Med-Uni Wien: Erstmals mehr Frauen zugelassen

Die umstrittene genderspezifische Auswertung zeigt Wirkung: 56 Prozent der Medizin- Studienplätze in Wien gehen an Bewerberinnen.

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(c) APA (BARBARA GINDL)

Erstmals sind beim Eignungstest für das Medizinstudium in Wien heuer mehr Frauen als Männer zugelassen worden. Knapp 56 Prozent der begehrten 740 Studienplätze gehen an Frauen, 44 Prozent an Männer. Der Frauenanteil bei der Platzvergabe entspricht in etwa jenem beim Test. Seit der Einführung des sogenannten EMS-Tests im Jahr 2006 hatten sich zwar stets mehr Frauen beworben, die Mehrheit der Plätze ging allerdings immer an ihre männlichen Kollegen.

Dass dem heuer nicht so ist, dürfte allerdings weniger an den Testleistungen als an der neuen, genderspezifischen Auswertung liegen, die die Med-Uni heuer durchgeführt hat. Aus den beim Test erzielten Punkten wurde jeweils in Mittelwert für Frauen und Männer errechnet und die Ergebnisse anhand dessen angeglichen. Konkrete Zahlen stellte die Med-Uni nicht zur Verfügung. Auch wie der Test bei der traditionellen Auswertung ausgegangen wäre, gab die Uni nicht bekannt. "Ziel war ein faires Auswahlverfahren, das ist gelungen", heißt es vonseiten der Uni. "Es gibt heuer keinen Gender-Gap, wir gehen davon aus, dass das auf dieses Verfahren zurückzuführen ist."

Die Studentenvertreter, die sich gegen die neue Auswertung gewehrt hatte, waren am Mittwoch nicht erreichbar. Sie hatten nach der Ankündigung des neuen Verfahrens juristische Schritten in Betracht gezogen. Denn einem von der ÖH in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge ist die geplante Auswertung rechtswidrig. Die Uni-Leitung blieb dennoch bei dem Verfahren. Das Gutachten gehe von falschen Voraussetzungen aus.

Innsbruck: Frauen wie bisher schlechter

An der Med-Uni Innsbruck, wo derselbe Test verwendet wird, wurden die Ergebnisse beider Geschlechter auch heuer gemeinsam ausgewertet. Die Frauen schnitten dort deutlich schlechter ab als die Männer: 58 Prozent der Kandidaten waren Frauen, der Frauenanteil der Aufgenommenen beträgt dagegen nur 47 Prozent. Das ist in etwa die gleiche Diskrepanz wie im Vorjahr (55 Prozent Frauen bei der Testteilnahme, 44 Prozent bei der Aufnahme). In Graz wird eine andere Methode verwendet, auch dort waren die Frauen aber weniger erfolgreich als die Männer.

Der EMS an den Med-Unis Wien und Innsbruck fragt Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen etc. ab. In Graz umfasst der Test neben einem Wissenstest in den Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik einen Textverständnis-Teil sowie einen Teil, in dem Sozialkompetenz getestet werden soll. Für Zahnmediziner kommt an allen drei Standorten außerdem ein Drahtbiegetest zur Anwendung.

Ab dem kommenden Jahr soll es an allen drei Unis erstmals den gleichen Test geben. Er wird derzeit erarbeitet. Wie das neue Verfahren konkret aussehen soll, ist noch nicht ganz klar.

Medizin-Studienplätze

Insgesamt wurden in Wien 740 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin vergeben, in Innsbruck 399 und in Graz 364. Auf Basis der geltenden Quotenregelung werden jeweils 75 Prozent der Plätze Bewerbern mit österreichischem Reifezeugnis, 20 Prozent EU-Bürgern und fünf Prozent Nicht-EU-Bürgern zugeteilt. Angetreten waren in Wien knapp 4400 Personen, in Innsbruck 2100 und in Graz 1700.

(beba/APA)

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