"Konsument" prangert Mogelpackungen an

27.12.2012 | 08:18 |   (DiePresse.com)

31 Lebensmittel-Produkte wurden mit einem Computertomografen durchleuchtet. Die Hersteller arbeiten mit vielen Tricks.

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Mogelpackungen bei Lebensmitteln zeichnen sich dadurch aus, dass sie viel Inhalt versprechen, aber nicht bieten. Mit viel Luft in der Verpackung werden die Kunden an der Nase herumgeführt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sich auf die Suche von Mogelpackungen gemacht und im Herbst die ersten Ergebnisse präsentiert. Jetzt hat der VKI weitere Sünder aufgespürt. Im Sommer hatte auch die Arbeiterkammer mehrere Hersteller gerügt.

Mit Computertomograf durchleuchtet

Der Verein hatte sich für die letzte Untersuchungen eines Computertomografen eines Wiener Diagnosezentrums bedient. Bei der Verpackung von Hipp-Babykeksen sprach ein damit erzeugtes Bild eine klare Sprache. Darauf war deutlich zu erkennen, dass die Hälfte des Inhalts nur aus Luft besteht. Daraufhin wurden insgesamt 31 Produkte eingekauft und untersucht, die bereits "Konsument"-Lesern negativ aufgefallen war. Herausgekommen sind Bilder, die zeigen, wie wenig Inhalt in manchen Verpackungen steckt. So war etwa in der Spak-Ketchup-Flasche ein Viertel weniger Inhalt zu erkennen. Auch in der Verpackung des Brokkolis von Spar gäbe es noch jede Menge Platz. Ähnlich sehen die Inhalte von Kellogg's Cornflakes, Lorenz Nusscocktail, Spar Vital Knabbererdbeeren und Eduscho Kaffeepads aus.

Mogelpackungen: Die Tricks der Lebensmittelkonzerne

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Kunden können Inhalt nicht erkennen

Es wird Kunden nicht gerade leicht gemacht, herauszufinden, wie viel sie für ihr Geld bekommen, meint der VKI. Möglichkeiten, mehr Inhalt vorzutäuschen, werden flächendeckend genutzt. Jede Marketingabteilung weiß, dass die Größe der Verpackung massiven Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten hat. Also werden Säcke mit Luft aufgepumpt, damit sich ihre Füllmenge nicht mehr ertasten lässt, kritisierte "Konsument" (Jänner-Ausgabe). Beutel versteckten sich in Überkartons. Ein Sichtfenster wird so angebracht, dass die Verpackung immer randvoll aussieht. Bei den meisten Gläsern und Flaschen kann niemand mehr durchschauen. Manchmal ist Luft in einer Verpackung nötig. Dann sollte dieser "Luftraum" für Kunden auch einsehbar sein, kritisierten die Tester.

Keine Regelung in Österreich

In Deutschland hält eine Leitlinie fest, dass in Verpackungen ein Luftvolumen von maximal 30 Prozent des Gesamtvolumens tolerierbar ist. Und auch die European Breakfast Cereal Association empfiehlt ihren Mitgliedern, bei Müslis, Cornflakes, Frühstücksflocken und Co. eine Minimum-Füllmenge von 70 Prozent einzuhalten, das heißt ein Luftanteil von höchstens 30 Prozent. In Österreich gibt es keine Regelung. Bisher wurde laut "Konsument" keine Verordnung "für den Befüllungsgrad von Verpackungen" erlassen. Auch nicht 2009, als von der EU die bisherigen Einheitsgrößen abgeschafft wurden. Seit diesem Zeitpunkt steht es Herstellern frei, ihre Produkte in den unterschiedlichsten Mengen anzubieten.

(APA)

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76 Kommentare
 
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versteckte inflation: preis bleibt gleich, gewicht wird weniger / inhalt wird weniger

das ist erst der anfang

Der Schärdinger

Wir haben uns aber diesen ganzen Wahnsinn selber gewählt.
Jeder wußte, dass man sich mit den EU Parlamentariern eine Herde von Bürokraten mit eiinem Hang zur Korruption schafft, wir haben aber zugestimmt.!

Re: Der Schärdinger

Aber dafür, dass die österreichischen Politiker für keine entsprechende Verpackungs-Regel gesorgt haben (etwa wie in Deutschland: 70% minimale Füllmenge) dürfen Sie nicht die EU verantwortlich machen.
Und weil wir schon dabei sind: Sind "unsere" Politiker nicht auch "die in Brüssel", auf welche dann von eben diesen in Österreich so trefflich geschimpft wird?

Re: Der Schärdinger

Zugestimmt? Ja aber nur weil uns die Politiker das Blaue vom Himmel versprachen und wir darauf reingefallen sind. Heute wiisen wir, was Versprechen unserer Politmöchtegerne bringen, das Gegenteil von dem, was sie versprechen. Aber nachher ist man immer gescheiter als vorher, c'est la vie.

