Kern macht Niki zur "Chefsache"

Die Regierung glaubt aber nicht daran, dass für die Airline eine Nothilfe wie in Deutschland tatsächlich notwendig werden könnte. Es geht bei Niki um rund 1000 Jobs.

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Niki darf mit Staatshilfe rechnen – (c) imago/R�diger W� (Rüdiger Wölk)

Jetzt hat die Insolvenz der Niki-Mutter Air Berlin auch die österreichische Bundesregierung erreicht. Und Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) macht die Causa zur Chefsache."Es ist dem Bundeskanzler wichtig, dass wir uns darum kümmern", erklärte Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) am Freitag. Die Regierung hat für den Fall, dass Niki von der Insolvenz der Air Berlin mitgerissen wird, staatliche Hilfe zugesagt.

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) kann sich im - aus seiner Sicht sehr unwahrscheinlichen - Fall des Falles vorstellen, der Fluggesellschaft Niki eine Nothilfe zu gewähren. Am Rande einer Pressekonferenz sagte Leichtfried zu einem etwaigen Regierungskredit für Niki: "Derzeit sind die Indizien so, dass das nicht notwendig ist, dass Niki eigentlich gut da steht. Niki ist auch nicht vom Insolvenzantrag betroffen."

"Sollte sich aber die Situation ergeben, dass Arbeitsplätze massiv betroffen sind oder Österreicher nicht mehr von ihren Reisen zurückkehren können sollten, dann muss man natürlich überlegen, wie man helfen kann", sagte Leichtfried. Derzeit sei eine solche Situation aber nicht absehbar. "Wir werden niemanden im Regen stehen lassen und uns im Falle einer Insolvenz um eine Lösung bemühen."

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits und GPA-Gewerkschafter Peter Stattmann erklärten nach der Betriebsversammlung, die am Freitagfrüh stattfand, sie hätten bei der Regierung wegen Unterstützung vorgefühlt.

Die deutsche Regierung hat der insolventen Niki-Mutter Air Berlin eine solche in Höhe von 150 Mio. Euro gewährt und hält so den Flugbetrieb aufrecht.

Betriebsrat:" Viel Frust und Wut"

Der Betriebsrat baut aber auf die die Zusage der Air-Berlin-Geschäftsführung, dass der Fluglinie Niki Liquidität zur Verfügung gestellt werde. "Wir haben auch die Anzeichen bekommen, dass Air Berlin sehr interessiert daran ist, hier den Betrieb am Laufen zu halten, um uns dann möglichst reibungslos verkaufen zu können", sagte Niki-Betriebsrat Stefan Tankovits. Auszuschließen sei eine Insolvenz aber nicht. "Wir sind auf alles vorbereitet." 

Nach der Insolvenz von Air Berlin gebe es viel Frust und Wut unter den Beschäftigten, so Tankovits nach der Betriebsversammlung. Die Air Berlin müsse handeln, aber es gehe um viel mehr als darum, Gläubiger zu befriedigen - es gehe um unsere Arbeitsplätze. Rund 200 Beschäftigte waren bei der Betriebsversammlung am Flughafen Schwechat anwesend. Sowohl in Wien als auch am Standort Düsseldorf, wo ein überwiegender Teil der Niki-Flotte stationiert ist, wurden die Mitarbeiter über den Stand der Dinge informiert werden.

Auf den Punkt gebracht: Niki ist - bisher- nicht von der Pleite der Muttergesellschaft betroffen. Noch nicht, deshalb drängt auch die Zeit. Denn lange kann sich die Tochter nicht allein in der Luft halten, so läuft etwa der gesamte Vertrieb gemeinsam.

Das Tempo, das in Deutschland - namentlich von Air Berlin, aber auch von der deutschen Regierung und der Lufthansa als Hauptinteressenten - für den Verkauf von Air-Berlin-Teilen an den Tag gelegt wird, ist den Österreichern daher sehr recht. Schon ab heute verhandelt die deutsche AUA-Mutter Lufthansa über die von ihr angestrebte Übernahme von 90 der 140 Air-Berlin-Flugzeuge sowie eine komplette Übernahme von Niki.

Bisher kaum Informationen

"Wir hoffen auf Klarheit, wir sind bereit zu Gesprächen. Es kann uns gar nicht schnell genug gehen", sagt der Niki-Betriebsratschef. Der "Presse" gegenüber hat er mehrfach kritisiert, dass bisher über die prekäre Situation bei Air Berlin nur ganz spärlich Informationen geflossen seien. So wei auch die Insolvenz überraschend gekommen.

Die heimische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) steht in Kontakt mit Lufthansa. "Um für mögliche Zusammenschlussanmeldungen gut vorbereitet zu sein, analysieren wir den Markt", so eine BWB-Sprecherin auf APA-Anfrage. Die Wettbewerbshüter schauen sich demnach "die derzeitigen Marktanteile der Lufthansa, Air Berlin, Easyjet und Ryanair sowie mögliche Problemfelder an". Da die Lufthansa eine sehr starke Marktposition hat, müsste wohl ganz genau geprüft werden - möglicherweise aber gleich auf europäischer Ebene. Das betonte BWB-Chef Theodor Thanner gestern in der ORF-"ZiB2": Über Auflagen und Bedingungen werde intensiv zu reden sein". Eine Auflage könnte etwa sein, dass das neue Unternehmen, dass sich zusammenschließt, bestimmte Strecken nicht bedienen kann."

Aufspaltung nachteilig für Bodenpersonal

Deshalb kann und wird bei einer Übernahme von Air Berlin nicht ausschließlich die Lufthansa zum Zug kommen, wie die deutsche Regierung erklärt hat. Nach Angaben der deutschen Belegschaftsvertreter im Lufthansa-Aufsichtsrat wird jetzt aber einmal exklusiv mit der Kranich-Airline verhandelt, danach würden wohl die anderen Interessenten eingeladen, um ein gemeinsames Paket zu schnüren.

Insgesamt hat Air Berlin rund 8000 Beschäftigte. Der Generalbevollmächtigte der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ist zuversichtlich, dass die Arbeitsplätze der meisten der 8.000 Mitarbeiter gerettet werden können. "Endgültig sicher ist man erst, wenn die Verträge unterzeichnet sind. Aber wir befinden uns in sehr guten Gesprächen mit potenziellen Käufern", sagte Frank Kebekus dem "Handelsblatt" vom Freitag.

In Gewerkschaftskreisen wird befürchtet, dass bei der Aufspaltung der Niki-Mutter Air Berlin vor allem das Bodenpersonal unter die Räder kommen könnte. Diese Sorge könne er "nur zum Teil nachvollziehen", sagte Kebekus. Er sei "da durchaus optimistischer als die Gewerkschaften", sagte er und verwies etwa auf die Air Berlin Technik mit 800 Mitarbeitern. Sie sei ausgelagert und es handle sich um ein eigenes Insolvenzverfahren. Eine komplette Liquidation der Sparte sehe er nicht.

(APA/Reuters/red.)

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