalieren. Den FPÖ-Politiker ließ das einigermaßen kalt: „Der Herr Bundeskanzler hat schon so viel gesagt, was er oft kurze Zeit später anders gesehen hat“, sagte Kickl. „Er ist ein junger Mann.“

Kickl will „die Tuchent“ lüften

Auch er richtete seinem ehemaligen Koalitionspartner Bedingungen für eine Fortführung der Zusammenarbeit aus: Wichtiger als ein Ministerposten für ihn selbst sei, dass keiner aus der ÖVP mehr in das Innen-Ressort komme. Die ÖVP Niederösterreich wären die treibende Kraft hinter der Aufkündigung der Koalition gewesen, glaubt Kickl. Damit er nach 16 Jahren ÖVP-Führung „die Tuchent“ im Innenministerium nicht habe lüften können.

Kickls Vertrauen in die ÖVP (sofern je vorhanden) wurde nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos offenbar schwer enttäuscht: „Ich kann nur sagen, dass Strache seinen Teil der Vereinbarung gehalten hat und Kurz nicht.“ Sie merken schon: So amikal wie die erste Auflage wird eine potentielle zweite türkis-blaue Koalition nicht mehr.

>> Das Interview mit Sebastian Kurz auf Servus TV

>> Das Interview mit Herbert Kickl auf Servus TV

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