Eine kritische Betrachtung ist jedem Kunden zumutbar.

Da braucht es auch keine Regelung, solange das Füllgewicht korrekt angegeben ist. Und es ist legitim für die Unternehmer, jene Packung zu wählen, die den Kunden am meisten zum Kaufen animiert. Solange der Kunde bereit ist, die Verpackung mitzuzahlen und die Umwelt durch Recycling geschont wird, ist da nichts zu bemängeln.

Ein kleiner Vorschlag:

Nehmen sie eimal einen Becher Joghurt oder ein Packerl Butter und legen sie´s gleich im Geschäft (Gemüseabteilung) auf die Waage. Ich verspreche: Sie werden sich wundern.

Was ist so schwer daran, die Füllmenge von der Verpackung abzulesen?

Anhand dieser weiß man, wie viel, bzw wie wenig drin ist. Das Einzige, das mich bei den großen Verpackungen stört, ist die unnötige Umweltbelastung.

Und wer hilft den Firmen

beim Kundenbetrug? Die EU ! Da wir jedoch EU-fanantische Politiker "unser eigen" nennen, wird sich der Betrug am Kunden kaum verhindern lassen. Und weil's gerade so schön ist, die Kunden mit EU-Hilfe zu betrügen, auch das noch:http://www.welt.de/wirtschaft/article112246435/EU-will-Verbraucher-zum-Wassersparen-zwingen.html
Jetzt warten wir nur noch auf kommunistischen 5-Jahres-Plan und die Diktatur ist perfekt. Einfach pervers das Ganze.

Re: Und wer hilft den Firmen

die meisten menschen halten wassersparen fuer gut und werden den zwang dazu befuerworten. das ist ganz unabhaengig davon wieviel wasser vorhanden ist, das 'sparen' ist der eigentlich wert. der gedanke dass der nachbar heimlich mehr wasser verbrauchen koennte als man selbst wird auch die schaerfsten ueberwachungsmassnahmen schmackhaft machen.
freiheit, den anderen etwas tun zu lassen was man selber nicht fuer gut findet ist den meisten nichts wert, im gegenteil.

Re: Re: Und wer hilft den Firmen

Nein, ich befürworte einen Zwang zum Sparen von irgendwas nicht. Das ist nur in den Köpfen der Ökofaschisten so.

Konsumentantäuschung

Wird hier nicht der Tatbestand der vorsätlichen Konsumententäuschung erfüllt?!

Re: Konsumentantäuschung

solang draufsteht was drin ist sicher nicht.

Parallelen

Mit den Lebensmittelpackungen ist es wie mit vielen Politikern. Das, was draufsteht (oder versprochen wurde) und das, was man erhält, differiert oft gewaltig.

Das geht bei mir ganz einfach...

...ich kaufe im Lebensmittelbereich nichts, was aus einer Fabrik von internationalen Großkonzernen kommt, sondern nur direkt oder über einen lokalen Sammelladen von Bauern und kleinen, unabhängigen Erzeugern aus der Region.

Re: Das geht bei mir ganz einfach...

wie lange brauchen Sie dann für den Wocheneinkauf bzw. sind Sie alleine im Haushalt?

Re: Re: Das geht bei mir ganz einfach...

Jeden 1. und 3. Samstag im Monat ist Bauernmarkt, da decke ich mich bei den - mir mittlerweile bekannten Produzenten aus der unmittelbaren Umgebung - mit Fleisch und bäuerlichen Erzeugnissen sowie Käse für die nächsten zwei Wochen ein. Auf dem Rückweg liefert mir ein kleiner Laden (ebenfalls wo es möglich ist von regionalen Produzenten) Dinge wie Nudeln etc. oder auch Gewürze und andere Zutaten.
Milch/Joghurt/Topfen etc. gibt's jeden Montag von einem Bauern aus dem Ort, Gemüse und Obst zum Großteil aus dem eigenen Garten, Brot und Semmeln backe ich teils vom Mehl, teils vom Getreide weg jeden Samstag selber.
Zeitaufwand (bis auf das Brot backen)? Nicht mehr, als sich sonst 2x die Woche durch den rammelvollen Supermarkt zu quälen. Ach ja: Ich kaufe für 5 Personen ein. Ich weiß - außer bei Überseeprodukten wie Rosinen - bei allem, was ich esse, wo es herkommt und wie es produziert wurde. Zeitaufwand (bis auf Brot backen, aber das verbuche ich als Hobby) ist nicht mehr und nicht weniger und auch preislich gibt es sich unterm Strich alles zusammengenommen gegenüber dem Supermarkt nichts.
Verzichten muss ich auch auf nichts. Außer auf Convenience-Fertigprodukte, die ich ohnehin nicht mag, da ich nichts mit Aromen, Geschmacksverstärkern und unmäßigem Verpackungsmüll esse.

Re: Re: Re: Das geht bei mir ganz einfach...

