Ungarischer Bischof spricht von "muslimischer Invasion"

Flüchtlinge wären "arrogant" und würden "die Kontrolle übernehmen". Der Papst wisse nicht wovon er spricht.

László Kiss-Rigó sorgt mit Aussagen über Flüchtlinge in Ungarn für Schlagzeilen.
László Kiss-Rigó sorgt mit Aussagen über Flüchtlinge in Ungarn für Schlagzeilen.
László Kiss-Rigó sorgt mit Aussagen über Flüchtlinge in Ungarn für Schlagzeilen. – (c) Tamas Thaler (Wikipedia)

Nicht alle katholischen Würdenträger sind mit Papst Franziskus' Linie einverstanden. Während Franziskus um Solidarität mit den Flüchtlingen wirbt, kommen aus Ungarn ganz andere Töne: "Das sind keine Flüchtlinge. Das ist eine Invasion", sagte Bischof László Kiss-Rigó der Washington Post. "Sie kommen her und rufen 'Allah ist groß'. Sie wollen die Kontrolle übernehmen."

Kiss-Rigó ist Bischof in Szeged im Grenzgebiet von Ungarn, Serbien und Rumänien und ganz auf Linie des ungarischen Premierministers Viktor Orbán. Er stimme voll mit ihm überein, sagte der Bischof. Papst Franzikus "kennt die Situation nicht". Die Menschen würden keine Hilfe brauchen, weil die meisten von ihnen Geld hätten. Außerdem würden sie Müll hinterlassen und angebotenes Essen ablehnen. "Die meisten von ihnen verhalten sich sehr arrogant und zynisch", so Bischof Kiss-Rigó in der Washington Post.

Die Aussagen des Bischofs stehen in krassem Widerspruch zu Aussagen von Helfern an den ungarischen Grenzen oder in Budapest. Immer wieder betonten freiwillige Helfer, wie dankbar die Menschen für jede Hilfe seien. Einen Eindruck, den auch viele Helfer in Österreich an den Bahnhöfen gewannen.

Auch Erzbischof in der Kritik

Auch der Budapester Erzbischof, Kardinal Peter Erdö, war wegen einer Aussage zur Flüchtlingskrise in die Kritik geraten. Erdö hatte am Donnerstag in einem Interveiw gesagt, die Kirchen in Ungarn derzeit "nicht berechtigt" seien, Asylsuchende aufzunehmen. Am Montag bezeichnete er die Aussagen als "Missverständnis".

"Es ist verboten. Wenn sie es dennoch täten, wären sie Menschenschlepper", hatte er auf eine Journalistenfrage geantwortet, warum die katholische Kirche in Ungarn keine Flüchtlinge aufnehme. Gegenüber dem Nachrichtenportal Index erklärte der Erzbischof von Esztergom-Budapest am Samstag laut Kathpress, der Satz sei aus dem Kontext gerissen worden und stelle nicht seinen Standpunkt dar. Es sei in der aktuellen Situation vielmehr Aufgabe der Kirche, "sich allen Menschen human anzunähern, sie an- und aufzunehmen".

Vielmehr habe er bei der Gelegenheit - es war eine Pressekonferenz zum Abschluss der Herbstsitzung der ungarischen Bischöfe - auf das rechtliche Umfeld hinweisen wollen, vor welchen rechtlichen Barrieren die Flüchtlingshilfe der Kirche in Ungarn stehe, so der Kardinal. Die Bischofskonferenz habe trotz dieser Rechtsunsicherheit bereits zwei Liegenschaften als Quartier für Flüchtlinge ausgewählt für den Fall, dass die rechtliche Möglichkeit für deren Einquartierung geschaffen werde. "Auch wir sind bemüht, uns daran zu beteiligen", betonte Erdö.

Administrative Hürden

Dieselben bestehenden Hürden hätten die Kirche auch daran gehindert, Flüchtlinge vom Budapester Keleti-Bahnhof mit nach Hause zu nehmen und die Quartiere bereits sofort zu beziehen. Der ungarische Primas zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die administrativen Schwierigkeiten mit der Zeit gelöst werden könnten.

Erdö erinnerte an eine umfangreiche Hilfstätigkeit, welche die Kirche in Ungarn bereits ausübe. Dazu gehöre die Versorgung mit Lebensmitteln, Erste Hilfe und der psychologische Beistand für Minderjährige, zudem sei die Kirche durch ihre verschiedenen Organisationen nicht nur in Budapest, sondern auch in anderen Ortschaften tätig. "Aber in der Kirche gibt es bereits eine Strategie, wie Migranten, die sich in Ungarn längerfristig niederlassen wollen, versorgt werden können."

Kritik äußerte der Kardinal an einer Plakatserie der ungarischen Regierung. Es entspreche bei weitem nicht der Wirklichkeit, "dass Migranten den Ungarn die Arbeit wegnehmen".

(Red./APA)

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