Zensurierte Venus: Facebook entschuldigt sich

Facebook kann eines im Zusammenhang mit seiner us-typisch prüden Künstlichen Intelligenz eines mittlerweile sehr gut: sich entschuldigen. So viel Aufregung um eine elf Zentimeter große Figur.

APA/HERBERT NEUBAUER

Künstliche Intelligenz, Machine Learning. Das waren zwei große Schlagwörter auf dem diesjährigen Mobile World Congress. Noch sind wir aber weit davon entfernt, von den Maschinen unterjocht zu werden. Beruhigendes Beispiel ist dafür in regelmäßigen Abständen Facebook. Der riesige Konzern muss sich regelmäßig für das Versagen seiner Künstlichen Intelligenz verabschieden. Aktuell für das Löschen der Venus von Willendorf. "Wir entschuldigen uns für den Fehler", erklärte eine Facebook-Sprecherin am Donnerstag. Zwar seien Nacktabbildungen nach den Werbevorschriften auf dem Portal verboten, es gebe "aber eine Ausnahme für Statuen".

Deshalb hätte der Eintrag mit dem Foto der Statuette erlaubt werden müssen. "Wir haben den Inserenten wissen lassen, dass wir den Beitrag zulassen", betonte das Unternehmen. So lange die KI von Facebook nicht zwischen Mensch und Kunst unterscheiden kann, werden diese Vorfälle noch häufiger vorkommen.

Facebook hatte die Abbildung der Venus von Willendorf zuvor als "gefährlich pornografisch" zensiert. Die elf Zentimeter kleine Figur zeigt eine üppige nackte Frau. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im niederösterreichischen Ort Willendorf entdeckt und gilt als das wichtigste Objekt des Naturhistorischen Museums (NHM) in Wien, in dem die Figur ausgestellt ist.

Die Kontroverse begann im Dezember, als die italienische Kunstaktivistin Laura Ghianda ein Foto des Kunstwerks auf ihrer Facebook-Seite teilte. Nachdem es zensiert worden war, kritisierte sie den "Krieg gegen die menschliche Kultur".

Facebook stößt immer wieder mit Fällen von Zensur auf Unverständnis. Die französische Justiz befasst sich derzeit mit der Sperrung des Facebook-Accounts eines Mannes, der ein Foto eines Werks von Gustave Courbet veröffentlicht hatte. Auf dem Bild "L'Origine du monde" (Der Ursprung der Welt) ist eine realistisch gemalte Vagina zu sehen.

 

(Bagre/APA)

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