Wollen sie die Standler vom Bauernmarkt woanders treffen. Dann gehen sie mal am Freitag vor dem "Bauernmarkt" zu einem Großhändler (Metro, AGM,...) einkaufen. Sie treffen sie an der Kassa...

Re: Re: Re: Das geht bei mir ganz einfach...

das klingt natürlich fein - Gratulation, für einen Städter ist es allerdings nicht ganz so einfach an solche Lebensmittel zu kommen.


Re: Re: Re: Re: Das geht bei mir ganz einfach...

das stimmt ja gar nicht - gerade in wien ist es extrem einfach an "solche" lebensmittel zu kommen.

es gibt bauernmärkte wie sand am meer und auch herrliche produkte dort.

man muss einfach nur hingehen.

jeder geht lieber ferngesteuert in den Supermarkt, als ein paar schritte weiter am samstag zum bauernmarkt oder in den bio supermarkt.

ich bin ja eher der Meinung, dass es fast egal ist, was man isst - viel wichtiger ist eine gesunde arbeit und viel bewegung. insofern wäre eine gesunde umwelt viel wichtiger - und die findet man definitiv nicht mehr in wien!!!

Re: Re: Re: Re: Re: Das geht bei mir ganz einfach...

Bauernmärkte wie Sand am Meer, gerade dort wird großteils SCHROTT verkauft ...


mogeln:

solange der Inhalt/Füllmenge dem Aufdruck entspricht gibts nix zu meckern. Verpackungen werden als Werbefläche für das jeweilige Produkt genutzt. weiters greift der Mensch eher zur größeren Packung. seis wie es sei selber schaun und vergleichen

Re: mogeln:

Ernsthaft?
1. Produzieren wir dadurch im Schnitt 35% mehr Müll, den wir dann nach Afrika schicken, weil wir Europäer nicht mehr wissen wohin damit! Aber wurscht hauptsache wir haben genug Werbefläche, damit wir noch mehr Müll kaufen den wir eigentlich nicht brauchen und der uns Krank macht, mit Geld dass wir eigentlich nicht haben.

2. Wiederstrebt es mir prinzipiell von Komzernen bewusst über Menge und v.a. Zutaten des Inhaltes und dessen Gesundheitlichen folgen getäuscht zu werden! Aber stimmt ja - ich fauler Konsument kann mir ja das kleingedruckte durchlesen wenn ich will... - Was für eine Heuchelei!

Re: Re: mogeln:

geh bitte, die muellhysterie ist sooo 1970er... die afrika thematik betrifft sondermuell und nicht extra luft, plastik und kartonage im supermarkt, welche zu grossem teil wiederverwertbar sind und den muellverbrennungsanlagen zufuhr von sprit erspart.

Re: Re: Re: mogeln:

die gurken werden genormt und müssen gerade sein, damit sie besser transportierbar sind und vor allem effizienter und bei den verpackungen wäre dann wieder alles wurscht?

das ist weder retro noch sonst was - das ist einfach nur duxx.

selbst 30 prozent leeranteil finde ich einfach nur krank - maximal 10 Prozent und die sache hat sich.

Re: mogeln:

Sorry, aber falsch: ich bin grundsätzlich ein überzeugter Liberalist. Regelungen müssen aber dort eingreifen, wo der freie Markt zu Ineffizienzen führt.

Wo ist hier die Ineffizienz? Ganz einfach:
Dadurch, dass Produkte in kleiner Verpackung schlechter gesehen werden, genießen sie einen Wettbewerbsnachteil. Kunden kaufen eher Produkte in größerer Verpackung. Das ist Fakt. Folglich bieten alle nur noch Produkte in größerer Verpackung an.

Die Folge?
a) In Supermärkten wird mehr Platz benötigt.
b) Der Einkaufskorb wird größer, man braucht mehr (Plastik-)Sackerl, usw.
c) Es wird weit mehr Verpackungsmaterial produziert, als sinnvoll ist - wirtschaftlich, aber auch ökologisch völlig nutzlos, da nur noch mehr Müll.

Ein klassisches Beispiel dafür, wo sich der freie Markt selbst behindert und Regulierung Platz greifen muss. Dies dient allen: den Konsumenten (kleinere, handlichere Päckchen), dem Handel (mehr Platz) und der Umwelt (weniger Verpackungsmaterial-Müll).

Re: Re: mogeln:

gaaaaanz tief drinnen bist du aber schon ein begeisterter Planwirtschaftler der eine freie Gesellschaft mit Baukloetzchen verwechselt die es moeglichst effizient in ein Kistchen zu stapeln gilt. Privat gefuehrte Supermaerkte wissen vermutlich mehr ueber Verkaufsflaechenmanagement als du und ziehen offensichtlich den Status Quo deinen dirigistischen Wunschvorstellungen vor. Und wo ist Muell ein Problem in der wirklichen Welt?

 
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