Masernfälle in Graz: Gesundheitsministerin gegen Impfpflicht

Ministerin Hartinger-Klein setzt beim Impfen auf "Selbstbestimmung" und Aufklärung durch das Gesundheitspersonal. Volksanwalt Kräuter und die Neos sind anderer Auffassung.

Symbolbild: Kombi-Impfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps
Symbolbild: Kombi-Impfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps
Symbolbild: Kombi-Impfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps – APA/DPA/BERND VON JUTRCZENKA

Ein 15-Jähriger hat in Graz mehrere Kinder mit Masern angesteckt. Er war am 11. Jänner drei Stunden in der Kinderklinikambulanz des Landeskrankenhauses Graz gewesen. Da viele Eltern mit ihren kleinen Kindern und teilweise mit Säuglingen dort waren, die noch nicht geimpft werden dürfen, kam es zu Ansteckungen - darunter erst wenige Monate alte Babys.

Heute, Mittwoch, wurden 27 von 28 vorsorglich behandelten Säuglingen aus der Kinderklinik entlassen, wie in einer Aussendung mitgeteilt wurde. Sie waren einer Therapie mit Immunglobulinen unterzogen worden. Bei einem Baby bestehe der Verdacht einer Infektion, das Laborergebnis sei aber noch ausständig, hieß es weiter. Zudem wurden seitens der Klinik elf weitere Eltern kontaktiert, deren Babys mit dem Virus in Kontakt waren. Von ihnen kommen nun laut LKH fünf Säuglinge zur Therapie mit Immunglobulinen in die Kinderklinik.

Die Bezirkshauptmannschaft Weiz in der Oststeiermark teilte indes mit, 26 nicht geimpften Kindern der Volksschule Anger vorübergehend den Schulbesuch behördlich verboten zu haben. Die Maßnahme sei zwar "ungewöhnlich", aber in Anbetracht der hohen Ansteckungsgefahr nötig, sagte Bezirkshauptmann Rüdiger Taus. Die nicht geimpften Schüler dürfen laut Bescheid auch keine Kinderbetreuungs- oder Gesundheitseinrichtungen wie etwa Hausarzt oder Krankenhaus, keine Sporteinrichtungen wie Fußballplätze, Schwimmbäder oder andere öffentliche Veranstaltungen und Einrichtungen besuchen.

Kräuter an Hartinger-Klein: "Mir fehlt jedes Verständnis"

Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) meldete sich am Mittwoch ebenfalls zur Causa zu Wort. Am Rande des Ministerrats betonte sie, gegen eine Impfpflicht zu sein. Man setze auf "Selbstbestimmung" und Aufklärung durch das Gesundheitspersonal, dass Impfungen sinnvoll seien, sagte sie.

Die Neos fordern unterdessen einen "Impfgipfel", um das Thema näher zu debattieren. Parteivorsitzende Beate Meinl-Reisinger betonte in einer Aussendung, dass sich die Neos darauf verständigt hätten, für einen verpflichtenden Impfnachweis eintreten zu wollen. Darüber hinaus solle es einen elektronischen Impfpass und bei Kindergarten- und Schuleinschreibung ein verpflichtendes Impfgespräch mit den Eltern geben.

Volksanwalt Günther Kräuter hatte erst vor wenigen Tagen "endlich wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen" gefordert: "Seit Jahren fordert die Volksanwaltschaft eine konsequente Gesundheitspolitik gegen die hochansteckenden und gefährlichen Masern. Vor allem Kleinkinder, die noch nicht geimpft werden dürfen, sind die Leidtragenden." Statistisch gesehen würde ein an Masern Erkrankter rund 18 Personen anstecken.

Dass die Gesundheitsministerin eine Impfpflicht ist für Kräuter unverständlich: "Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Diese Chance muss ergriffen werden, denn Aufklärungskampagnen und Appelle haben sich als letztlich wirkungslos erwiesen", sagte er.

(Red./APA)

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